Sonntag, 17. April 2011


Machwerk R.W. Aristoquakes

Teil 7 – 4

era

fragte ihre Lieben:

„Wo war ich stehen denn geblieben“?

Hephaistos mit seiner schiefen Gosch:

„Wo wohl Mama?, klar beim Frosch“!

„Ach ja“ sprach sie, „ich wollt euch sagen,

Dass Frösche man als Grabbeigaben

In Königsgräbern hat gar oft gefunden“.

Was dies bedeutet zu bekunden,

Gab sie den Göttern zu verstehen:

„Auch Könige wollten auferstehen“!

Dann zog sie ihre Stirne kraus

Und kramte eine Vase `raus,

Die sie bisher unentdeckt

Hatte unterm Rock versteckt.

„Seht“ sprach sie, „das Fröschlein hier,

Opferte ein Künstler mir.

Von Ruvo in Apulien aus,

Wo der Gute war zu Haus,

Brachte er es mir zum Lohn,

Nach Samos ins Heraion.

Er betete dort laut zu mir:

-Kronos-Tochter, ich danke dir

Dafür, dass Du mir hast nun neben

Zehn Töchtern auch `nen Sohn gegeben.

Nun hab ich endlich einen der

All das macht was mir fällt schwer,

Der für mich ganz ohn‘ Entgelt

Rackert, ackert und bestellt.

Doch bitt ich dich Hera, hör mir zu,

Schenk Söhne ihm, das wär der Clou;

Denn Söhne, die sind viel mehr wert

Als Töchter; mach es umgekehrt

Diesmal bitteschön mit ihm.

Ich bitte dich in seinem Namen,

Erhöre mich, du Gute, Amen-

So flehte im Tempel er intim.

Demeter sah sie fragend an.

„Nun sag schon, was hast du getan“?

Zeus‘ Gattin blickte in die Runde.

Dann gab sie preis die frohe Kunde;

Den Göttern kam es lustig vor:

„Die Jungs spiel’n Fußball, sie im Tor!“

Noch manche teure Dankesgabe

Zählte zu Heras Reichtums-Habe.

Ein Griechenfürst bracht ihr als Gunst

Ein Meisterwerk der Töpferkunst.

Ein Granatapfel als Trinkgefäß

Mit einem Frosch, der durchs Gesäß,

So wie gewohnt er’s ist vom Teich,

Herauspresst offenbar den Laich.

„Ja“ lachte Athene, „Zu deiner Zeit

Stand der Frosch für Fruchtbarkeit;

Der Granat macht dieses klar,

Der dafür einst ein Zeichen war,

Und für Auferstehung galt

Beim Volke einst die Frosch-Gestalt.

Die Vase hier zeigt es uns an:

Aus dem Frosche wird ein Mann.

Das hast du vorhin wohl vergessen“,

Gab Hera sie jetzt zu verstehen

Und dann fügte sie spontan,

Das Folgende auch gleich noch an:

„Seht hin, der Frosch beginnt zu pressen

Genau im Rhythmus mit den Wehen“.

Sie hielt das Froschgefäß empor.

Aus dem wuchs just ein Mann hervor!

Die Götter staunten hingerissen.

Da hat Athene es erklärt,

Ließ keinen drob im Ungewissen.

„Was sich in China hat bewährt;

Frosch und Kröte galten dort

Als Reinkarnations-Symbol.

Die beiden Lurche als Import,

Kamen nach Hellas später wohl.

So steht’s bei R.W. Quaks zu lesen

Und so ist es einst gewesen“!

Und dann führte sie weiter aus:

„Chinesen sind uns weit voraus.

Sie hatten Recht und orthodox

Hat R.W. Aristoquakes angepasst

Im Werke Netsuke on the Frogs

Was wissenswert ist uns verfasst“.

Die Götter staunten, alle waren

Sich längst darüber schon im Klaren,

Dass der Frosch dereinst auf Erden

Als Gottheit über Tod und Werden,

Was für Ägypten uns ist klar,

Verantwortlich auch im Osten war.

Doch weil der Frosch ein garst‘ges Vieh,

Nicht adelig war, so wie sie,

Hat man ihn nicht anerkannt

Und aus dem Götterkreis verbannt“.

Hera griff den Faden auf:

„Im weiteren Geschichtsverlauf

Wurde verteufelt er in Rom.

Aus dem Quaks wurd ein Dämon.

Die Annahme liegt hier wohl nah,

Dass dies aus gutem Grund geschah.

Der Frosch der christliche Adept,

Passte dem Papst nicht ins Konzept.

Bei Aristoquakes finden wir

Den Frosch gar oft als Satanstier.

Hierzulande mancher Lurch

Machte Höllenqualen durch.

Weil er nicht passte in den Kram,

Man ihm das Recht zu leben nahm.

Nicht dass ich leeres Stroh hier drösche.

Schlimmes mussten damals Frösche

Ertragen für die Christenheit.

Keiner war davor gefeit“.

Als Beweis hielt peu à peu,

Sie zehn Bilder in die Höh.

Diese, weiß Gott kein Zimmerschmuck,

Hatte sie als Vorabdruck

Von Aristoquakes einst bekommen

Und in den Olymp sich mitgenommen.

„Schaut her“ sprach sie, „was Maler Bosch

In Holland machte mit dem Frosch.

Er malte ihn als Flugdämon

In sein Antonius-Triptychon.

Der heilige, der darauf liegt,

Betend durch die Lüfte fliegt.

Wohin geht der Dämonenflug?

So fragen wir mit Recht und Fug.

Hieronymus Bosch könnte uns sagen

Wohin der Frosch den Heiligen getragen.

Im Rückenflug, ganz offenbar,

Es Luftpiraterie schon war.

Der erste Fall auf unsrer Welt,

Von Bosch aus Brabant dargestellt.

Oder war der Frosch ein Geist?

Wie es bei Athanasius heißt,

Der den betenden nach oben,

In den Olympus hat gehoben,

Auf jene sonderbare Art,

Die ähnelt einer Himmelfahrt?

Lassen wir die Frage offen.

Wenden innerlich betroffen

Wir interessiert in aller Ruh,

Uns dem nächsten Bosch-Bild zu.

Mit dem Satan haben nun,

Wir offensichtlich es zu tun.

Er steht mitten im Höllenschlund.

Das Feuer brennt im Höllenhund.

Das Tor zum Höllenfürst-Quartier

Ist verziert mit Froschgetier,

Das den Teufel drinnen preist

Uns den Weg zur Hölle weist.

Es gäbe vieles noch vom Frosch,

Zu sehen beim alten Maler Bosch.

Hundert Frösche in drei Stunden,

Hab ich in Bosch-Bänden gefunden

Als ich bei Aristoquakes war.

Der legt in seinem Buche dar

Weshalb Kröte, Unke , Frosch

Im Mittelalter auch von Bosch,

Wurden dargestellt als Höllentier“.

„Schaut her“ rief Hera“, „seht mal hier.

So hat den grünen seinerzeit

Dargestellt die Christenheit.

Der Frosch ließ sich für Höllenszenen

Im Sinne der Kirche gut entlehnen.

Die Päpste gaben dazu ihren Segen,

Denn das passte gut in ihr Konzept

Die Gottesnatur zu widerlegen.

Die Lurche so gehandicapt,

Litten sehr nachdem in Rom

Das Johanneswort ward zum Axiom

Für den Satan festgeschrieben.

Doch ist der Frosch stets das geblieben,

Was er von Anfang an gewesen

Ein grünes Tier und Gottes Wesen“.

Hera sprach zum Götterkreise:

„Nach christlicher Betrachtungsweise,

So wie es in der Bibel steht,

Spuckt ein Drache als Prophet,

Wie Johannes es verheißt,

Den Frosch aus als Dämonengeist.

(siehe Joh. Offb. 16/13)

Dieser Apokalypse-Spruch

Aus dem Offenbarungsbuch“,

Sprach Hera, „war des Grünen Grab.

Die Lutherbibel im Detail,

Zeigt einen Holzschnitt abgedruckt,

Auf dem der Papst gerade zwei

Frösche durch die Gegend spuckt.

Von da an ging’s mit ihm bergab.

Später dann im Hexenwahn,

Nahmen die dem Frosch sich an,

Und kochten, ach es war ein Graus,

Zauber-und Flugsalben daraus.

So ist es nicht verwunderlich,

Dass auf manchem alten Stich,

Der Frosch wurd in der Hexenwelt

Als Zubehör oft dargestellt.

Im Wettlauf der Jahre mit der Zeit,

Wurd Sinnbild er für Schlechtigkeit.

Den Malern war die grüne Haut,

Für Lasterhaftigkeit vertraut.

So wurde aus dem schönen Frosch

Ein Satansdämon wie bei Bosch.

Von allen Großen auf der Welt

Wurde er negativ nur dargestellt.

Der Zeitgeist war der Bildgestalter,

Besonders einst im Mittelalter.

Volksglaube und Frömmigkeit

War schlimm vermengt in jener Zeit.

Mystik, Orakel, Alchemie,

Sterndeuterei, Allegorie,

Höllenfurcht, Quacksalberei,

Spottlust, Schmähsucht, Gaunerei,

Hemmungslose Sinneslust,

Zweifel schier in jeder Brust,

Seher und Hexen überall,

Traumdeutung durchs Glaskristall,

Dogmatismus , Blasphemie,

Ketzerei und Häresie.

Grausamkeit und Angst ums Brot,

Krankheit, Kriege, Seuchen, Not,

Symbolismus, Zauberei;

Das war jener Farbenbrei,

Mit Glaub‘ und Aberglaub‘ vermischt,

Der dem Volk wurd aufgetischt.

Alle klerikal gefärbten Kräfte,

Ihrer Umwelt haben sich

Entladen wohl beim Malgeschäfte,

Damals mit jedem Pinselstrich.

Geiz, Unzucht, Stolz und Völlerei,

Immer war der Frosch dabei“.

Hera nun geflissentlich,

Zeigte einen Breughel-Stich

Und sprach zu allen: „Wie ihr seht,

Dem Geizhals es gar schlecht ergeht.

Für seinen Geiz muss er nun sühnen,

Gemartert arg von einem Grünen.

Frösche galten als verrucht.

Sogar Antonius wurd‘ versucht

Vom Satan in einer grünen Haut.

Der Frosch, so scheint es, quakte laut,

Zum heiligen Manne vorwurfsvoll,

Dass der statt beten sündigen soll.

Beispiele, wie dieses hier,

In dem der Frosch als Teufelstier

Von F. Francken wurd ins Bild gesetzt,

Gibt es hunderte. Als nächstes jetzt

Zeige ich euch `was obszönes,

Und nicht gerad besonders Schönes“.

Hera, als sie sprach, wurd rot.

„Die Kunst des Mittelalters bot,

Seht selbst, manch Schweinerei“.

Die Götter fanden nichts dabei.

„Na und, ein Frosch, der onaniert“,

Sprach Zeus „und wie es scheint probiert,

Dem Totenkopf fürs neue Leben

Sich als Spender hinzugeben.

Das kannten die Ägypter schon.

Und denkt daran, mein eigner Sohn

Ist vertraut mit solchen Dingen.

Sich als Spender einzubringen,

Bot er einst im Liebeswahn

Sogar der eignen Schwester an.

Artemis hat es selbst erzählt.

Und außerdem, wem’s nicht gefällt,

Der braucht es ja nicht anzuschauen.

Doch Hera, Liebste im Vertrauen,

Ich glaub beinah, du musst nicht lügen,

Dass du es anschaust mit Vergnügen

Und insgeheim findest ganz gut,

Was der Frosch im Bilde tut“.

Die Götter grinsten, Hera nicht.

Sie warf dem Gatten, dem Filou,

Nur einen Blick des Zornes zu

Und dann fuhr sie weiter im Bericht.

„Selbst heute“ so spannte sie den Bogen,

„Gibt es dort unten Demagogen,

Die den Frosch mit Hinterlist,

Darstellen als Antichrist.

H. Bosch‘s Bilder in der Tat

Gelten fürwahr als Teufelssaat,

Welche, wenn man es untersucht,

Trägt heutzutage wieder Frucht.

Dies Bild von Escher, im Detail“,

Sie hielt es zum Betrachten hoch,

„Sieht aus als ob von Bosch es sei.

Wie lange wird den Frosch man noch

Weiter so schändlich diffamieren

Und als Satan titulieren“?

Die Götter schwiegen, wussten wohl

Dass Krott und Frosch als Kunstsymbol,

Dank ihrem Pubertätsgehaben,

Noch lange Zeit zu dienen haben.

Doch andererseits wussten sie auch

Von dem andern Künstlerbrauch.

Hera fuhr fort: „In unsrer Zeit

Ist mancher Maler noch bereit

Den Frosch als Auferstehungstier

Zu malen. Doch wir alle hier

Wissen die sind nicht ganz dicht.

Oder aber nicht???

Das ist hier die Frage,

Die sich stellt in unsrer Lage“!!!

„Wie dem auch sei; ich geb‘ dir Recht“

Sprach Zeus, „dem Nacktfrosch geht es schlecht!

Seit der Papst im Römerreich

Setzte ihn dem Satan gleich,

Leidet das stolze hübsche Tier

Überall sonst, nur nicht hier“!

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wird fortgesetzt

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Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.