Mittwoch, 2. Dezember 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-12


Beginn der blutigen Schlacht

Der Kampf begann- welch schrecklich Toben!
Es mischte grauses Kriegsgeschrei
Sich mit des Donners Wüten droben
Und zornigen Flüchen mancherlei.
Es hagelt Seine, Pfeile, Speer,
Von jeder Größe, jeder Art.
Mit Blitzesschnelle hin und her,
So dass die Luft verfinstert ward.
Vom Erdgeist angeregt erhoben
Staubwolken wirbelnd sich gar dicht
Und zieh’n den Fröschen ins Gesicht.
Dagegen braust mit lautem Toben
Durch den Wassergott erregt die See,
So dass die Mäuse sehen kaum
Bespritzt von Blut und Wellenschaum.
Gar grausig ist fürwahr das Streiten
Mit Schwert und Spieß auf beiden Seiten
Und es tut auch furchtbar weh.

Was soll zuerst ich singen und sagen
Von dem was sich nun zugetragen?
Verkünd ich der Frösche List und Ruhm?
Preis ich der Mäuse Heldentum?

Fürst Friedlieb oder Patz vom Teich,
Ganz ungeschlacht und riesengleich?
Rühm ich den Junker von dem Teller,
Der listig wie Odysseus im Keller
Sich vor den Feinden tat salvieren,
Um sie schelmisch naszuführen?
Doch lässt sich Fischer von der Mücken,
Der Schlichekund’ge, nicht bestricken,
Fasst rückwärts Posto an den See;
Das bracht den Mäusen Ach und Weh!
Achilles-Schinkenklauber herrlich
Durch die Reihen sprengt begehrlich,
Ob er nicht Hector Pausback fände
Und in die Unterwelt ihn sende;
Doch dieser hält zur linken Hand
Im Rohr mit seiner Garde Stand
Und wartet ab die rechte Zeit,
Wann wenden werde sich der Streit,
Die Seinen tapfer einzusetzen,
Sein Schwert indessen scharf zu wetzen
Um es dem Feind, der kluge Mann,
In den Rücken zu stechen dann,
Wenn dieser denkt der Krieg sei aus.

„Ich bring sie um die dreiste Maus“
Denkt er und an seiner rechten Hand,
Fürst Rana, Padderan genannt,
Denkt ähnlich, nämlich wie er bald
Die Mäus’ lockt in den Hinterhalt,
Um im See sie zu ertränken,
Dass Kind und Kindeskind dran denken.

So dachten die Führer, unterdessen,
Es ist heut schwer nur zu ermessen,
Haben die Tiere in der Schlacht
Sich gegenseitig umgebracht.
Todbringende Lanzen schwirrten,
Blut floss in Strömen, Schwerter klirrten.
Krieger, zum Töten angeworben,
Sind zu Tausenden gestorben,
Die besten Frösche und Mäus von allen,
Sind in der Schlacht zuerst gefallen.
Durchbohrt von Speeren, Lanzen, Spießen
Sie auf dem Feld ihr Leben ließen.
Und wo mit Waffen nichts gelungen,
Wurd’ männlich Leib an Leib gerungen.
Verwundete im Jammertönen
Und Sterbende hörte man stöhnen;
Die mutigsten der tapfern Leute
Wurde des dummen Krieges Beute,
Auf dem Feld der Ehr beim Streiten
Der Heere nun auf beiden Seiten.

Manch Fürst und edler Ritter musst’
Jetzt büßen seine Kampfeslust
Und manchem Jüngling, hoffnungsvoll,
Das Leben mit dem Blut entquoll.
Schon hört man das „nach Mama Flehen“
Und konnt’ geschundne Leiber sehen;
An denen nichts mehr lebenswert,
Von innen nach außen ward gekehrt.
Auch Hilferufe und Wehgeschrei
War vielerorts gar laut dabei.
Gar mancher, in Gefangenschaft
Geraten, wurde weggeschafft,
Für Tote, die im Wege lagen
Blieb keine Zeit, sie zu beklagen.

So wogte der Kampf nun hin und her;
Der Sieg schwankte nach beiden Seiten.
Doch Junker Milchrahmlecker, der
Der Mäuse Vortrab sollte leiten;
Drang mit der Jugend Übermut
Schnell weiter vor, als klug und gut;
Denn plötzlich brachen mit Gewalt
Die Feinde aus dem Hinterhalt
Und hieben auf die Mäuse ein;
Unordnung kam in deren Reih’n;
Drob sah man überall den Schrecken
Sich übers ganze Heer erstrecken.
Das war ein Toben und ein Schrei’n.
Es büßten ihren Übermut
Der Mäuse viel mit ihrem Blut,
Gar manche sprang in größter Not
Ins Wasser und fand dort den Tod.

wird fortgesetzt

Dienstag, 11. August 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-11
Aufmarsch zur Schlacht

Am dritten Tag, wie angesagt,
Die Mäuse standen unverzagt
Zu Füßen des Olymp nicht weit,
Vom Reich der Frösche kampfbereit.

Sie beugten sich zur Erde nieder
Und sangen dabei fromme Lieder
Und beteten zum höchsten Gott,
Er wollt’ ihnen beisteh’n in der Not.


Worauf Feldprediger Zuckermund
Im Namen Gottes ihnen kund
Gab, dass dem Gott der Rache
Gefalle die gerechte Sache.
Er werde mit die Mörder schlagen
Und mit Blitzen sie verjagen.


Die Frösche taten desgleichen auch.
Sie streckten lang sich auf den Bauch


Und beteten demütiger Weise:
„Die bösen rachsüchtigen Mäuse
Bedrohen uns mit blut’ger Schlacht.
So hilf uns Herr, mit Deiner Macht,
Bewahre uns vor allem Schaden,
Du bist ein Gott der Huld und Gnaden,
Wirst unsre Unschuld nicht verlassen
Und jene Schurken auf den Straßen,
Die nächtlichen Diebe, schrecken und jagen
Mit Blitz und Donner sie erschlagen.“

Ihr Priester Laubfrosch im grünen Kleide
Von seiner Kanzel auf hoher Weide
Verkündete des Himmels Segen
Den tapfern Streiten allerwegen.
Wollt mit Gebet und Seelenmessen
Der armen Seelen nicht vergessen,
Kroch in den hohlen Stamm hernach
Und seine Fürbitt’ eifrig sprach.
Dann trat er mit dem Wasserfass
Zur Truppe, spritzte alle nass
Und gab den Recken Gottes Segen
Mit auf den Weg wie dessen Degen.

Als Formel fügte laut er an,
Dass jeder es auch hören kann:
„Kämpft wacker, denkt daran ihr Christen,
Bringt alle um die Atheisten.“
Der König Pausback ritt vorbei
Mit seiner starken Leibgardei,
Geworben in der Schweizer Land,
Als treu und tapfer wohl bekannt.

Er redete die Seinen an:
„Frisch auf, ihr Leute, drauf und dran!
Habt nur auf die Ordnung Acht,
Dass ihr’s, was ich befehle macht:
Wenn ihr der Spieße und der Flossen
Genug habt auf den Feind verschossen,
Denn lockt ihn fein in unsern See.
Da soll ihm werden bang und weh,
Wir wollen ihm ein Bad bereiten,
Dass er vergisst, mit uns zu streiten;
Wir wollen sie im See ertränken,
Dass Kind und Kindeskind dran denken.
Feldmarschall Rana wird zur Rechten
Voran im Vordertreffen fechten;
Ich aber will zu linken Hand
Mit meiner Garde nehmen Stand
Um zu des Mäuseheers Entsetzen,
Mein Schwert an Ihren Rücken wetzen.
Schon ziehen in Haufen sie daher,
Nun setzt mutig euch zur Wehr!“

Die Frösch riefen: „Ja, quax, quer,
Wir setzen mutig uns zur Wehr!“

Man sieht mit blutig roten Fahnen
Die Herolde den Weg sich bahnen,
Und näher rücken sie und näher
Die Troer und die Frosch-Achäer.

Am Morgenhimmel blutig rot
Die Sonne stand, verkündend Tod
Und einen unheilschwangeren Tag.
Da rückte, Staubeswolken regend
Und finstre Mordgedanken hegend,
Der Mäuse Heer im schnellen Trab
Kampfgierig in das Tal herab
Worin der See der Frösche lag.
Der Himmel deckte weit umher
Mit Wolken sich, gewitterschwer;
Oft flammte hell des Blitzes Schein;
Der Donner grollte hinterdrein,
Dass vom Getöse aufgescheucht
Ein jedes andr’e Tier entfleucht.

Wie wenn zwei Stiere sich erbosen
Und wütend aufeinander stoßen-
Den Kopf gesenkt, am Maule schäumend,
Den Schwanz gar zornig brummend bäumend,
Ein Gegner noch des andern harrt,
Und grimmen Blicks das Auge starrt,
Ob’s eine Blöße könnt erspähen;
Man sieht sie hin und wieder gehen,
Die Erde scharren, die Hörner wetzen,
Und sich zum Sprunge fertig setzen,
Die Augen sprühen Feuerflammen-
Mit einem male krach! Zusammen
Die Schädel schlagen und es ringen,
Indem die Hörner sich verschlingen,
Die Stiere brüllend, dass mit Grauen
Die Kinder auf das Schauspiel schauen.

So stützen aufeinander los
Die beiden Heere mit einem Stoß.
Die Mäuse pfeifen und zischen alle,
Die Frösche quaken mit lautem Schalle,
Die Schützen und Reiter mit Springen und Laufen
Aufeinander stoßen in riesigen Haufen,
Sie stechen, schlagen, ringen, schießen,
Viel edles Heldenblut muss fließen.

wird fortgesetzt

Sonntag, 9. August 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-10
Rüstung zum Kriege

Nachdem die Jungen wie die Alten
Den Kriegsrat hatten abgehalten,
Fingen die Frösche an und Mäuse
Zu rüsten sich auf beste Weise,
Zu ordnen ihre Heeresreihen,
Die Fahnen festlich auch zu weihen
Und sich allesamt zur Schlacht
Klar zu machen über Nacht.

Die Mäuse sich zu Waffen machten,
Was alles sie zusammenbrachten.
Aus Bohnenschoten für Brust und Bein
Bereitet ward der Harnisch fein,
Mit langen Riemen fest verbunden,
Die von toten Katzen sie geschunden.
Die Schilde waren von Horn gebissen,
Von alten Laternen abgerissen.
Die schönen Katzenrippenbogen
Mit Riemen stramm ganz fest gezogen.
Von schneidigem Glase die Schwerter all,
Die Spieße von Nadeln, spitz und schmal.
Nussschalenhelme auf das Beste
Kinnriemen hielten am Kopfe feste.
Und wer verloren einen Finger,
Und wessen Hand vielleicht im Zwinger
Der Mausefalle war zerschlagen,
Der musste einen Reiter tragen,
Mit Sattel wie bei einem Ross.
Es war ein stattlich langer Tross.

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Der König aber in Sonderheit
Ließ antun sich ein Wunderkleid
Von eines Maulwurfs schwarzer Haut,
Davor den Mäusen selber graut;
Das Maul ganz schrecklich aufgesperrt,
Als ob vor Todesmut es plerrt,
Dass man die scharfen weißen Zähn’
Sah drohend beieinander steh’n.


Dann legt er an den Harnisch klar,
Der wie Kristall, durchsichtig war,
Von einem Federkiel gedreht,
Daran des Maulwurfs Schuh genäht.
Am goldnen Gürtel Glöcklein hingen,
Die hörte man von Weitem klingen.
Die königliche Krone zuletzt
Er auf des Maulwurfs Haupthaar setzt,
Von Golde glänzend, mit viel Strahlen,
Wie man die Sonne pflegt zu malen.
Dann steckt das Schwert er an die Seit’,
Ein Federmesser mit scharfer Schneid’
Und einem Heft von Elfenbein.
Die Scheide zierlich auch und fein
Mit Gold und Seide überzogen,
War nach der Klinge krumm gebogen.
Mit der Linken fasste er den Schild,
Darauf ein wunderliches Bild.
Dreiköpfig eine Fledermaus
Die Klauen und Flügel breitet aus;
Des Reiches Apfel ist zu schauen,
Das Zepter auch in ihren Klauen,
Ein Katzenschwanz ihr hängt herunter.
Von Farbe schwarz, die Ohren munter
Gespitzt zu lauschen und ganz weiß,
So schaut sie horchend aus mit Fleiß.
Der reiches Wappen offenbar,
Das ziemlich leicht zu deuten war.

Der Mäuse ruhmvoll Regiment
Umfasst den ganzen Kontinent,
Europa, Asien, Afrika,
Hat Anrecht auf Amerika.
Es freuet sich der Finsternis
Und endigt durch den Katzenbiss.
Ihr bester Rat sind wackre Ohren,
Wer die nicht braucht, der ist verloren.

Mit dieser Rüstung, Schild und Schwert,
Sprang Schinkenklauber auf das Pferd,
Warf ritterlich es hin und her,
Zur Rechten, Linken, kreuz und quer,
Und sprach: „Es walt der liebe Gott!
Ich räche meines Sohnes Tod.“

Drauf auf dem Felde wird die Schlacht-
Ordnung mit Bedacht gemacht.
Bestimmt, wer soll den Vortrab führen,
Wer´s Hintertreffen, wer den Flügel,
Im Zentrum wer, wie auf dem Hügel
Und in dem Tale soll agieren.

Der König hielt noch eine Rede,
Anfeuernd aller Krieger Mut;
Wer brav sich hielt und kämpfte gut,
Gegen die Frösche sich zu wehren
Sollt´ sicher sein der höchsten Ehren,
Und wer da stürb´ in seinem Blut,
Dess´ Frau und Kinder würd´ man rühmen
Mehr noch als Aphrodites Hymen.

Dann beim Schalle der Trompeten
Die Armee stand angetreten,
Und bei der Trommel Rassellschalle,
Schnettreng teng teng rataplan plan plan,
Frisch vorwärts da marschierten alle,
Mehr denn zehnhunderttausend Mann.

Als alles auf dem Marsche war,
Kam Friedlieb an mit seiner Schar,
Der Fürst, der in dem Rat gewollt,
Dass man den Frieden wählen sollt´.
War auch sein Rat zurückgewiesen,
So ließ er dies sich nicht verdrießen;
Er dacht´: „Ist unklug auch der Krieg,
So will ich Tod doch oder Sieg,
Für unser Reich mit andern teilen.“
Darum marschiert er ohne Weilen
Und ließ den König höflich bitten,
Dass er ihn in der Andern Mitten
Auch ziehen ließe. Rau antwortet
Der König: „Wo man kämpft und mordet,
Ist Friedlieb´s Stelle nicht. Er bleib´
Daheim und pflege seinen Leib
Gleich einem zarten Mägdelein;
Das möcht` ihm besser wohl gedeih´n!“

Friedlieb und seine ganze Rotte
Ward von dem Heere drauf mit Spotte
Begrüßt. Gar sehr verdross es ihn;
Er musste sich zurück nun zieh’n,
Sprach aber dann zu seinen Leuten
Um seine Haltung anzudeuten:
„Wenn gleich ein unverdienter Hohn
Dem guten Willen wird zum Lohn,
So halte dies nicht ab in Zeiten
Der Not fürs Vaterland zu streiten.
Es kann dem Heer ein Unfall kommen;
Dann unsre Hilfe ist willkommen,
Wir können dann den Sieg entscheiden.
Drum folgen wir dem Heer vom weiten!“


Die Frösche gleicher Art und Macht
Sich bewaffneten zur Schlacht
Mit Muschelschwertern, Binsenspießen,
Den Feinden in das Herz zu schießen.
Sie putzten grimmig sich heraus
Mit einem Helm vom Schneckenhaus,
Mit einer Fisch- oder Schlangenhaut,
Wovor den Fröschen selber graut,
Mit großen Mummelschilden prächtig
Und langen Kolbenkeulen mächtig.
Von ihren Grätenbögen schossen
Sie in das Ziel mit spitzen Flossen
Und jagten beritten kreuz und quer
Auf ihren Rossen all daher.


Auf König Pausback sah’n vor allen
Die Krieger hin mit Wohlgefallen.


Er war vor Hieb und Schuss bewehrt
Vom Kopf herab bis auf die Erd’
Durch eine grüne Eidechsenhaut.
Von seinem Haupte niederschaut
Mit Funkeln eine Schlangenkrone,
Karbunkeln waren’s zweifelsohne.
Den Hals umschließt ein Perlenkragen,
Ein Muschelgürtel schützt den Magen;
Ein langes Schwert von Perlenmutter
Zur Seite hing im Schneckenfutter.
Der Schild von Perlenmutterschalen
Erglänzte hell in Silberstrahlen;
Darin war künstlich eingegraben,
Mit Farben noch verziert, erhaben,
Ein Wappentier gar wunderlich,
Halb Hund, halb Frosch und Fisch. Es glich
An Vorderfüßen, Kopf und Mund
An Augen und Zähnen ganz dem Hund.
Die Hinterbeine Zunge und Schwanz
Sich Frosch und Fisch verglichen ganz.
Am Kopfe blähend bis zur Nasen
Bauschten seitlich sich zwei Blasen,
Die lange Zunge gierig klappte
Heraus und eine Mücke schnappte.
Darunter las man eingraviert
In kunstvoller Weise ziseliert:
„Ich bin bekannt als Mückenfänger
Und Musikant je mehr, je länger;
Ich bell und hüpf zu Lande frisch
Und schwimm im Wasser wie ein Fisch.“

Man brachte Pausback auch sein Ross,
Bekleidet schön mit goldnem Moos,
Das hing in Streifen lang umher
Und rauschte laut, wie Seide schwer.
Drauf schwang sich der Rex mit einem Satz
Und tat drei Sprünge auf dem Platz,
Nahm seinen langen Binsenspieß,
Den er vom Herold bringen ließ
Und rief: „Treff ich den Mausekönig,
Er bitte viel mich oder wenig,
Ich will ihn mit dem Speer durchstechen,
Die Spitz im Herzen ihm abbrechen.“

Und weiter fügte er noch an:
"Getreue, Tapfre! Nun wohlan!
Jetzt gilt’s zu zeigen, dass ihr wert
Des Namens „Frosch“ und eurer Ahnen.
Gedenkt, es geht um euren Herd,
Ihr kämpft für Freiheit, Weib und Kind
Und die, die sonst noch lieb euch sind.
Drum haltet treu euch bei den Fahnen!“

Neben ihm, als Adjutant
Sein erster Sohn, Frommkind genannt,
Im vornehm höfischen Gewand
Zur Seite seines Vaters stand,
Ein tapfrer Jüngling: All die Scharen,
Die aus dem See gesprungen waren,
Sie stellten sich am Ufer drauf
In wohlbedachter Ordnung auf.

„Ich selbst“, so sprach er zu dem Sohn
Und einstigen Erben seiner Kron’,
„Will ein gutes Beispiel geben,
Wie man für seine Sache gut
Zu streiten hat mit kühnem Mut.
Ich will, und koste es mein Leben,
Die tollen Mäuse Mores lehren;
Sie sollen nimmer wiederkehren;
Und kommt der Mäusekönig hier
In meinen Weg im Kampfgewühl,
So ist sein Herz, das glaube mir
Meines ersten Speeres Ziel.“
Und zu den andern schrie er laut:
"Verteidigt tapfer eure Haut.
Stellt sicher, dass nicht eine Maus
Kehrt aus diesem Krieg nach Haus
Zu melden ihre Niederlage.
Drum schwört, ihr wollet eure Pflicht
Als treues Heer vergessen nicht.
Wir siegen, das steht außer Frage!“

Sie riefen: „Jeck, keck quak, ja, ja,
Dazu sind wir alle da!“
Und wären gern aus Kriegsverlangen,
Dem Feind entgegen gleich gegangen,
Statt selbigen abzuwarten hier;
Vor Ungeduld sie starben schier.



Samstag, 8. August 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-9
Kriegsrat der Frösche

Auch Pausback, der es schon erfahren,
Dass die Mäuse all gerüstet waren,
Die Frösche ließ zusammen geh’n
Aus Flüssen, Teichen, Pfützen und Seen,
Ob etwa hielt zu guter Zeit
Ein Schwert des andre in der Scheid’!

Da rückte an des Ufers Rand
Der Herold, Kriechetopf genannt,
In der Hand den Heroldsstab,
Aus dem Mäuseland herab.
Geleitet von einem Mausschwadron
Und der Trompeten hellen Ton,
Rief er die Frösche all heran,
Worauf zu reden er begann:

Herold Kriechetopf beim König

„Schinkenklauber, König aller Mäuse,
Mein gnädiger Herr, gerecht und weise;
Hegt, König Pausback, gegen dich
Gerechten Zorn gar fürchterlich,
Dieweil du ermordet seinen Sohn,
Den einzigen Erben seiner Kron’.
Drum macht er dir durch meinen Mund
Den Krieg nach alter Sitte kund,
Ruft dir und deinen Leuten zu:
Am dritten tag des Morgens fruh
Da will er an demselben Ort,
Wo geschah an seinem Sohn der Mord,
Dir liefern eine große Schlacht;
Dessen sollst du sein bedacht.“

Schießt in den See dann einen Pfeil
Und kehret heim in großer Eil’.

Die Frösche aber sehr erschraken
Und fingen ängstlich an zu quaken.
Sie taten friedlich und gemütlich
Sich gern in ihrem Wasser gütlich
Und liebten nicht durch Krieg und Schlacht
Zu sein aus ihrer Ruh gebracht.

Der König aber rief sofort
Die Männer zum Versammlungsort

Der König spricht

Und sprach: „Ihr Herrn und liebe Leute!
Was seid so unmutig ihr heute?
Was schaut ihr mich so trübe an,
Als wenn ich wäre schuld daran?
Dass sterben musste Bröseldieb,
War nicht mein Will’, ich hatt’ ihn lieb;
Ihr wisst ja, wie ich unbeschwert
Dem Mäuseprinzen hab geehrt
Und freundlich bei mir aufgenommen.
Er wollte übers Wasser kommen
Und hat von Schwimmkunst nichts gewusst.
Die Jugend hat zur Torheit Lust.
Was meinem Kind ich böte kaum,
Ich gab ihm auf dem Rücken Raum
Und hab ihn sorglich dort getragen.
Hätte er nicht in Angst und Zagen
Mich fahren lassen oder offen
Das Maul gelassen und gesoffen
Zu viel des Wassers, sicherlich
Noch lebte er, wie ihr und ich.
Weiß nicht, ob ihn die Schlange fraß,
Oder er ertrank im Nass,
Als wir zusammen vor dem Springen
Der Wasserschlange untergingen.
Was hielt er sich an mir nicht feste
Bis ich ihn auf des Allerbeste
An meines Schlosses Obertor
Geleitet? Der vorwitzige Tor,
Der hoch sich rühmte allermeist,
Er habe gar Prophetengeist!

Genug, es ist die Schuld nicht mein;
Drum könnt ihr guten Mutes sein.
Wer sich gerechter Sache freut,
Hat wohl den Sieg auf seiner Seit;
Wer ungerecht den Frieden bricht,
Entgeht verdienter Strafe nicht.

Wenn sie unschuldig uns verklagen,
So mögen sie die Folgen tragen,
Denn oft schon hab ich hören sagen:
Wer andern eine Grube gräbt,
Fällt selbst hinein. Wer sich bestrebt,
Dem Nächsten Unheil zu bereiten,
Muss wider Gottes Allmacht streiten
Und wird mit Blindheit gar geschlagen.
Da sie das Wasser nicht vertragen,
Wir aber sind zu See und Land
Gleichermaßen gut bekannt.
Sie müssen jämmerlich ertrinken
Wenn sie im Wasser untersinken.
Lasst uns denn heldenhaft die Toren
Ergreifen bei den grauen Ohren
Sie in den See hinunter zwingen
Um dort sie alle umzubringen.
Dann wollen wir die Toten henken,
Dass unsre Feinde dran gedenken
Und auf der Insel uns zu Ehren
Ein Schloss bauen mit Turm und Wehren,
„Grün Wasserlöwen“ zubenannt,
Dass aller Welt es werd bekannt,
Wie wir den Mäusen haben gut
Es heimgezahlt mit Löwenmut.“

„Das wollen wir“ sprach jedermann
Und schloss sich der Red des Königs an.

„Recht so“ – quakte der ganze Hauf’.
Fürst Ehrenwert jedoch stand auf
Und sprach: „Nicht ungefährlich scheint
Der Krieg mit einem solchen Feind.
Es sehen und kennen wohl die Mäuse
Gar sehr des Menschen Art und Weise,
Von der ihr noch so wenig wisst,

Und lernten ab gar manche List,
Vom Manntier welches, wie man weiß
Gerne Krieg führt mit viel Fleiß.
Deshalb und ihrer Zähne wegen
Sind uns die Mäuse überlegen.
Und auch mit ihren scharfen Tatzen
Können hauen sie und kratzen.
Es wird ein gewagtes Ringen,
Eh eine wir ins Wasser bringen.
Auch ficht mich mancher Zweifel an,
Ob nicht die Maus doch schwimmen kann.
Drum ist mein wohlgemeinter Rat
Zu senden erst mal ein Legat,
Der, eh man sich mit Waffen wehre,
Erst unsre Unschuld laut erkläre
Und bittet um Frieden und Vertrag.
Auch ein Geschenk oft viel vermag.
Denn besser Friede jederzeit.
Als Krieg, auch mit Gerechtigkeit.“

Fürst Waterax, der Kluge spricht:

Froschfürst Waterax

„Zu freier Feldschlacht rat ich nicht;
Denn bleiben wir in unserm See,
So tun sie uns wohl auch nicht weh.
Drum lasst sie lieber wie die Narren,
So lang sie woll’n, am Ufer harren;
Sobald der Regen und der Wind
Durch ihre zarten Pelze rinnt,
Da wird ihr wilder Mut sich legen.
Sie werden bitter es bereuen
So unbedacht und so verwegen
Ohne das Risiko zu scheuen
Weil sie dachten es wär’ klein,
Gezogen in den Kampf zu sein.

Auch sollten wir Geschenke senden
An ihre Feinde aller Enden,
An Katze, Iltis, Wiesel, Weih’,
Dass uns dieselben stehen bei,
Mit ihren schlimmsten Feinden allen
Gemeinsam sie zu überfallen
Wäre eine Möglichkeit
Die uns Geld spart und auch Zeit.
Tun solches wir, dann sind wir frei.
Ich wüsste nicht was besser sei.“

Fürst Mordax sprach: „Wenn wir uns feig
Belagern lassen all im Teich
Und der Freiheit uns berauben,
Wer würd’ an unsern Mut noch glauben?

Fürst Mordax spricht

Wir müssten uns wahrhaftig schämen.
Auch misslich ist es alle Male,
Von Fremden Hilfe anzunehmen.
Wer fremde Truppen bringt der zahle,
Und unser Reichsschatz , wie ihr wisst,
Just nicht im besten Zustand ist.
Die Katz will haben Speck allzeit,
Das Wiesel frische Milch bereit,
Der Weihe Hühner auch vollauf;
Sonst fressen sie uns selber auf.
Drum rat ich, rücken wir hinaus,
Dem Mäusekönig selbst vors Haus.
Dort essen wir des Feindes Brot
Und unser Land kommt nicht in Not.
Lasst uns nicht zögern, sondern gehen
Wie Helden zu einander stehen
Und mit Stechen, Hauen, Schlagen
Wills Gott, den Sieg davon zu tragen!“

Dann kam Herr Fischer von der Mücken
Ließ von der Red sich nicht bestricken
Und sprach also mit vielem Fleiß:
„Mit Gunst! Wie Majestät wohl weiß
Die Sach’ mit Herrn von Quak im Bruch.
Der hatte nie des Steits genug
Und fing mit Junker Friss von Korn
Eine Streit an voller Zorn,
Dass der von einem Haselblatt
Ihn unversehens geschmissen hat.
Er wollt sich nicht zufrieden geben,
Es kostete der Maus das Leben.
Denn als sie so im Kampfe lagen,
Erwischte alle zwei beim Kragen
Greifzu, die Weihe und flog davon.
Und ich bin mir sicher dessen,
Die hat die beiden aufgefressen.
Das war der Streitsucht böser Lohn.
Wie, wenn es uns morgen auch so ging!
Es ist ein gar gefährlich Ding,
Dass wir die Mäuse woll’n bekriegen,
Die immer nah beim Manntier liegen
Und lernen von ihm jede List,
Wovon ihr noch sehr wenig wisst.
Wie, wenn die bösen tück’schen Seelen
All unsre Teiche unterhöhlen,
Und alles Wasser läuft uns fort!
Wo finden wir dann Schutz und Hort?
Wie, wenn sie füllen den See mit Sand!
Wie jene Krähe, als sie stand
Mit Wasser kaum in engen Krug.
Da sie nicht reichte tief genug,
Mit Kieseln das Gefäß sie füllte,
Gemächlich ihren Durst denn stillte,
So könnte es uns all ergehen,
Wenn wir auf dem Trocknen stehen.
Doch werden uns die Feinde kriegen
Denn wir können ja nicht fliegen.
Die Mäuse haben scharfe Klauen
Und scharfe Zähne auch zum kauen.
Sie würden uns den Tod all bringen
Wenn wir im Feld mit ihnen ringen.
Man sagt, dass eine weiße Maus
Viel Unglück bringe in das Haus.
Das mag wohl wahr sein, denn ihr seht,
In welcher Kriegsnot ihr jetzt steht.
Bevor die Mäus’ wir all ertränken
Sollten eines wir bedenken,
Dass wir nicht all mit Weib und Kind
Zunichte gehen so geschwind
Wie es geschah im Sachsenland
Zu Hameln an der Weser Strand.

Dort konnte man vor Mäusen und Ratzen
Trotz Gift, Fallen und tausend Katzen,
Nicht bleiben bis ein Wundermann,
Mit bunten Kleidern angetan,
Die Nager anno dazumal
Pfiff zusammen spielend all,
Um die Plage einzuschränken
Und sie im Strome zu ertränken.
Doch zahlte man ihm nicht in bar
Was in der Not versprochen war.
Wie hart er auch gerechter Sache
Den Bürgern drohte mit der Rache.
Als die nun in der Kirche saßen
Der Wundermann trieb von den Straßen
Mit seiner Zauberpfeife fort
Die Kinder alle an einen Ort.
Die lieben Kleinen hundertdreißig,
Der Zauberflöte folgten fleißig
Zum Tor hinaus in jener Stund’
Durch den Kuppelberg bis in den Grund,
Der wie Wasser von einander floss
Und über ihnen sich verschloss.
Die letzten, die zu spät ankamen,
Das Schreckenswunder wahr noch nahmen
Und sahen die Freunde all versinken
Im Grunde jämmerlich ertrinken.
Die weinenden armen Eltern gruben
Nach ihrenMädchen und den Buben,
Sie beteten und fluchten sehr.
Die Kinder fand man nimmermehr.
Und das geschah als die Zahl im Jahr
Zwölfhundert ein und achtzig war.


Zudem ist noch ein Zweifel dran,
Ob nicht die Maus auch schwimmen kann.
Als Bischof Hatto in Mainz regierte
Und viel Korn zusammenführte
Kamen die Leute angelaufen
Mit Geld das Korn ihm abzukaufen.
Doch er sperrte sie in seine Scheuer
Und ließ verbrennen sie im Feuer.
Er hörte ihr Klagen und Geschrei
Und lachte gottlos nur dabei:
„Wie schön die Mäus’ im Korn doch singen!
Kommt, kommt, will Korn noch mehr euch bringen!“
Doch auf der Stelle, welch Abenteuer!
Die Mäuse sprangen aus dem Feuer
Und wollten den Bischof gar verzehren,
Kaum konnt’ er ihrer sich erwehren.

Drum baute er mitten in den Rhein
Einen Turm aus Sandgestein,
Der noch heute ist zu sehen,

Der Mäuseturm im Rhein

Darin den Mäusen zu entgehen.
Doch war umsonst die viele Müh!
Die Mäuse schwammen in der Früh
In Großen Horden zu dem Turm,
Erstiegen mutig ihn im Sturm
Und fraßen bei lebend’gem Leibe
Den Bischof auf. Darum betreibe
Die Sache jeder mir Bedacht
Und hab vor eignem Schaden Acht.
Wir leben auch in Zwist und Steit,
Voll Eiversucht und Hass und Neid,
Wir morden auch und unterdrücken
Die Fliegen, Bienen, Würmer, Mücken;
Das Recht der Faust regiert allein.
Am See kann niemand sicher sein
Vor unsern Kindern; wenn sie sehen
Vorüber einen Fremden gehen,
So schimpfen sie: „Mohr, Tor, Farr, Narr!
Ein Heckerekekeck für wahr!
Da tut es uns vor allem Not,
Dass wir versöhnen uns mit Gott
Und senden Botschaft zu den Mäusen
Um unsere Unschuld zu erweisen,
Und bitten um Frieden heute noch
Den Mauskönig in seinem Loch.
Besser wir zahlen mit Geld als mit Blut!
Der Rat scheint nützlich mir und gut.“

„Ja, ja, so schrieen die Frösche danach,
So leben wir friedlich ohn’ Ungemach
Und zahlen lieber mit Geld als mit Blut.
Der Rat scheint nützlich uns und gut.“

Doch Fürst Quickquacker vom See
Von seinem Sitz sprang in die Höh’

Fürst Quickquacker vom See

Und schrie mit Zorn: „Was wollt ihr schaffen,
Ihr Toren und großmäuligen Affen!
Ihr seid zu Wasser wie zu Land
Als Schwimmer und Hüpfer gleich gewandt,
Und in Kriegskünsten wohl erfahren,
Der Jüngling wie der Mann von Jahren.
Ihr könnt den Feind im Sprunge fangen,
Im Nu den roten Wurm erhangen,
Ganz aufrecht auf den Füßen gehen
Und so jeden Kampf im Krieg bestehen;
Ihr habet Wehr und Waffen bereit,
Das Muschelschwert in schilfiger Scheid’,
Zweischneidig und so scharf wie Stahl,
Flitzbogen auch in großer Zahl,
Von starken Gräten krumm gebogen,
Mit Mummelstängeln wohl bezogen,
Und Flossenpfeile, gleich den Spießen
Von Binsen spitz und scharf zum Schießen
Den Brockenfressern in die Brust;
Und rund und groß, es ist ´ne Lust-
Vom Seerosenblatt den mächt’gen Schild,
In den der ganze Frosch sich hüllt;
Feste Helme von Schneckenhäusern,
Vom Rohr den Harnisch, fast wie eisern,
Und manche Fisch- und Schlangenhaut,
Wovor der Maus entsetzlich graut.
Seht doch der Frösche große Macht,
Die ungestraft kein Feind verlacht!
Und sollten von den Tellerleckern,
Den Höhlenbewohnern, Käseschleckern
Uns nicht beschämen lassen vor der Welt
Und zudem verlieren Gut und Geld?
Wir wollen sie klopfen auf die Schwarten,
Am sicheren Ufer sie erwarten
Und jämmerlich im See ertränken,
Dass Kind und Kindeskind dran denken.
Drum folgt dem König, eurem Herrn,
Er führt zu Ruhm und Sieg uns gern.
Stimmt ein mit mir, ruft „Gloria“:
Quickquak, quickquak, quictotia!“

Da schrie der Hafen: „Unserm Herrn
Zu Ruhm und Sieg wir folgen gern;
Drum rufen wir in gloria:
Quickquak, quickquak, quictoria!“

Fürst Rana fügte dann im Nu
Seinen Kommentar hinzu:
„Kameraden, hier im eignen Land,
An unseres Teiches klaren Quellen,
Für einen Kampf der beste Ort,
Werden wir die Mäuse stellen,
Den Vorteil nimmt uns keiner fort.
Klugheit ist unser Unterpfand.
Ein Krieg der so schlau wird begonnen
So glaubt es mir, ist schon gewonnen.
Wir folgen dem König und Quickquakers Rat
Den der uns just gegeben hat.
Den Mäusen hier am Ufer mutig
Schlagen wir die Köpfe blutig
Um sie danach all zu ertränken.
Die Nachwelt soll daran stets denken,
Aus welchem Holze wir geschnitzt
Und wie tapfer und gewitzt
Wir jedem Feind ins Auge sehen.
So soll man es schreiben, so soll es geschehen!“


Der König dacht: „Das ist ein Mann,
Der guten Zuspruch geben kann“
Und fügte selbst sogleich im Nu
Sein königliches Wort hinzu:

„Bei Tagesanbruch morgen kommt
Gut gerüstet alle her
Zu tun was jedem Manne frommt,
Zu kämpfen auf dem Feld der Ehr,
Mit gutem Mut und ohne Zagen
Um das Froschvolk zu erschlagen.
Wenn die Armee steht kampfbereit
Ergeht der weitere Bescheid.

Da riefen alle noch einmal
Mit großem Maul und lautem Schall:
„Der König lebe hoch, hurra.
Quickquak, quickquak, quictoria.“

Und wie sie unter Lobliedsingen
Gar tapfer auseinander gingen,
Schwor mancher Frosch mit kühnem Wagen
Wohl hundert Mäuse tot zu schlagen.

Doch es sollte anders kommen,
Als man es sich vorgenommen.

Sonntag, 2. August 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-8
Die Mausvolkversammlung tagt


So ging denn jeder schnell nach Haus
Und sandte schleunigst Boten aus,
Hin durch das ganze Königreich,
Es sollten alle Mäuse gleich
Zur Hauptstadt kommen, sich besprechen
Wie Pausbacks Frevel sei zu rächen.

Nun ging es an das Mäusewandern!
Aus Mausland, Spanien, Frankreich, Flandern,
Und aus dem großen Deutschen Reich
Eilten sie herbei sogleich.
Da zogen sie in Scharen groß
Bei Tag und Nacht zur Hauptstadt los,
So dass die Menschheit Wunder nahm,
Wo nur der große Zug herkam;
Die meinten, dass das böse Zeiten
Wie Krieg und Elend wird bereiten.

Als die unzähligen Massen nun,
Ankamen, ließ der Tage zwei
Der König rasten sie und ruh’n
Und königlich bewirten frei.

Am dritten Tage aber waren
All die herbeigeeilten Scharen
Versammelt um des Königs Thron.


Der saß mit Zepter und mit Kron’
Umstanden nach dem Rang von allen
Den Herrschern, Fürsten und Vasallen.

Zu ihnen sprach der König so:


„Des Lebens werd ich nicht mehr froh,
Ihr wisst, ihr Herrn und edle Leute
Weshalb ich euch versammelt heute,
So brauch ich nicht der Worte viele.
Ihr wisset, nah dem Lebensziele
Bin ich, das ist keine Frag.
Bis heut so mancher bittre Tag
Ward meinem Hause schon beschieden.
Es sind von mir, der Reihe nach,
Glaubt mir, das ist eine schlimme Sach,
Die lieben Kinder all geschieden:
Den Prinzen, der zuerst mir kam,
Das Wiesel aus der Wiege nahm;
Den andern, dass es Gott erbarm!
Riss die Katz mir aus dem Arm;
Der dritte musste unter Leiden
In einer Mausefalle scheiden.
Der vierte, der noch übrig war,
Fast ein Kind an Leib und Jahr,
Bestimmt zum Erben für das Reich,
Der mir in Allem war so gleich.
Den ich und mein betrübtes Weib
Mehr liebten, als das Herz im Leib,
Auch der ist, leider nun dahin
Durch König Pausback’s falschen Sinn.
Der Froschherrscher gar trügerisch
Stieß auf See ihn mörderisch
Von seinem Rücken feig hinab
Hinein ins Unterwassergrab.

Nun ist zwar mein allein der Schmerz,
Doch trifft der Schlag auch euer Herz.
Die Ehre unserer Nation
Und unser Anseh’n, Reich und Thron
Hat König Pausback tief schimpfiert.
Wer unter euch bleibt ungerührt
Von solchem Schimpf und solcher Schmach?
Was sagen uns die Nachbarn nach,
Wenn wir die Tat nicht blutig rächen?
Die Frösche werden Hohn uns sprechen,
Verlachen uns und unsre Söhn’,
Wenn wir forthin zum Wasser geh’n.
Des Mausgeschlechtes Ritterruhm
Schlägt dann in Spott und Schande um.“

Die Ehre und die Rache wollen;
Dass wir den bösen Missetäter,
Den falschen Gastfreund und Verräter,
Mit einem Krieg heimzahlen sollen,
Was unserm Volk in seinem Wahn
Der feige Schurke angetan.

Ich hoff, ihr steht mir treulich bei,
Damit der Ausgang glücklich sei.
Mein Herz erst Frieden sich erwirbt,
Wenn Pausback von meinen Händen stirbt!“

Er legt dabei die Faust ans Schwert,
„Den Tod, nicht Bessres ist er wert“.

Die Mäusefürsten gaben kaum
Dem König zu mehr Worten Raum.
Mit Pfeifen, Zischen, Knirschen, Schreien
Und zornigem Vermaledeien.
„Sie müssen“, riefen sie „verderben“,
Und Pausback mit den Seinen sterben.
Wir wollen sie schlagen, stoßen, stechen
Und blutig uns an ihnen rächen.
Auf! Alle auf! Den Fröschen Krieg,
Führ König uns zu Schlacht und Sieg.“

So riefen sie in großem Zorn,
Zähnefletschend, schwingend ihren Spieß;
Ein Jeder sich bedünken ließ,
Er wollt die Frösch’ allein verjagen,
Wenn nicht gar sämtliche erschlagen.
Ein wildes Lärmen scholl verworr’n,
Doch legt’ sich’s als nach einer Weile
Fürst Rathilf nahm das Wort und sprach:
„Langsam Freunde, lasst die Eile,
Was ihr beginnt, bedenkt gemach.
Besser wär’ ins Ratzenland
Nach Beistand erst einmal gesandt,
Weil die all starke Riesen sind
Und selbst ein Schwein angreifen kühn.
Die Wassermäuse auch geschwind,
Lasst uns auf unsre Seite zieh’n.
Sie können in das Wasser springen,
Um feldflüchtige Frösche umzubringen.
Auch rat ich euch, dass bittend ihr
Schickt Boten zu dem Murmeltier,
Dem Hamster auch, dem Herrn Baron,
Des Nagetiergeschlechtes Kron’.
Vor allem ihm gebührt die Ehre,
Zu ziehen vor dem ganzen Heere.
Die Fledermaus von oben rein
Kann auf den Feind in aller Eile
Herunterwerfen manchen Stein
Zerschmetternd so wie Donnerkeile
Von Gott Zeus auf diese Erde,
Damit der Krieg gewonnen werde.
Auch können wir die Störche bitten,
Zu fechten mit in unsrer Mitten.
Je mehr der Hilfe, glaubet mir,
Je eher und sichrer siegen wir“.

Fürst Mehlsack aber sprach: „O nein,
Es dünket mich das Allerbeste,
Wir Mäuse bleiben ganz allein.
Verjagt wird oft aus eignem Neste,
Wer eingeladen solche Gäste.
Ungleiche Freundschaft, wie ihr wisst,
Dem Klein’ren stets von Schaden ist,
Wenn Ruhm ein Kampf und Vorteil bringt,
Den der Verbündete verschlingt.
Und sind wir, wenn ich’s recht betracht,
Nicht selber eine große Macht,
Die mutig wehrhaft unverzagt
Hat oft gar Menschen schon verjagt
Aus ganzen Ländern, ohn’ dass wir
Die Hilfe bräuchten andrer Tier?
Kein Volk so schlecht ist in der Welt,
Dass nicht, wenn es zusammen hält
In brüderlicher Einigkeit
Auf dem Feld der Ehr im Streit,
Und keiner vor dem Gegner weicht,
Es überlegene Feinde leicht
Geschlagen hätt’. Auch wenn allein
Wir sind, der Sieg wird unser sein,
Es wollt denn Gott das Glück nicht geben;
Denn wider Gott ist nicht zu streben.“

Nunmehr trat Friedlieb auf, im Land
Ob seiner Tugend wohlbekannt;


Er war geboren edler Art;
Vor Alter graute ihm der Bart;
Er war Hofmeister einst gewesen,
Verstand gut zu schreiben und zu lesen,
Ward unter allen weisen Alten,
Wohl für den weisesten gehalten.
Im Fürstenrat, gar wohl erfahren
Und tapfer auch in Kriegsgefahren.
Der Jahre zählte er fast dreißig,
Hielt doch sich wie ein Ritter reisig.
Allzeit gewappnet mit Spieß und Schwert.
Der altre Recke ehrenwert.
Er winkte ihnen mit der Hand,
Gebot dem Lärmen Stillestand,
Bis allesamt mit offnem Mund
Zur Stelle sahen, wo er stund.
Da strich am Barte er den Knebel,
Fasst mit der linken Hand zum Säbel
Und räuspert sich noch kurz ein Mal,
Sprach laut dann, dass es scholl im Saal:
„Männer, was wir beginnen wollen
Wir reiflich überlegen sollen;
Denn vorgetan und nachbedacht
Hat manchem schon viel Leid gebracht,
Doch vorbedacht, was nach kann kommen,
Gereicht uns oft zu Nutz und Frommen.
Ich hört’ einmal vor vielen Jahren,
Als wir noch junge Mäuslein waren,
Die Manntierfürsten lang beraten
Und handeln von großen Kriegestaten.
Wir lagen wohlverwahrt und fest
Hinter der Ofenbank im Nest.
Die Einen wollten Truppen werben,
Die Andern den Feind mit List verderben,
Die Schanzen graben, Festen stürmen,
Und kämpfen hinter Wall und Türmen.
Der eine verlegte jeden Pass,
Der sagte dies, der andre das,
Bis endlich der König scherzend fragte,
Was denn der Narr zu all dem sagte.
--
„Was ist der Krieg?“, so fragte der,
„Erklär es mir doch bitte sehr!“


Drauf lacht der König und erklärt:
„Wenn man zuhauf mit Mann und Pferd
Mit Harnisch, Bogen, Spieß und Schwert
Zu Felde zieht, den Feind abwehrt.“

„Was weiter dann?“ fragt abermals
Der Narr und lacht in seinem Hals.

Der Fürst erwidert: „Mann an Mann
Im blutigen Kampfe ringen dann,
Viel tausend werden so erschlagen,
Die Verwundeten davongetragen.“

„Was dann? Was ist das Ende?“ fragt
Der Schalk. Der König sagt:
„Man verträgt sich endlich in der Sachen.“
„Wie muss ich solcher Torheit lachen!“
Der Narr drauf spricht. „Was wollt ihr Affen
Euch nicht alsbald den Frieden schaffen,
Und nicht euch vorher schon vertragen,
Ehe ihr werdet totgeschlagen?“

Des Narren Red’ missfiel dem König,
Verspottet ihn darob nicht wenig.
Und als er schmählich ward geschlagen,
Musst er zum Schaden Spott noch tragen.

---
Nun geb’ ich hier denselben Rat,
Den jener Narr gegeben hat.
Lasst uns zuvor Legaten senden,
Pausback verklagen vor den Ständen
Und Buße fordern ernstiglich.
Will aber er nicht stellen sich,
So schickt man heimlich eine Wacht,
Die auf ihn passt mit guter Acht,
Den Übeltäter zu erwischen
Beim Mückenjagen oder Fischen.
Dann soll er mit dem Leben zahlen,
Er trägt die Schuld allein von allen.
Wenn wir jedoch den Krieg ansagen,
Dann wird der Untertan geschlagen.
Seit Troja’s Fall der Könige Wahn
Büßt immer nur der Untertan;
Die Junker raufen sich und prassen,
Die Bauern müssen Haare lassen.
Drum sehet wohl, wenn ihr es tut,
Um Rache schreit unschuld’ges Blut.
Der Krieg bringt beiden Seiten Leid.
Wenn ihr nicht alle Narren seid,
Dann solltet ihr was klug ist, sehen
Und ihm aus dem Wege gehen“.

Gar ungehalten fuhr darauf
Der Junker Milchrahmlecker auf,
Ein junges, adeliges Blut,
Doch pochend sehr auf seinen Mut:
„Wer ungestraft hier über sich
Beleidigungen lässt ergehen,
Nicht hält auf Ehre ritterlich,
Der wird nie Walhalla sehen.
Drum rat ich Krieg. Wohl freilich hat
Gefahren jede tapfre Tat;
Doch rühmlich ist es, trotz Gefahren
Des Vaterlandes Ehr zu wahren,
Ihm Macht und Anseh’n zu erwerben
Und tapfer dafür auch zu sterben.“

Und weiter hörte man ihn fauchen:
„Lasst euch von Friedlieb nicht missbrauchen.
Es wäre wahrlich Schand’ und Sünde
Wenn unter uns ein Feind hier stünde
Und hörte sein verzagtes Reden,
Die Frösche müssen wir befehden
Bis in den Tod. Sind wir denn Hasen,
Die sich von Hunden jagen lassen
Und sich zur Gegenwehr nicht stellen?
Entweder fallen oder fällen!
Wer sich nicht wehrt ist schon geschlagen,
Wer feige flieht, ist leicht zu jagen.
Die Schlange macht sich freien Pass,
Den Aal frisst man ohn’ Unterlass.
Wer durch den Stachel lässt sich schrecken,
Bekommt den Honig nicht zu schmecken;
Doch frisches Wagen heißt gewinnen.
Die Alten mögen sich besinnen,
Wo denn die Vögel bleiben alle,
Wenn `mal der Himmel runterfalle.
Wir Jungen aber wollen streiten
Und mit dem König zu Felde reiten
Und die breitmäuligen Wasserpatzen
Durch Stechen,, Schießen, Stoßen, Kratzen
Vernichten oder so lang jagen
Bis am Leben sie verzagen
Und sie sich, jenes zu verkürzen
Allesamt in die Fluten stürzen.“

Der König sah den alten Mann
Mit starrem Blicke grimmig an.
„Du sorgst um Deine alte Haut“
So sprach er spöttisch, „wer dir traut,
Hat sicher schon zum Schaden Spott;
Doch deiner Weisheit tut’s nicht Not.
Bleib daheim und bet derweil,
Wer meiner Gnad’ will haben Teil,
Der rüste sich zur Gegenwehr
Und stelle morgen sich zum Heer.


Ein jeder mache sich gefasst
Zum Krieg und rüste sich mit Hast
Und finde sich am Rüstplatz ein,
Wo aufstellen wir dann unsre Reih’n.
Das Heer soll seine Führer wählen
Die was geschehen soll befehlen.

Trompeter du, und Herold du,
Ihr eilt mit vier der Reiter schnell
Ohne zu rasten dem Schilfland zu,
Zum See, wo Hof der König hält,
Und saget ihm im freien Feld:
Am dritten Tag, wenn es wird hell,
Dann wollen an derselben Stelle,
Am steilen Seeufergefälle,
Wo er in seiner Freveltat
Meinen Sohn verraten hat,
Dessen soll er sein bedacht,
Wir ihm liefern eine Schlacht,
Die er, ich bin mir sicher dessen,
Sein Lebtag nimmer wird vergessen.
Da jubelte die graue Schar:
„Wir wollen ihnen zahlen bar,
Wir wollen rüsten uns und rächen,
Den Fröschen Hals und Beine brechen.“
Und jeder ging an seinen Ort
Zu bewaffnen sich drauf fort.

---

Samstag, 1. August 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-7
Kriegsrat der Mäuse

Der Jägermeister Tellerlecker
Und sein Gesell, der Butterwecker,
Zwei Mäuse von der Diener Schar,
Die auf die Jagd gezogen war
Mit Bröseldieb, und diesen nun
Aufsuchten ohne Rast und Ruh’n,
Die kamen eben zu dem See,
Als Bröseldieb auf Pausback ritt,
Und sah’n wie in des Wassers Mitt’
Er kläglich sank. Mir großem Weh
Vernahmen sie sein Abschiedswort.

Verzweifelnd liefen sie am Rand,
Besah’n das Wasser und das Land,
Versuchten ob durch Schwimmen, Waten
Die Rettung ihnen mocht’ geraten,
Versuchten hier, versuchten dort;
Doch ach! Vergebens war ihr Wagen;
Sie mussten, wollten sie ihr Leben
Für nichts und wieder nichts nicht geben,
Ans Land zurück. Sie heulen, klagen
Und ringen ihre Hände sehr
Und rufen laut der Frösche Heer,
Vor allem deren Könige,
Drohworte zu nicht wenige
Und Flüche, schrecklich anzuhören.
Was aber half’s, sie mussten ohne
Den jungen Fürsten nun zum Throne
Des hoch betagten Vaters kehren.
Und einem Frosche, der im Schrecken,
Sich vor der Schlange zu verstecken,
Am Rand gekrochen war ins Gras,
Verlegten sie behänd den Paß;
Der musste nun, da er gefangen,
Erzählen wie es zugegangen.

Sie kamen heim. Wer malt den Schmerz!
Der nun zerreist der Eltern Herz!
Die Königin insonderheit
Starb fast vor bittrem Herzeleid
Um ihren einz’gen, letzten Sohn
Und den Erben von des Königs Thron.
An Schönheit kam im ganzen Reich
Und Tugend ihm wohl keiner gleich.
Vor Allem hörte man sie klagen,
Dass man nicht konnt’ zu Grab ihn tragen.
Und dass er tief im See vergessen,
Sich sollt von Schlangen lassen fressen.
Es klagt der Diener ganze Schar,
Und jeder treue Untertan,
Der des Geschehens kundig war,
Zog seine Trauerkleider an.

Im Schloss zu Mausulina war
So Alt wie Jung der Freude bar;
Die Wände wurden schwarz beschlagen,
Man hörte Jammern nur und Klagen.
Die Königin in Ihrem Saal
In Ohnmacht viel gut zwanzig Mal,
Und ihre Tränen flossen bitter;
Die Prinzen weinten und die Ritter.
Die Damen rangen ihre Hände
Da war des Weinens gar kein Ende.
Das ganze Land versank in Trauer,
Waldmaus und Städter, selbst der Bauer:
Denn Maus und Mäusin hatten lieb
Den toten Prinzen Bröseldieb.

Am meisten brannt’ in Wut und Schmerz
Schinkenklaubers Vaterherz,
Als er des Sohnes Tod vernahm,
Der durch den Frosch ums Leben kam,
Und wie er noch zuletzt gesprochen:
„Lasst meinen Tod nicht ungerochen!“
Er hob gen Himmel gleich die Hand
Und rief: „Verwünscht sei all mein Land,
Mein Schloss soll Feuer mir zerstören,
Der Storch die Kinder mir verzehren,
Der Iltis soll mein Weib genießen,
Der Igel mag mich selber spießen,
Wenn ich nicht halte mein Versprechen,
Ihn an dem Mördervolk zu rächen!“

So schwor der König und entbot
Ins Schloss die Räte seiner Krone.

Von Walde kam Fürst Eicheltod,
Der war der Nächste bei dem Throne;
Fürst Wurzelkratzer war der Zweite.
Der brachte mit ein groß Geleite
Von Kriegsvolk wie zu einer Schlacht;
Er prahlte gern mit seiner Macht.
Zu diesen Waldherren kamen noch
Zwei Feldherrn; einer Hupfinsloch,
War Herr im offnem Felde drüben;
Wo in Kartoffeln, Kraut und Rüben
Die Mäuse wohnten weit getrennt,
Führt’ er sein friedlich Regiment.
Sein Nachbar war Fürst Tennenmauser;
Er galt für einen argen Knauser,
Und jede Kornmaus weit und breit
War ihm zu Dienst und Zins bereit.
Von Mausherrn traten ihnen bei
Fürst Semmelzahn, ein guter Degen,
Und Mauerwühler, diese Zwei,
Der Letztere stark und auch verwegen.
Die standen um den König her,
Dess’ Herz von Groll und Kummer schwer,
Und also hub er an zu reden:

Der Kriegsrat der Mäuse

Wir fochten schon so manche Fehden
Mit Feinden aus, ihr edlen Herrn,
Und immer halft ihr gut und gern;
Doch lieber war mir Kampf und Streit
Noch niemals als zu dieser Zeit,
Da Pausback solchen Gruß mir bot
Und Bröseldieb ertränkt zu Tod.

Jetzt gebt mir Rat in Zorn und Qualen,
Wie wir dem Quakfrosch das bezahlen.“

Da sprach nun jeder das und dies.
Fürst Eicheltod schlug an den Spieß
Und sprach zuerst: „Es werde Krieg,
Denn unerhört ist solch Erkühnen;
Blut lässt sich nur mit Blute sühnen;
Gerechter Sache folgt der Sieg!“

Es stimmte seiner Meinung bei
Fürst Wurzelkratzer mit Geschrei;
„Den Sieg schafft unser Durst nach Rache!“
So rief er aus mit großem Grimme;
„Was nützt uns eine gute Sache?“


Auch Semmelzahn gab seine Stimme
Für Krieg; nur riet er, gut zu rüsten,
Statt sich mit Zuversicht zu brüsten.
Fürst Mauerwühler sprach: „Mein König,
Nur los! – Das andre liegt mir wenig:“

Da trat Fürst Tennenmauser vor;
Der griff bedenklich hinters Ohr
Und sprach: „ Wir haben Schild und Lanzen,
Allein wie steht’s mit den Finanzen?
Der Krieg verschlingt 'ne Menge Geld;
Wenn uns der Würfel günstig fällt,
So gibt es gute Beute doch;
Wie aber, wenn wir unterliegen?“

Zum Frieden riet auch Hüpfinsloch;
Er sprach: „Was haben wir vom Siegen?
Vergossen wird viel schuldlos Blut;
Kommt unserm Prinzen das zu gut?
Mein Rat ist, dass man gleich beordert
`Nen Boten und zum Zweikampf fordert
Den König Pausback. Das ist nötig.
Zum Zweikampf bin ich selbst erbötig.

„Ihr seid sehr gütig“, sprach voll Hohn
Der König drauf, „für meinen Sohn
Das teure Leben dran zu wagen;
Doch wozu wollt ihr selbst euch plagen?

"Vielleicht ist Tennenmauser willig;
Gebt ihm nur Geld, er macht es billig!"

Ich will’s in meinen Händen halten;
Krieg gibt’s ihr Herrn, und Schädelspalten!
Wir sammeln unsre ganze Macht
Und bieten dem Gezücht die Schlacht,
Und sollten sie uns die versagen,
Soll sich kein Frosch an Land mehr wagen,
Es sei denn lebensüberdrüssig.
Bis morgen Abend seid bereit;
Ich schmied noch heut den Plan zum Streit;
Ein andrer Rat ist überflüssig.“

wird fortgesetzt

Freitag, 24. Juli 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-6

Der Tod des Mäuseprinzen


Der König hört den kleinen Mann
Und sieht ihn mit Erstaunen an,
Verwundert der Großherzigkeit
Und höflichen Bescheidenheit.

„Ich bin“, so spricht er, „hocherfreut,
Dass du zu uns gekommen heut,
Bist an den Hof, uns zu berichten
Vom Mausgeschlecht all die Geschichten.
Die unserm Volk vom Hörensagen
Von Fremden wurden zugetragen.
Ich lobe deinen tapfern Mut.
Drob bin ich dir von Herzen gut
Und acht’ dich meiner Freundschaft wert
Wie keinen sonst auf dieser Erd.
In Sonderheit mir wohl gefällt,
Wer seinen Stand in Ehren hält
Und trägt desselben Last und Plage
Standhaftens Sinn und ohne Klage.
Dein edler Mut und dein Vertrau’n
Auf eigne Kraft, so ist es würdig,
Dein eignes Leben aufzubau“n.
Du scheinst mir für den Thron gebürtig.
Auch ist gar klug und schön und wahr,
Was wohlbedacht ihr sonst so sagt.
Wir Frösche auch sind viel geplagt
Und leiden Schaden und Gefahr.
Die Feinde über die ihr klagt,
Sind größtenteils die unsren auch.
Wie kennen schon der Katze Brauch,
Des Falken auch, in Hungersnot
Da beißt er oft die unsern tot.
Die schlimme Weihe holt uns oft
Von Ufer weg ganz unverhofft.
Der Mensch ist auch nicht zu vergessen,
Der für ein delikates Essen
Stets nach unsern Schenkeln trachtet
Die er als Leckerbissen achtet.
Die Keulen grausam er entreißt.
Den Rest er in das Wasser schmeißt,
Anstatt die Teile zu begraben,
Dass Fische sich daran nicht laben.

Das Manntier, da geb’ ich dir Recht,
Ist feige, einfältig und schlecht.
Obgleich man sagt, das Tier hätt’ Geist,
Es uns das Gegenteil beweist.
Es mordet, so erzähl man mir,
Sogar im eigenen Revier.
Nicht wie wir der Nahrung wegen,
Jagen sie. Wenn Groll sie hegen,
Bringen unbedacht und dumm,
Sie sich einander selber um.

Die Mordlust, die dem Tier ist eigen,
Sonst nur Basilisken zeigen.
Damit das Töten leicht sie schaffen,
Entwickeln stets sie neue Waffen.
Ich hab in einem Buch gelesen,
Was in Europa ist gewesen.
Ein Feldherr, der sich Gröfaz nannte,
Die mächtigste Schlacht der Welt entbrannte
Und alle, alle machten mit.
Am Ende, anstelle von Profit,
Stand eine Zahl, ein Weltrekord.
Noch nie gab’s solchen Massenmord
Auf der Welt wie damals hier
Verursacht durch das Mordgetier.
Fünfundfünfzig Millionen Tote.
Ich erzähl die Anekdote
Vom Weltkrieg heute deshalb dir
Weil aufzeigt sie, welch Art von Tier
Der Mensch in seinem Wahne ist.
Heimtückisch, voller Hinterlist,
Ach es ist fürwahr zum Weinen,
Bewerfen sie uns oft mit Steinen.
Das Tier, von dem die Gottheit sagt,
Es wäre sehr vernunftbegabt,
Ist stattlich zwar von Körperbau,
Doch, so denk ich, nicht sehr schlau.
Ich hab da meine eigne Sicht.
Der Mensch, er ist ein Bösewicht.
Erst gestern starb ein Untertan.
Heimtückisch auf der Autobahn,
Hat ihn ein Manntier überfahren.
In den letzten hundert Jahren
Mussten Millionen daran glauben.
Was die Menschen sich erlauben
Ist anmaßend und schrecklich dumm.
Sie bringen sich und uns all um.
In meinen Teich in Hüll und Fülle,
Kippen Unrat sie und Gülle,
So dass mit meinem Volk ich fliehen
Demnächst muss und weiterziehen
In einen Pfuhl am Weltenrand
Der dem Tier ist nicht bekannt.

So wie einst es einmal war,
Wird es wohl nie wieder sein.
Die schönsten Pfützen werden rar.
Das Manntier ist ja so gemein,
Es denkt an sich als Erstes nur
Und ganz zuletzt an die Natur.
Die seit Jahrtausenden bewährt
Uns allesamt hat noch ernährt.
Dass er ein Körnchen davon ist,
Das Manntier dabei ganz vergisst.
Doch irgendwann im Lauf der Zeit,
Denn davor ist kein Tier gefeit,
Werden des dummen Tieres Erben
So wie wir vor Hunger sterben.

Der Mensch wird sicher niemals klug.
Noch haben zu essen wir genug!
Doch wenn, was jenes Tier versucht
Die Natur zu ändern mittels Zucht
Und aufgeht was es heute sät
Dann ist es sicherlich zu spät
Für die Erde und uns alle.
Wir sitzen mit in dieser Falle
Die das dumme Tier uns stellt.
Aber noch dreht sich unsre Welt
Und hier und jetzt bis übermorgen
Da haben wir Frösche andre Sorgen.

Weil just von Feinden sprechen wir;
Im Wasser noch so manches Tier,
Wie Hecht und Schlange und der Schwan
Sie greifen all begierig an
Um uns tückisch umzubringen
Und genüsslich zu verschlingen.

Weiter erzählte Pausback drauf,
Des Männleins Wissbegier zu stillen,
Wie einst vor vielen tausend Jahren
Die Frösche ohne König waren,
Frei handelten nach eignem Willen;
Bis endlich alle sahen ein,
Es müsse wohl ein König sein;
Und wie, nachdem man sich beraten,
Sie Gott um einen Herrscher baten;
Wie ihnen drauf vom gnäd’gem Gott
Ein Block ins Wasser wird gesandt;
Wie mit Verachtung sie und Spott
Den Block hin trieben an das Land,
Um einen Andern zu erbitten;
Wie Zeus darauf in ihre Mitten
Den Storch als Herrscher zornig, schickt,
Der Untertanen ohne Zahl
Aufspeist zu einem einz’gen Mahl;
Wie endlich einem Frosch es glückt,
An sich das Regiment zu bringen;
Wie nun die Sachen herrlich gingen
Und wie, vom Vater stets der Sohn
Das Zepter erbte und die Kron’,
Bis diese Herrscherreihe groß“,
Der jetzige König lachend schloss-

„Damit du nun“, fuhr Pausback fort,
„Was ich erzählt mit kurzem Wort,
Auch mögest in Gemälden schön
Und treulich abgebildet sehn
Komm mit in meinen Königsaal,
Wo meine Ahnen viel an Zahl,
Lebensgetreu gemalt all hangen
In Bildern ihre Taten prangen.

Auch kann ich dort in meiner Feste
Bewirten meinen Gast aufs Beste.
Von meines Reichtums großen Gaben
Sollst dort du, was du wünschest haben.
Ich will beim Abschied dich beschenken,
Dass immer mein du sollst gedenken.
Drum fahr mit mir und meinem Tross
Hinunter in mein Wasserschloss.
Scheu nicht den ungewohnten Weg,
Ich bring dich sicher ans den Steg.
Ich will dich sicherlich geleiten,
Auf meinem Rücken sollst Du reiten“

„Herrje“ sprach Bröseldieb, “die Ehr,
Die ihr erweist, erfreut mich sehr.
Doch bin ich keine Wassermaus;
Und durch den See in euer Haus
Zu gehen, auch wenn ihr selbst mich tragt,
Erscheint mir doch etwas gewagt.
Ich bin des Wassers ungewohnt;
Und bleibe gern damit verschont“.

Sprach Pausback: „hast du nicht gesagt,
Du sei’st beherzt und unverzagt?
Nun merk ich wohl, es fehlt an Mut;
Das steht dem Königssohn nicht gut.
Trau nur und spring auf meinen Rücken
Und fürchte nimmer mich zu drücken;
Ich bring zum Schloss dich ohn’ Gefahr
Und netz dir nicht ein einz’ges Haar.
Es mögen deine Diener vier,
Auf den Trabanten reiten hier.
Doch willst du nicht, so mag es sein;
Da wo kein Herz, kommt keines ein“.

Dies Wort, gesagt nicht ohne Hohn,
Verdross den wackren Königssohn;
Er sprach: „Wohlan, ich füge mich,
Sollst sehen, dass kein Prahler ich:“

Der König tat sich nieder bücken.
Der Andre sprang ihm auf den Rücken.
Umschlang den Hals mit beiden Händen,
Mit beiden Füßen auch die Lenden,
Und sprach bei sich: „in Gottes Namen!
Er möge uns behüten! Amen!


Das Froschvolk trat ans Ufer nah
Und rief „Glückauf“ und auch „Hurra“!

Die Mäuse welche gleichermaßen
Auf den Froschtrabanten saßen.

Gar lustig war, schön anzusehn,
Die Kavalkade seewärts gehn,
Geleitet von der Frösche Heer,
Voran, zur Seit und hinterher.
Die Mäuse blickten nach dem Lande,
Behaglich so im Seemannsstande.
Auch Bröseldieb mit Freude sah,
Das Ufer lag noch ziemlich nah.
Das frische Nass, das ihn umspülte,
gar lieblich seine Hitze kühlte.
Die Wellen blinkten streichelnd her
Als ob die Flut von Silber wär’.


Er sah die Fische drunten schwimmen
Und weiße Muschelhäuschen glimmen;
Am Ende schwenkt er mit der Mütze,
Hob lustig auf des Schwänzchens Spitze.

Er spürt beim Reiten eine Lust
Von der er nie zuvor gewusst.
So lieblich süß, so sanft und fein,
Als sollt’ er davon schlafen ein,
So kitzelt ihn der Wassertanz
Vom Haupt und Nacken bis zum Schwanz.
Gleich wie die Kinder sich gebaren,
Und schaukelnd auf und nieder fahren
Auf einem gleich gewognem Holz
Und dünken sich wie Ritter stolz;
So auch der Prinz fuhr auf und nieder
Und neigte sich und hob sich wieder.

Wie aber Pausback schneller sprang
Und tiefer in das Wasser drang,
Sich immer flacher vorwärts bückte
Wobei das Ufer schnell entrückte.
Da schlug die Woge beider Enden
Zusammen über des Reiters Lenden.
Der stolze Mauser wurde blass
Als sein Schwänzchen klitschenass
Im Wasser schleifte hinterher
Als ob’s des Schiffes Ruder wär’.

Vom Lande längst nichts mehr zu seh’n,
Die Wellen immer höher geh’n
Und schlagen ihm in beide Ohren,
Er fürchtet schon, er sei verloren.

Da kommt die Reu’. Er weint, er klagt:
„Ach Gott, dass ich so frevelich
Mein junges Leben hab’ gewagt!
Bestraf’ nicht mit dem Tode mich,
Das brächt’ den Eltern Herzeleid,
Wenn Du mich rettest, drauf mein Eid,
Will künftig fromm und weis’ ich sein
Dir dankbar einen Tempel weih’n,
Und täglich dort mit reinstem Sinn
Zwei drei Stunden beten drin’.“

Er wollte sein Leben nur bewahren,
So jung nicht in die Grube fahren.

Doch dringt das Wasser mehr empor
Und mehr und füllt ihm jedes Ohr,
So dass der Kopf ihm saust und braust
Und ihm in seinem Herzen graust;

Die Höschen werden nass und schwer
Und zieh’n nach unten mehr und mehr.

Mit guten Worten tröstet ihn
Der König als er schwimmt dahin.
Doch dauert dieser Trost nicht lange,
Denn eine große Wasserschlange
Taucht mitten zwischen ihnen auf.
Sie hebt den Hals in ihrem Lauf,
Sie sperrt den Rachen auf und züngelt,
Der lange Leib sich furchtbar kringelt,
Sie lässt sich in ihr Inn’res schauen,
Dass in Pausback fährt das Grauen,
Aus ihren Augen, welche glühen
Die Blicke so wie Funken sprühen.

Vor Schreck erstarrt schließt er den Mund
Und taucht hinunter auf den Grund.
Die Maus, die auf ihm hat gesessen,
Hat er dabei total vergessen.


Umsonst strampelt da Bröseldieb,
Von Pausbacks Rücken abgefallen,
Sich ab; vergebens hört man schallen
Den Hilferuf der Angst. Es trieb
Ihn bald herauf, bald trieb es wieder
Ihn in die dunkle Tiefe nieder.
Aus seinem Mund tritt kalter Schaum;
Es werden kalt und lahm die Glieder;
Er schluckt Wasser, speit es wieder
Hinweg und schluckt’s von Neuem ein;
Schwarz wird für ihn der Sonne Schein;
Der Atem will entgeh’n und kaum
Noch kann die schwache Stimme lallen:
„Ach Gott, so jung und sterben schon!
Fahr hin, du Zepter, hin, du Kron’,
Fahr hin, der Eltern Hoffnungsschimmer
Wohlan denn, da es Gott gefallen
Werd ich tot sein bald für immer.
Dich aber, Pausback, Bösewicht,
Der du mich stürzest in das Grab,
Des Gastes Rechte achtest nicht,
Indem du ließest mich im Stich
Und tauchtest vor der Schlange ab,
Gott soll dich strafen fürchterlich.
An dir und an den Deinen schwer
Wird rächen sich der Mäuse Heer.
Ade, du Welt, du Sonnenlicht.
Ich bitte drum, vergesst mich nicht“

Noch einmal, mit letzter Kraft,
Hat Bröseldieb sich aufgerafft
Und rief hinüber: „Eilet fort!
Sorgt, dass man räche diesen Mord!
Der König Pausback, dass ihr’s wisst,
Warf hier mich ab mit Hinterlist!“
Sprach’s in des Todes Ängsten und
Sank starr hinunter auf den Grund.

wird fortgesetzt

Dienstag, 14. April 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-5

Krümeldieb rühmt seine Männlichkeit,
Stärke und Tapferkeit


Zwar bin ich, fuhr der Prinz fort, von Person
Nur klein, doch biet ich Riesen Hohn;
Mein Herz jedoch ist groß und gut
Und heget unverzagten Mut.
Auch deutet des Körpers Umfang heute
Nicht immer auf den Geist der Leute.
Den Esel jagt die kleine Biene,
Ob gegen sie er ist ein Hüne.
Der Hase läuft, wie ihr wohl wisst,
Vor jedem Frosch, so klein er ist.
Was sollen auch versuchen sich
Maulwurf und Eidechs’ wider mich?
Die Schlange halt ich bei der Kehle,
Bis ich sie ganz zu Tode quäle.
Ein ganzes Regiment Heuschrecken
Mag ich mit einem Sprung erschrecken,
Kann hunderte von Grillen jagen,
Mit Füßen treten und zerschlagen,
Wie ich noch hab erwiesen heute.
Denn wenn ich frühe geh nach Beute
Und einen Kirschbaum hab erstiegen,
Fängt sich ein Zweiglein an zu biegen;
Da flohen rottenweis’ davon
Der Käfer ganzes Bataillon
Und auch die Vögel mancher Art,
Sie spüren meine Gegenwart.
Sogar den Fleischberg Elefant,
Jag ich, wenn’s sein muss, aus dem Land.
Kein Mann war je so dick und lang,
Dass er mich konnte machen bang.
Ich kriech ihm nach ins Bett mit Fleiß,
Wie kühne Flöh, bis in den Steiß;
Such Korn in seines Bettes Stroh,
Und treib mein Wesen keck und froh,
Ob er rumort gleich noch so sehr,
Als wenn’s der Lindwurm selber wär,
Sich umdreht und wie wild sich wehrt,
Und nach mir sticht mit bloßem Schwert;
Vermeint der Tropf, er wird mich schrecken,
Dass ich verängstigt lass das Necken.
Gefehlt! Kaum ich ihn wieder schlafen seh,
Hab ich ihn wieder bei dem Zeh,
Und kneif ihn wacker in die Waden;
Das macht mir Spaß, er hat den Schaden.
Erst neulich begaben sich ähnliche Sachen,
Dass ich noch jetzt muss bei mir lachen.
Der Ochs lag ausgestreckt im Stall,
Und kaute sein Gras zum dritten Mal.
Als ich nun um ihn her so tanze,
Schlägt mich der Flegel mit dem Schwanze.
Da sprach ich: O du fauler Tropf,
Hast wohl kein Hirn in deinem Kopf,
Kein Herz im Leib, noch Mark im Knochen:
So komm einmal hervor gekrochen,
Zum Kampf mit mir; ich will in Ehren
Mich deiner, du Grobian, erwehren.
Der Ochs sprang auf in wildem Zorn,
Sprach: „Elender Wurm, du bist verlor’n!
Ich will dich zerreißen, zerquetschen, zerstampfen,
Dass von deinem Blut die Erde soll dampfen!
Kann auch die Mücke sich so sehr vergessen,
Dass sie des Kampfes sich will ermessen
Mit Elefanten oder mir?
Wart ab, du sollst büßen dafür!
„Ein Narr ist wer den Feind veracht’“,
Sprach ich, und hab dabei gelacht.
Dann fuhr ich wie Davids Schleuderstein
Einst dem Riesen Goliath,
Mit einem Sprunge, er war platt,
Zwischen beide Hörner ihm.
Meine Klauen wie ein Pfriem
Drangen tief in seine Haut.
Er brüllte Zeter mordio laut,
Sprang, stampfte, bäumte sich und stieß
Hart gegen die Mauer, dass Funken und Kies,
Wie Blitz und Hagel, prasselnd fielen.
Allein das machte ihm selbst nur Schwielen,
Nicht mir, drum ließ ich im Beißen nicht nach.
Da wurde vom Toben er endlich ganz schwach,
Hielt ein und gab der Übermacht nach;
Fiel reuig hin vor mir auf die Knie,
Und bat um Schonung; ich gewährte ihm sie.

Dies sei gesagt, nicht mich zu loben,
Nein, sondern nur um ein paar Proben
Von meinem unverzagten Mut
Zu geben, der mein Attribut.

Auch heute, bevor ich zu euch kam,
Ich mich gar heldenhaft benahm.
Den Faltern bin ich nachgezogen;
Doch weil die dauernd weggeflogen
Sind in Panik und in Angst vor mir
Verfolgte ich sie bis nach hier.
Am Ufer sind sie mir entkommen.
Da hab ich einen Trunk genommen
Aus euerm frischen, klaren Born.
Der kühlte mir Gemüt und Zorn.

Weiter was man wissen muss,
Sprach Krümeldieb im Redefluss:
Nun aber hat der Herr der Welt
Sein Regiment hier so bestellt,
Dass jedes Geschöpf auch Feinde hat.
Er fügte es so akkurat,
Dass keines auf der weiten Erde
Zu sehr stolzier und sicher werde.
Wie denn das grüne Gräselein
Hat seinen Feind am Schäfelein,
Das Schaf den Wolf, der Wolf den Hund,
Der Hund des Bären Klau und Mund,
Der Bär den allgewalt’gen Leuen,
Der wieder muss das Manntier scheuen.

Das Manntier aber voller List,
Von allen das allerschlimmste ist.
Eins mordet das andre unbeschwert,
Was man von keinem Tier sonst hört.
Sowohl an Mordlust und an List
Der Mensch ein Ungeheuer ist.

Der leid’ge Habicht und der Falk
Bezwingen mich, der große Schalk
Fuchs Reinecke mit vieler List
So manches Mäuslein fängt und frisst.
Von allem doch, die unsrer Spur
Mordgierig folgen, fürcht ich nur
Drei; erst den Habicht, der geschwind,
Wenn grad am sichersten wir sind,
Mit frohem Tanz beginnt ein Fest,
Sich aus der Luft hernieder lässt,
Mit gieriger Wut uns greift dann an
Und wegführt, was er fressen kann.
Es folgen diesem bösen Brauch
Des Habichts viele Vettern auch,
Die Sperber, Eulen, Weihen;
Den Adler nur wir nimmer scheuen,
Der uns in seinem hohen Mut
Niemals etwas zu Leide tut.
Zum Zweiten fürchte ich die Katze
Mit ihrer mörderischen Tatze.
Wohl gleicht sie einem Jungfräulein;
Die Augen glänzen hell und klar,
Sie leckt und schlichtet sich das Haar,
Putzt ihre Hände, wäscht gar rein
Die netten zarten Wängelein,
So dass, wenn man sie noch nicht kennt,
Das Herz nach ihr gewaltig brennt.
Man sieht an ihr, dass Schmeichelei
Und Freundlichkeit oft Heuchelei;
Doch kaum ein andrer Heuchler ist
Ihr gleich an Mordlust, Tücke, List.
Zum Dritten fürchte ich vor allen
Sehr die verräterischen Fallen,
Die täglich fast auf neue Weise
Der böse Mensch mit großem Fleiße
Uns zu vertilgen stellet aus.
Da steht ein schönes kleines Haus
Mit Tür und Fenster, dass man denkt:
„Hier muss sich’s wohnen recht gemütlich“.
Gebratner Speck am Balken hängt
Und lockt, daran zu tun sich gütlich.
Wenn aber man hinein will gehen,
Sich dort ein wenig umzusehen,
Zu Schmecken ob dem Koch der Braten
Nach seinem Willen sei geraten,
Ob er nicht Mangel hat an Schmalz,
Ob es nicht fehlt daran an Salz,
Ob alles roh sei oder gar, -
Pautz! Fallen Fenster zu und Tor;
Mit Schadenfreude springt hervor
Wild lärmend eine Kinderschar;“
Und jubelt: „Seht, sie ist gefangen!
Wir wollen sie zum Spaße hangen.
Auch macht der Mensch wohl eine Brücke,
Die, wie man meint, ganz feste steht,
Daran jenseits ein lieblich Stücke
Käs hängt. Wenn man hinüber geht,
So bricht die trügerische Brücke,
In Wasser oder einem Kasten
Muss das betrogne Mäuschen fasten.
Auch richten sie wohl einen Stein
Empor mit einem Kreuzelein,
Als wenn’s ein stilles Bethaus wär.
Der Speck am Kreuze lockt gar sehr
Zur Andacht. Doch kaum ist die Maus
Am Kreuz, um mit gefalt’nen Händen
Zum Himmel ein Gebet zu senden,
Oh weh! So bricht das ganze Haus
Samt Kreuz mit großem Lärm hernieder.
Von dem Gebet kommt keiner wieder.
Auch mengen sie ins Zuckermehl,
Das einem schmeckt durch Leib und Seel’,
Ein duftend Pulver fein und rötlich;
Jedoch das Pülverchen ist tödlich.


Seht, Herr, so groß und grausam ist
Der Feinde Schar, die uns mit solchen
Verruchten Mitteln, Macht und List,
Seit ew’gen Zeiten schon verfolgen.
Ein Wunder ist’s, dass unsre Art
Nicht ganz schon ausgerottet ward,
Dass wir im Gegenteil uns mehren,
Dies aber eben gibt uns Mut
Und Kraft, dass wir mit tapfrem Blut,
Uns gegen unsre Feinde wehren;
Und wenn den Mut wir nicht verlieren,
So werden einst wir triumphieren“.

Gar viel hätt’ ich davon zu sagen,
Doch ziemt es sich nicht lang zu klagen.
Euer Gnaden halten mir zu gut,
Wenn meine Jugend Unrecht tut
Und redet mit Weitläufigkeit,
Sonst ist wahrhaftig mein Bescheid.

-
Wird fortgesetzt

Montag, 13. April 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-4

Bröseldieb rühmt sein Geschlecht,
seine Klugheit und seine Tapferkeit


Da hub der König Pausback an
Zu reden mit dem kleinen Mann:

„Mein lieber Gast, da meine Leut’
Mir Kundschaft brachten mittags heut,
Du wärest in mein Reich gekommen,
Hab ich als Freund dich aufgenommen.
Berichte mir nun schlecht und recht
Von deinem Stamme und Geschlecht,
Wen Vater du und Mutter nennst,
Und welchen Glauben Du bekennst.
Und find ich würdig dich der Ehr,
So führ ich ohne all Beschwer
Heim in mein Schloss ich dich mit mir
Und schenk die schönsten Dinge dir,
Denn ich bin reich und weiß sehr wohl,
Wie man den Gastfreund ehren soll.
Wie es sich ziemt für einen Mann
Der es vermag, wie ich und kann,
Würde ich dich nach unsern Sitten
Zu mir auf meine Insel bitten.

Ich selbst bin König, werd Pausback genannt;
Alle Frösche dort drüben in meinem Land
Sind mir in Knechtschaft untertan
Und beten mich als Abgott an.
Ich regiere mein Reich gekonnt!
Von Horizont zu Horizont,
Preist mich mein Volk, das ich behüte,
Voll des Lobes meiner Güte.
Mein Vater, Dreckpatz hochwohlgeboren,
Hat zur Gemahlin sich dereinst erkoren
Die edle Wasserfürstin Moriam
Von der ich selbst zur Welt einst kam.
Kein edleres Königspaar je sah
Die Welt als Papa und Mama.

Doch ihr seid auch ein Königskind
Und ritterlich gewiss gesinnt,
Indem ich jetzt nun euch betrachte,
Und auf Gestalt und Kleidung achte,
Scheint gleichfalls ihr ein feiner Herr
Zu sein von königlicher Ehr.

Denn einer wie ich, insofern er was gilt
Im Krötengeschlecht, trägt Gottes Ebenbild
So unverkennbar doch in allen Zügen,
Dass man in ihm sich kann nicht trügen.

Doch werdet ihr selbst mir nun erklären
Wofür man euer Geschlecht soll ehren.

Dem Mäuseprinz das Herze schwoll.
Die Rede war zu ehrenvoll.
Er schämte sich beinah doch dann
Er eines bessern sich besann.


Antwortete: „Eure hohe Tugend
So huldvoll gegen meine Jugend,
Erkenn ich an mit Dankbarkeit,
Bin euch zu dienen gern bereit
Und will auf alle eure Fragen
Eurer Majestät wohl Antwort sagen.

Er räusperte sich, sinnt nach ein wenig,
Und spricht, wie folgt darauf zum König:
„Dass euer Hoheit, aus angestammter Milde,
Sich so, wies bei der Fürstengilde
Seit alter Zeit es sich bewährt,
Hat gegenüber mir erklärt,
Ist wahrlich mehr als gütiglich
Und äußerst schmeichelhaft für mich.

Zu großen Geschenken, Lieb und Ehr,
Wenn dess würdig ich befunden wär,
Das werd ich, so lang ich Atem habe,
Ja noch dereinst im stillen Grabe
Vergelten euch in Dankbarkeit,
Bis in alle Ewigkeit.

Doch bevor ihr mich beschenkt,
Eines wohlweislich bedenkt,
Auch ich entstamm einem Geschlecht,
Dessen Blut wurd artgerecht,
Seit Jahrtausenden und Tagen,
Bis in die Gegenwart getragen.
Meine Sippe, wie sich’s ziemt
Ist auch heut noch weltberühmt.

Rex Schinkenklauber ist mein Vater.
Er ist noch heute mein Berater.
Frau Leckmüll, meine Mutter Lieb,
Nannte mich Prinz Krümeldieb.
Der erste geruhte mich zu erzeugen,
Die andre, an eigenen Brüsten zu säugen,
Wie die Natur und Ärzte wollen,
Dass Mütter, wenn sie’s können, sollen;
Bis mir, in spätren Knabenjahren,
Eigne Beißerchen gewachsen waren.

Der Vater beschützte vor Gefahr
Mich im Schlosse, das ein Mausloch war.
Die Mutter mit der besten Speise
Verwöhnte mich auf ihre Weise,
Auf dass ich über der Mäuse Heer
Nach meinem Vater König wär,
Erzog man mich nach Fürstenweise
Am Hofe im erlauchten Kreise.

Zwei Brüder hab ich noch daheim,
Topfguckeritz und Leckesheim;
Die einzige Schwester die ich hatte
Biss tot vor Jahren eine Ratte.
Nicht mangelts unserem Geschlechte,
An Ruhm; dem Quieker der Gerechte,
Mein Ahnherr hat vor alter Zeit
Den Löwen aus dem Netz befreit,
Wie die Geschichte weiß zu melden;
Auch nach ihm zählt sie tapfre Helden.
Ich selbst focht manchen guten Strauß
Mit unsres Reiches Feinden aus,
Ihr seht’s an meinen Wundenmalen;
Doch ist’s nicht Heldenart zu prahlen.

So wie nun Fürstensöhne sind,
War ich von Anfang an ein Kind,
Das ausgestattet war mit Gaben
Die andre Kinder selten haben.

Daran ist wirklich nichts gelogen,
Das Anseh’n hat euch nicht betrogen.
So hab auch ich, damit ihrs wisst,
Prophetengeist, der wichtig ist.
Den nutze ich, doch nie frivol,
Zu des gesamten Reiches Wohl.
Will etwa ein Schiff mit Mann und Maus
Versinken oder ein altes Haus
Den Leuten auf die Köpfe fallen
Verschwind ich mit den Freunden allen.
Bevor das Unglück kann gescheh’n
Muss man ihm aus dem Wege geh’n .
Wie einst Johann Evangelist
Furchtbar wütend geworden ist,
Als der Unhold Kerinthos
Im Badehause dubios,
Inmitten seiner Ketzermeute,
Sich der Blasphemie nicht scheute.
Er lehrte, dass die Benedeite
Damals an des Josefs Seite,
Nachdem gebor’n das Kindelein,
Könnt füglich keine Jungfer sein.
Da mahnte Johannes die Brüder, schnell
Vom Tode zu retten den Leib wie die Seel,
Und zu entfliehen dem sündigen Haus,
Eh es niederstürzte in Schutt und in Graus.
Sie waren ihm auch gehorsam gleich alle
Und kamen heraus aus Gott Vaters Falle.
Da stürzte das Haus samt dem Bad in den Grund.
So strafte der Himmel Korinths Lästermund.
Rollenhagen S. 794

Drum war ich auch immer so weise und klug;
Hatte nie an einem Löchlein genug;
Wollt deren zwei zum mindesten haben,
Damit, wenn eins mir würde vergraben,
Ich doch noch wüsste wo ein und wo aus.
Denn in der Tat arm ist die Maus
Die, wenn es einmal bei ihr brennt
Nur den Weg durchs Feuer kennt.
Wenn einem Haus der Einsturz droht;
Dann rett ich zeitig mich aus Not.
Ich wandre aus dem Hause still,
Wo Gott die Menschen strafen will.
So als die Leute zu Helice
In Griechenland, der Stadt am See,
Die Feinde aus dem Jonier Land
Wie Opfertiere einst verbrannt,
Rollenhagen S. 794

Verließen flugs wir Stadt und Land,
Entflohen Gottes rächender Hand.
Die Bürger sahen uns entlaufen
Bei Tag und Nacht in hellen Haufen
Und lachten trotzig dieser Mähr,
Als ob es eitel Schimpf nur wär.
Da öffnet sich der Erde Schlund
Und riss sie alle in den Grund,
Die Wasser stürzten drüber her,
Die Stätte kennt heut keiner mehr.

Mittwoch, 4. März 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-3
Die Ankunft des Mäuseprinzen


Beklatscht vom Volke und geehrt
Ist er zum Thron zurückgekehrt.
Dort wurde er gleich beim Erscheinen
In Pracht umringt von allen seinen


Verwandten und Geschwistern,
Schranzen, Räten und Ministern.

„Ja“, sprach der König, „keine Frage,
Das war der schönste Teil vom Tage.


Spaß macht solch ein Ritterspiel,
Solang die Übungen zivil
Bleiben und das Militär
Im Hintergrunde sekundär,
Nur die Nebenrolle spielt“.
Zum Oberfeldmarschall geschielt
Hat er, als er solches sagte.
Dieser keine Antwort wagte
Sondern stattdessen das vertraute
Offiziersrangmännchen baute
Und dabei zackig, dass es schallte,
Die Hacken aneinander knallte.

Indessen sprach der Herrscher weiter:
„Früher war ich der beste Reiter
Unter der Sonne, glaubt es mir.


Mein grünes Ross, ein treues Tier,
Mit starken Schenkeln voller Pracht,
Trug siegreich mich von Schlacht zu Schlacht.
Wie aus einem Stück gegossen,
Ritten mannhaft und zum Kampf entschlossen
Wir gegen die tapfersten der Ritter.
Für unsre Gegner war es bitter.
Sie gingen leer aus, alle Preise
Erkämpften wir in kühnster Weise.
Ketten, Ehrenzeichen und goldene Spangen
Seither an meinen Kleidern prangen“.
„Schaut her“, sprach er, „das sind die Orden“.
Er schwellte dabei selbstbewusst
Dem Volke zugewandt die Brust.
Allesamt von mir erstritten worden.
Schon damals war das Kampfspiel Brauch.
Zu Wasser wie zu Lande auch,
Da könnt ihr alle fragen,
Konnte keiner mich einst schlagen.
Ja ich war ein doller Hecht.
Siegreich immer im Gefecht
Und gefürchtet weit und breit,
Doch immer fair im Waffenstreit.
Fairness galt im Spiel und Sport
Mir stets als allerhöchster Hort,
Denn mit Mut und Tapferkeit
Allein kam damals keiner weit.

Treue, Ehre, Wahrheit galt
Damals noch mehr als Hinterhalt.
Bescheidenheit war Tugend
Dereinst in meiner Jugend.
Ein Wort das heut gilt als verrucht,
Galt damals. Es hieß Manneszucht.
Auch wurde keiner dazumal
Durch Luftanhalten General
Oder durch Strammsteh’n. Das allein
Brachte zu meiner Zeit nichts ein“.

„Das ist auch heute nicht der Fall“
Sprach der Oberfeldmarschall,
Sichtlich verärgert und fügte an:
„Ich hab mein Bestes stets getan
Und immer wenn ich wurd gefragt
Zu allem stets jawohl gesagt“.


Über diese neue Kunde
Lachten fast alle in der Runde,
Nur der Oberfeldmarschall
Lachte nicht. Ein Wutanfall
Schnürte ihm die Kehle zu
Und so gab er Ruh.

Indes die Musikanten fingen
Zu spielen an und laut zu singen.


„Solfa, ut ut,sol ut, sol fa,
Quak, quak ut Fidirallala”.
Bald sangen alle, Alt und Jung
„Korax, quak quak, klungkerlekunk“
Ein Bass im Kontrapunkt dazu,
Brummte ohn’ jegliches Tabu
Sein Korax, Korax, Korax dumpf.
Es klang so schön und wunderbar
Durch das Schilf an Pausbacks Sumpf
Dass jagend Meister Adebar
Was er nur ganz selten tat,
Aufs Abendmahl verzichtet hat,
Und sich hungrig in die Lüfte schwang.
So schön war dieser Froschgesang.

Der grüne Adel und die Schranzen
Drängten ans Ufer nun zum Tanzen.
Zum Klang der Lauten, Zithern, Geigen,
Tanzten lustig sie den Reigen.

Alle die nun aus dem Schilfrohr traten,
Mit den Sängern sich zusammentaten
Um ihre Stimmen einzubringen
Und lustig tanzend mitzusingen.

Was war das für ein frohes Drängen.
Die Luft war voll von Jubelklängen.
Kein andres Volk nach Musenart
Wie Pausback’s je gefunden ward.

Die Vögelein im reinsten Klang
Stimmten ein in den Gesang
Und ringsum tönte überall
Des Frühlings Wunderfreudenschall.

„Wie selig war die güldne Zeit,
Da in der ganzen Welt die Leut’
Einst lebten voller Fröhlichkeit
Ohne Hass, Hader und Herzeleid.
O schöne Zeit, wo flohst du hin?
Kehr um, und ändre unsern Sinn,
Dass Freundschaft, Lieb und Einigkeit,
Und unsrer Kindheit Seligkeit,
Die einst aus Gottes Himmel kamen,
Noch einmal kommen mögen. Amen.“

So dacht der König voller Kummer,
Halbwach und halb bereits in Schlummer.
Er war, so schien’s, grad eingenickt
Als ihn die Königin gezwickt.
Sie flüsterte, „komm sei kein Frosch,
Indem sie küsste seine Gosch,
„Lass uns auch zum Tanzen gehen.
Lassen wir beim Volk uns sehen,
Denn nur, wer den Untertanen nah,
Ist für sein Volk auch wirklich da“.

„Da hast du Recht, der Satz ist wahr“,
Erwiderte der Gatte ihr.
Kurz drauf erschien das Herrscherpaar
Unten am See im Tanzrevier.
Und die beiden tanzten auch
Genauso wie beim Volk es Brauch.

Während am See die Wasserleute
Musik und Tanz gar sehr erfreute
Und die Sonne immer mehr
Brannte heiß von oben her
Auf das grüne Volk herab,
Wo sie den schönsten Schatten gab,
Dort wo die tanzend lustige Schar
Im schönsten Jubilieren war
Und die allergrößte Hitze
Stieg aus des Himmels Mittelspitze…

Da eilte von des Waldes Höh,
Getrieben von des Durstes Weh,
zum See herab ein kleiner Mann.
Er hatte ein weißes Pelzlein an.
Am Halse ein Korallenband.
Im goldnen Gürtel eine Hand.
Die andre hielt er an der Seit
Nah an seinem Schwert bereit.
Ein Schwänzchen folgte ihm hinterher
Als wär’s ein wurfbereiter Speer.

Er trabt daher, so hat’s den Schein,
Als wär’ er unterwegs allein.
Doch folgen ihm Trabanten vier
In schlichten Pelzen, ohne Zier.
Die wirken gräulich bis aschfahl.
Vermutlich ist’s nur zweite Wahl.

Durstig an des Ufers Rand,
Lehnt sich der Weißpelz auf die Hand.
Neigt das Köpfen, dass sein Bart
Voll Glitzer-Wasserperlen ward.
Als wenn es purer Honig wär,
So leckt sein Zünglein kreuz und quer.
Dann wischt er’s Näslein, schmatzt vor Lust,
Wie’s Kindlein an der Mutterbrust
Und spricht bei sich indem er leckt:
Wie süße Milch das Wasser schmeckt
Wenn man’s mit Durst nur würzen mag,
Wie ich getan hab diesen Tag.

Nun glaube ich, was Darius spricht,
So wohl hab’ ihm geschmecket nicht
Was jemals er sein Leben lang
Zuvor und später aß und trank,
Als trübes Wasser auf der Flucht,
Das für den Durst ihm ward gesucht.


Das sah und hört’ ein Frosch von fern
Und eilt’ zum König seinem Herrn.
Er traf am See ihn, wo beim Tanz,
Der Rex noch mit dem Lorbeerkranz
Mit den Damen seiner Wahl
Schwofte ein ums andre Mal.

Pausback das Tanzen unterbrach.
Der Späher darauf ganz gemach,
Erzählte was geschehen
Und was er hat gesehen.

„Fünf Männlein brachen ein ins Rohr,
So klein als ob es Zwerglein wär’n.
Und drangen bis ans Wasser vor.
Den ersten nannten sie den Herrn.

Der hat ein weißes Hemdchen an.
Ist schön geziert als Rittersmann.
Sie tragen alle Knebelbärt’
Und wirken mutig kampfbewährt.

Ich kenn nicht ihre Namen.
Ich sah nur wie sie kamen
Um unser Wasser wegzulecken.
Sie lassen es sich jetzt noch schmecken.

Der König selbst beim Militär
Dachte, die Sache ist prekär
Und rief nach seinem Leutenant,
Der in der Nähe sich befand.“
„Auf, Grünrock“, sprach er, „schnell,
Nimm zehn Trabanten mit zur Stell.
Wenn’s Feinde sind, sollst du sie fangen.
Falls nicht anders zu erlangen,
Schnappt sie euch beim Kragen
Ohne lang zu fragen.
Fesselt sie und führt sie her.
Doch wenn es Leute sind von Ehr’,
Kannst du sie zu Hofe laden
In guter Freundschaft ohne Schaden.
Dann lass ich zum Gespräch sie bitten.
Sie wären mir dann wohlgelitten.

Drauf Grünrock hüpft zum See in Eil’
Und schießt davon gleich einem Pfeil,
Die Hand am Schwert ob der Gefahr.
Dann wurd’ der Fünfe er gewahr.

Er lachte: „Mäuse wie ich seh’.
Doch eines ist so weiß wie Schnee.
Das ist fürwahr recht ungewohnt.
Schaut wohl, dass ihr denselben schont
Und auch den andern tut kein Leid
Bevor sie geben uns Bescheid.
Lasst mich erst reden mit dem Mann
Damit ich es erfahren kann,
Was sie an unsern See geführt
Wo wir sie haben aufgespürt.

Dem Pelzrock schien recht sonderbar
Im Uferschilf die grüne Schar
Die so mutig schritt daher
Als ob’s ein Häuflein Elend wär’.

Ihr Führer freilich vornean
Trat auf als wär’s ein tapf’rer Mann.
Indes erstarrt und leichenblass
Hinter ihm in seichten Nass
Das tapf’re Grüppchen seiner Leute
Sich vor einem Streite scheute.


Sie wollten grad, wie es ihm schien,
Nach links und rechte ins Rohr entflieh’n.
Der Gruppenführer jedoch sprach:
„Ihr Mannen bleibt! Ich bürg die Sach’.“

Dann trat er an die Maus heran.
Die rief: „Glück zu, mein lieber Mann!


Ich bin an deinen See gekommen,
Weil ich noch durstig war vom Jagen.
Möchte’ auch nach eurem Wohlsein fragen,
Und wundre mich, wie es gekommen,
Dass ich noch nichts von euch vernommen.

Weiter sprach er dann manierlich
Und beugte das Knie dabei gar zierlich.
Ich möchte euch für den kühlen Trank
Aussprechen herzlich meinen Dank.
Das mache ich von Herzen gern
Denn Diebstahl liegt mir wirklich fern
Und Dankbarkeit ist eine Tugend,
Die ziemt dem Alter wie der Jugend.
Ich hätte euch ja erst gefragt
Bevor zu trinken ich gewagt.
Doch als der Durst mir tat so weh
War außer uns niemand am See.
Ich dacht’, ihr hättet Traurigkeit,
Klagt daheim euch euer Leid
Über einen der verstorben.
Glaubt nicht, ich wäre so verdorben
Und würde derart mich verfehlen
Euch das Wasser feig zu stehlen.
Wie bin ich froh, dass euer Kleid
Zeigt keine Spur von Traurigkeit.
So fröhlich frisch, wie ihr hier steht
Es sicherlich nicht schlecht euch geht.
Glaubt allesamt, dass ich mich freue
Und euern Anblick gar nicht scheue.
Und nehmt für den genoss’nen Trank
Was ich euch schulde, meinen Dank.
Und glaubt mir sehr verehrte Herrn,
Ich steh zu Diensten euch auch gern,
Denn wen man dankbar nennen kann,
Dem kleben keine Laster an.

Die Frösch’, ob solcher Höflichkeit
Und feiner Sitten sperrten weit
Die Mäuler und die Augen auf
Und Leutnant Grünrock sprach darauf:

„O edler Junker, feindlich ist
Die Absicht nicht in der wir kommen.
Mein hoher Herr, der König, wisst,
Von eurer Ankunft hat vernommen
Und möcht’ in Gnaden wissen wer
Ihr seid, wie ihr euch nennt, woher
Ich kommt; aus welchem Lande
Aus wessen Stamm und welchem Stande.

Das zu wissen er begehrt.
In Gnaden, dass ihr unbeschwert
Ihm ganz offen all das sagt
Kommt mit zu Hofe unverzagt.
Ich soll euch zum Gespräche laden
In guter Freundschaft ohne Schaden.

Dass aber unser Wassertrunk
Gelabt hat eure Herzen jung,
Das gönnen wir euch jederzeit,
Sind auch zu andrem Dienst bereit,
Denn wie die Sonn’ und Luft gemein,
Sollt auch der Trunk des Wassers sein.
Nur treue Freundschaft woll’n wir hegen
Und gute Nachbarschaft stets pflegen.
Euch ist’s vergönnt, der Majestät,
Die drüben dort am Ufer steht,
Zu nahen euch. Ihr braucht mitnichten
In Furcht zu sein vor den Berichten,
Denn einen solchen noblen Herrn
Empfängt der König immer gern“.

Das Mäuslein sprach: „Ist’s, wie ihr sagt,
Dass euer König nach mir fragt
Und wünscht er selbst mich zu besehen,
So will ich gerne mit euch gehen.
Nur führt mich, bitt ich, hin zu Land;
Mit Wasser bin ich nicht bekannt.
Ich bin des Mäusekönigs Sohn
Und hab vor Wasser Aversion.
Da ihr indes so freundlich seid
Bin ich zu großem Dank bereit.
Erkenntlichkeit will ich euch zeigen
Auf dass wir immer Freunde bleiben.
Nur schade, dass zu dieser Zeit
Ich keine nette Kleinigkeit
Als angenehme Gabe
Euch zu danken, bei mir habe.
Doch dann fiel es ihm noch ein.
Ich hab da ein paar Kirschelein;
Die mach ich euch nun zum Geschenk.
Und dann griff er ungelenk,
Einem der hinter ihm grad stand,
In die Taschen mit der Hand.
„Ich hab sie auf der Jagd erstiegen,
Die abgefall’nen ließ ich liegen“.
„Der Kern taugt an den Kirschen nicht“
Fuhr weiter er dann im Bericht.
Auch ein paar Erdbeer’n sind dabei,
Der Hände voll, zwei oder drei.
Dann greift er nochmals in die Taschen,
Reicht artig ihnen hin zu naschen.
Kaum konnt’ er sich der Frösch’ erwehren,
Die auf die schönen roten Beeren
Mit offnem Maul so gierig tappten,
Dass sie ihm fast die Hand erschnappten.

Dem König ward gemeldet schon,
Es käm’ des Mäusekönigs Sohn;
Drum brach er ab den Tanz zum Zwecke
Dem jungen Prinzen eine Strecke
Entgegen selbst zu geh’n und ihn
Gemäß dem Range zu empfangen.
Und hinter ihm in einem langen
Zug sieht man den ganzen Hofstaat zieh’n.
Dazugesellt die andern Scharen
Der Frösche, die voll Neugier waren.
Zum Schluss kam hinterher gelaufen
Ein bunt gefleckter Quappenhaufen.
Seine Majestät schritt vor
Bis ans grüne Ufertor,
Dort wollt er feierlich empfangen
Den hohen Gast mit vielem Prangen.
Im neuen grünen Frühlingskleid,
Mit Gold verbrämt an jeder Seit’,
Mit Augen wie der Morgenstern
Hell funkelnd schon aus weiter Fern’.
So stand der König an der Pforte
Und dachte sich Begrüßungsworte
Für den Mäuseprinzen aus.
Da kam sie schon die weiße Maus.

Wie nun der junge Fürst ganz nah
Den König Pausback vor sich sah,
Da fühlt er, dass ihm leise graut.
Als er ihm in die Augen schaut
Denkt er bei sich: „Nur ruhig Blut,
Ein Recke darf sich niemals scheuen,
Und trät’ er selbst vor einen Leuen“.
Dann zieht er vornehm seinen Hut,
Und drauf mit höflicher Gebärde
Wandt’ er das Angesicht zur Erde,
Legt auf die Brust die rechte Hand
Und neigt sich wie er’s wohl verstand.

Der König sprach: „Willkommen Gast,
Setz dich zu mir und halte Rast.


Ruh aus von deiner Mattigkeit,
Denn deine Reise war wohl weit,
Da ich dich nie zuvor gekannt“,
Und reicht ihm gnädiglich die Hand
Und setzt sich neben ihm zur Erd’.
Das Männchen sich umständlich wehrt,
Setzt sich doch endlich ihm zur Seit’,
Der Majestät zu Dienst bereit.

Das Hofgesind’ vernähme gern
Das Zwiegespräch und drängt von fern
Und tummelt laut sich hier und dort,
Dass niemand hört sein eigen Wort.
Der König aber gibt ein Zeichen,
Und alle müssen schnell entweichen.
Nur vier Trabanten mit Bedacht
Zur Seite steh’n als Ehrenwacht.


Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als fünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 10.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.