Mittwoch, 19. November 2008

Der Froschmäuseler
von
Friedrich Seidel

„Nun“, sprach sie, „zuerst, weil es passt“,
Seidels Werk wurde 1861 verfasst.
Auch hier wieder diese merkwürdige Zahl.
Sieben plusminus, mir war es egal.
Ich habe beim Studium die Bilder vorgezogen
Und deshalb den Text nur kurz überflogen.

Seidels Story ist der von Rollenhagen entlehnt
Aber nicht ganz so, wie bei jenem, in die Länge gedehnt.
Den Illustrationen von A. Wiedemann
Sieht man das künstlerisch Wertvolle an.
Bevor Herr Aristoquakes sich kann erfrechen
Die Bilder für sein Buch zu verwenden,
Will ich sie kurz für euch schnell besprechen
Und anfügen dazu ihre Legenden.


Die Initiale „D“, im Werk Seite eins
Mit einem Frosch darin, zwecks des guten Scheins,
Leitet den Froschmäuseler unter dem Titel,
Ein in seinem ersten Kapitel.


Die zweite Wiedemann- Illustration
Zeigt eine Froschvolk- Delegation,
Mit Grünrock, der durchs Schilf sich zwängt
Und mutig die anderen nach vorne drängt.
Vornehm, wie’s der Frösche Art,
Kündigt seine Gegenwart
Er durch lautes Quaken an.
Und dass man ihn auch sehen kann,
Bläht zum Schallsack er den Bauch
Weit auf wie es bei den Grünen Brauch.
Der Text zum Bilde das ihr seht,
Wie folgt im Buch von Seidel steht:

Original-Text
„Bald wurde Grünrock der Fünfe gewahr,
Sprach: Diese Reis’ ist ohn’ Gefahr,
Es sind Mausmännlein, wie ich seh,
Von denen eins ist weiß wie Schnee!“

Wie nun die Frösch’ ans Ufer kamen,
Aus dem Wasser ihren Auftritt nahmen,
Trat das Herrlein muthig hinan,
Sprach: „Ho, Glück zu, mein lieber Mann!
Ich bin an euern See gekommen,
Und hab einen frischen Trunk genommen;
Kann ich euch für den Wassertrank
Wiederum erzeigen Dank,
So thu’ ich das ohn’ all Beschwer’n,
Will euch zu Ehren dienen gern.“
Ende Original-Text

„Zum dritten Bild auf Seite sieben“,
So fuhr Madam Sinnierlich fort,
„Steht im Buch per Vers geschrieben,
Des Mauskönigs Begrüßungswort“:

Original Text
„ Pausback war vermeldet schon,
Dass ankäme des Mäusekönigs Sohn,
Darum ging der König herfür
Bis an desselben Ufers Thür,
Daß er ihn ehrlich wollt’ empfangen:
Neben- und hinterher kam gegangen
Der Hofdiener große Schaar,
Des Gastes all’ zu nehmen war.

Der junge König, als er gesehen
Den Froschkönig zu ihm hergehen
In seinem grünen Sammetkleid
Mir Gold verbrämt zu jeder seit,
Und Augen wie der Morgenstern
Schön hervorglänzen in der Fern,
Dazu den buntgefleckten Haufen
Der Frösch’, die all kamen gelaufen,
Gedacht er: „Ei, es ist Unehr’,
Daß ein König verzaget wär’,
Du willst hintreten ohne Scheu;
Des Mann’s Gegenwart schreckt wie ein Leu!“
Und braucht dabei höfisch Geberd’,
Wandt’s Angesicht züchtig zur Erd’,
Faßt’ mit der rechten Hand die Brust,
Und neiget sich, wie er wohl wußt’,
Hernach kredenzt er in dem Stand
Dieselbe seine rechte Hand,
Gab sie dem König, der zuvor
Sein’ Hand ihm da anbot empor:“
Ende Original Text


„Das dritte Kapitel“, fuhr erklärend gar kess
Frau Sinnierlich fort, „beginnt mit `nem „S“
Das füge ich mit ein paar Zeilen euch bei.
Mir selbst war im Text das „S“ einerlei.



Auf Seite vierzehn, Gutkäschen Maus
Abgebildet beim Festtagsschmaus.


Die Landmaus Warnfried sitzt daneben,
Hält nichts von dem Schlaraffenleben
Von dem ihr Gegenüber prahlt.
„Maßhalten sich mehr auszahlt“,
Meint sie am End und sagt, „das Beste
Von einem Festmahl sind die Reste“.


„Im Kapitel acht, als Warnung für alle,
Mäuse gezeichnet eine Mausfalle.
Wo grad noch Speck so lecker hing,
Beim Naschen was daneben ging.



„So ist es auch bei uns im Leben,
Manchmal geht etwas daneben“,
Hat Frau Sinnierlich frech gelacht,
„Von dem man glaubt, dass Spaß es macht“.


„Ich habe“, fuhr sie fort, mit heiterem Ton,
Noch ein paar weitere Illustrationen davon,
Von dem, was der Künstler Wiedemann
Zeichnend sich zum Text ersann,
Den, wie anfangs ich berichtet,
Friedrich Seidel hat gedichtet.
Und dann fügte Sie spontan
Ein weiteres schönes Bildnis an.


Es zeigt aus Pausbacks Ahnengalerie,
Einen Frosch der Aristokratie.
Es ist der alte Marx Kedarlaomar,
Der des Königs alter Vater war.


„Schaut das Bild genau euch an,
So sieht er aus mein Traum von Mann“
Grinste Madam Sinnierlich keck.
„Ein Bild von Mann für jeden Zweck“
Und dann fuhr sie froh und heiter
Mit der Bilderbeschreibung weiter.

Auf Seite fünfunddreißig dann
Fängt im Band das Drama an.
Die Überfahrt ist illustriert,
Bei der der Frosch die Maus verliert.



Der Text erläutert wie sie schwammen
Und was auf hoher See geschah.
Er könnte von Homer selbst stammen,
So liest er sich im Werk, beinah.
Ich les’ euch ein paar Verse vor.
Öffnet Fritz Seidel euer Ohr.
Von Bröseldiebs Abscheiden lautet der Titel
Auf Seite vierunddreißig im dreizehnten Kapitel.


Zweiter Theil

Dann beginnt der zweite Teil
Mit der Initiale „U“.
Zwei Mäuse, nicht zu ihrem Heil,
Stürmen auf des Schlachtfeld zu.


Madam Sinnierlich, ganz in ihrem Element,
Bild um Bild, Fragment nach Fragment,



Stellte nun Seidels Froschmäuseler vor.


„Was seh’ ich gut aus dort auf dem Monitor“,
Dacht’ sie mit einem Anflug von Koketterie.
Ihre Kollegen indessen sahen ihr Knie
Und weiter hinauf, denn ihr Rock war geschlitzt,
An den Beinen bis dorthin, wo man drauf sitzt.
Maxe Schmäh und Konträr, sein Kumpan,
Waren der Ansicht dort mehr zugetan
Als dem Geschwafel über Literatur.

R.W. Aristoquaken, ein Mann von Kultur,
Dachte inzwischen nur noch das Eine:
„Wann besprechen wir endlich das meine“?
Mein Buch hat entgegen den ollen Kamellen
Aus vergangener Zeit, viel interessantere Stellen.

Während Max Schmäh die Augen sich rieb,
Berichtete Frau Sinnierlich mit Überschwang im Ton,
Wie Maus Friedlieb widerraten hatte einst dem Krieg,
In Friedrich Seidels phantastischer Tierkriegsversion.
Dazu blendete die Regie, zum bessern Verstehen,
Das Bild Friedliebs ein. Alle konnten es sehen.
Der war geboren aus edeler Art,
Im Alter ergrauet war ihm der Bart.


So las Madam Sinnierlich, die Stimme sonor,
Aus dem Werke von Seidel dann weiter vor.



Das nächste Bild, so fuhr sie heiter
Dann in ihrer Buchbeschreibung weiter,
Zeigt deutlich, so weil altbewährt,
Wie man einen Krieg erklärt.


Wie das wörtlich damals war,
Erläuterte Seidels Kommentar.


Auf Seite neunundsechzig steht,
In voller Rüstung wie ihr seht.

Der Mauskönig, in Sonderheit….
Zum Kampf entschlossen schon bereit.


Auf Seite achtzig irgendwo
Steht der grüne König so
Wie ihn Homer uns schon besungen.
In seiner Rüstung ungezwungen,
Zeigt er sich in des Künstlers Stil
Von der Seite im Profil.
Die Zeilen, die darunter stehen
Erklären uns was wir dort sehen.


„Als nächstes Bild im Bilderreigen
Möchte ich dieses Bild euch zeigen“
Sprach Madam Sinnierlich dann
Mit einem Blick zum Kameramann,
„Halten sie mal richtig drauf
Und drehen Sie die Linse auf.

„Das Bild, um kurz es zu beschreiben“,
Fuhr sie danach erklärend heiter,
In Ihrer Bildbeschreibung weiter,
„Zeigt Krieger die den Feind vertreiben.
Eine Maus mit Binsenrohr
Schlägt auf ihre Feinde ein.
Der andre Recke, links davor,
Schaut euch das Bild genau nur an,
Hält den einen Frosch am Bein,
So dass der nicht flüchten kann.


Die Zeichnung, skizziert mit Hintersinn,
Was damals, vor dem Kriegsbeginn,
So wie Wiedemann es sah,
Am Eridanosstrom geschah.



Das nächste Bild, jetzt kommt was für sie,
Zum Zählen Herr Aristoquakes! Irgendwie
Steckt in den Zeichnungen tatsächlich Methode.


Im Siebenzahlmarschordnungscode,
Rückt eine Mausabordnung vor.
Und erklärend mit Humor,
Fügte Frau Sinnierlich dann
Die nächste Bildbeschreibung an.



Zwei Seiten weiter im Buch, im dritten Teil,
Bietet der Künstler eine Initiale uns feil.


Aus dem Letter „B“ schauen zwei Krieger heraus.
Links mit Fahne, ein Frosch und rechts eine Maus.
Das „B“ ist gezeichnet mit Schnörkeln voll Pracht,
Zu künden den Anfang der blutigen Schlacht.
Die Zeilen daneben, ihr werdet es versteh’n,
Rezitier ich nicht alle, nur die ersten zehn.
(Siehe Text neben der Initiale)

Die nächste Bild, auf der Froschteichpromenade,
Zeigt die Abnahme der Froschtruppenparade.


Die Reihe der Krieger der Froschmonarchie
War etliche Froschmeilen mindestens lang.
Dargestellt ist die erste und siebte Froschkompanie
Bewaffnet mit Lanzen, alles Helden von Rang.



Auf Seite vierundneunzig, was deutlich zu sehen,
Sind wir mitten drin im Kriegs-Schlacht-Geschehen.
Illustriert in der Bildmitte, gezeichnet famos,
Ein Froschkämpfer beim ersten Lanzeneinstoß.
Der Speer dringt dem Feind ins Herz tief hinein.
So ist es im Krieg! So wird’s immer sein!
Wer Orden sich will auf dem Schlachtfeld erwerben,
Riskiert Kopf und Kragen für nichts und zu sterben.


Unterstrichen wird das, was ich eben erklärte
Durchs nächste Bild. In unglaublicher Härte
Kämpfen die Krieger in den vorderen Reihen.
Auf Leben und Tod, Verderb und Gedeihen,
Metzeln und schlagen und stechen sie zu.
Der erste liegt schon in himmlischer Ruh.
Um sicher zu gehen, dass er nie mehr wacht auf,
Schmeißt Dreckfrosch auf ihn einen Mühlstein noch drauf.


Im nächsten Bild geht weiter das Morden.
Keiner ist dabei sehr glücklich geworden!
***

Dass es im Krieg beim Kampfe allein
Selten bleibt, soll erwähnt hier noch sein.
Ein Beispiel dafür, was im Felde ist Brauch,
Findet sich bei Seidel auch.
Bild und Text, Seite einhundertzehn,
Zeigt was im Krieg schon oft ist gescheh’n.




Nach dieser wahrhaft schändlichen Tat
Die Weitmaul, der Frosch begangen einst hat,
Kommen wir nun zum Höhepunkt der Schlacht
Die beiden Völkern hat Leid nur und Unheil gebracht.
Den Zweikampf der Könige, hochinteressant,
Hat Wiedemann auf ein Bild uns gebannt.


Den Text dazu lese ich auch euch gleich vor“,
sprach Madam Sinnierlich und sah kurz empor.
Und dann fuhr sie fort, was dereinst gewesen
Aus dem Werke Seidels weiter vorzulesen.

Leseprobe Seiten 120 bis 123





Sie endete mit dem Vers „Weg zum See“.
Das war ein kurzes Resümee,
Schloss sie endlich und fügte noch an:
„Die Illustrationen von A. Wiedemann
Geben dem was uns Friedrich Seidel beschert
Als Rollenhagen- Abklatsch bleibenden Wert.


Max Schmäh, aus seinen Gedanken geschreckt,
In denen er sich einen Plan ausgeheckt,
Wie er, wenn die Sendung ihr End hat genommen,
An Madam Sinnierlich heran könnte kommen.

Er fuhr hoch, „ach ja, na gut, also dann
Fangen wir mit Wolf und Steiner gleich an.
Wer ist an der Reihe? Ach sie Herr Konträr!
„Schon wieder ich“, murmelte unlustig der.

***

Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als fünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 10.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.