Dienstag, 5. Juli 2011

Machwerk R.W. Aristoquakes

Teil 8 – 17

Die heroische Schlacht 3. Tag

-Auf jedem Schiff / In jedem Stab-


ört beide

zu, ihr könnt uns mal“

Quakte da der Admiral.

Er war schon ziemlich angetrunken

Und hat den beiden zugewunken.

Er drückte, weil er stur sie fand

Beiden `ne Buddel in die Hand

Und sprach: „Nun gebt euch einen Ruck“!

Und trinkt erst mal `nen Schluck.

Die beiden waren ganz perplex.

Da befahl der andre „ex“.

Die Mannschaft grölte laut ringsum.

„Verschluckt euch nicht; das bisschen Rum“,

Sprach Weitegosch zum Kameraden,

„Wird dir und dem IO nicht schaden“.

Während die zwei den Rum genossen

Sang der Admiral entschlossen,

Die beiden waren nun ganz Ohr,

Bereits die nächsten Strophen vor.

„In jedem Stab es alle wissen,

Dass man nicht ruht im Stempelkissen“.

„In jedem Stab kommt es mal vor,

Dass einer schießt ein Eigentor“.

„In jedem Stab plant man recht gut

Wann man Urlaub machen tut“.

„In jedem Stab, so ist es Brauch,

Tönt’s mittags Mahlzeit, Mahlzeit auch“.

„In jedem Stab hat einer Mucken,

Da kann man nur die Schultern zucken“.

„In jedem Stab im Anseh’n steigt

Wer andern seine Arbeit zeigt“.

„In jedem Stab jammert zum Schein

Grad der, der müsst zufrieden sein“.

„In jedem Stab steht auf `nem Plan

Wer ist mit Kaffee kochen dran“.

„In jedem Stab gilt’s sich zu fügen

Und mit den Wölfen schön zu lügen“.

„In jedem Stab, oft trügt der Schein,

Wer wach aussieht kann müde sein“.

Es war einfach fabelhaft;

Wieder hatte er’s geschafft,

Der Admiral beim Shantysingen

Sein Wissen an den Mann zu bringen.

Die Mannschaft in dulci jubilo

Quakte „Hurra“ fortissimo

Und der Ausguck in der Rah

Sang froh das Fidiquaquaqua.

Danach der gute Weitegosch

Sprach zum IO „Nun sei kein Frosch,

Sing auch du dem Mannschafts-Korps

Ein paar lustige Verse vor.

Sei ein Mann und zier dich nicht“.

Darauf der Erste Offizier,

Mit schiefem Grinsen im Gesicht

Nahm einen Schluck vom Elixier

Von dem er noch `nen kleinen Rest

Übrig hatte. „Welch ein Fest“

Lachte er. Dann ging es los.

Er war als Sänger grandios!

Sein erster Vers zeigte gleich an

Er war ein echter Fahrensmann.

„Auf jedem Schiff dort an der Kimm

Hat einer Heimweh und zwar schlimm“.

„Auf jedem Schiff, das ist bekannt,

Der Boss wird Kapitän genannt“.

Auf jedem Schiff, selbst wenn es schlingert,

Gibt’s einen der im Kochtopf fingert“.

„Auf jedem Schiff das Sonnenlicht

Scheint nur an Deck, darunter nicht“.

„Auf jedem Schiff hat einer Sinn

Für einen Song von Freddy Quinn“.

„Auf jedem Schiff blamiert ist man dann

Wenn man’s vormachen will und selbst nicht mehr kann“.

„Auf jedem Schiff erquickend und labend

Wirkt ein gegrölter Shanty am Heiligen Abend“.

„Auf jedem Schiff wo Arbeit ist Mode

Erledigt man sie mit der Machmal-Methode“.

„Auf jedem Schiff wird er gelitten,

Der Rum selbst wenn er ist verschnitten“.

„Auf jedem Schiff nebst Stürmen am Schwersten

Sind anhaltende Flauten schon kurz nach dem Ersten“.

„Auf jedem Schiff hält einer Rast

Gemütlich in der Wäschelast“.

„Auf jedem Schiff, mal kurz, mal lang,

Was aufwärts führt heißt Niedergang“.

„Auf jedem Schiff in jeder Kiste

Liegt obenauf die Fehlteilliste“.

„Auf jedem Schiff des Fähnrichs Pelle

Ist drei Inch dick an dünnster Stelle“.

„Auf jedem Schiff vor Portland Bill

Gibt’s einen der nach Hause will“.

„Auf jedem Schiff wird abgelöst

Der Posten wenn er zu tief döst“.

„Auf jedem Schiff den größten Reiz

Haben die Messen ihrerseits“.

„Auf jedem Schiff nach happy hour

Liegt die ganze Crew in Sauer“.

„Auf jedem Schiff da lernt man schnell

Das Wichtigste, das Zeremoniell“.

„Auf jedem Schiff das Wundervolle

Ist nachts um drei `ne Bergerolle“.

Zwanzig Strophen hatte en gros

Gesungen fröhlich der IO.

„Fünftausend wüsste ich sicher noch“

Fügte er an, Weitgosch jedoch,

Der Quakiral vom Planungsstabe

Sang selbst bereits. Der grüne Knabe

Inmitten all der Frösche stand.

Obwohl er voll war bis zum Rand

Und total mit Rum war abgefüllt,

Hat munter weiter er gebrüllt.

Er war beim Dichten wie von Sinnen;

Er wollte den Singwettstreit gewinnen.

Doch sah man’s an ihm, mehr und mehr,

Fiel ihm das Formulieren schwer.

Zu singen hieß die Fleißaufgabe;

So lallte weiter er vom Stabe

Was er dort in all den Jahren

Hatte am eignen Leib erfahren.

„In jedem Stab hat‘s der nicht leicht

Der niemals Kuchen hat gereicht“.

„In jedem Stab am Tee sich labend

Denkt jeder schon an Feierabend“.

„In jedem Stab kennt man das Streben

Zum nächsten Rang, dem Ziel im Leben“.

„In jedem Stab zur Kaffeestunde

Trifft man sich in trauter Runde“.

„In jedem Stab ganz unerschüttert

Wird mit Papier der Wolf gefüttert“.

„In jedem Stab so dann und wann

Führt einer vor was er nicht kann“.

„In jedem Stab was man dort treibt

Der Flotte ein Geheimnis bleibt“.

„In jedem Stab gar emsiglich

Bringt man das Nichtstun hinter sich“.

„In jedem Stab manche Statistik

Wird erstellt gar hinterlistig“.

„In jedem Stab läuft wie geschmiert

Was von oben wird diktiert“.

Zehn Strophen hatte er gesungen.

Es hat zwar nicht mehr schön geklungen

Doch der Admiral gar heiter

Sang beschwipst und fröhlich weiter.

Um ihn herum der Frösche Chor

Blickte zum Vorsänger empor

Und nach jedem Stabsdienst-Sang

Der Refrain sofort erklang.

Gar lustig als Stimulantia,

Gegrölt das Fidiquaquaqua.

So wollte es das Ritual

Nach jeder Strophe stets dreimal.

Und danach ging es vor Ort

An Deck des Kriegsschiffs weiter fort.

„In jedem Stab gilt es als Soll,

Papierkorb täglich einmal voll“.

„In jedem Stab gar wohl bedacht

Man zehnmal täglich fofftein macht“.

„In jedem Stab beim Militär

Ist Radfahren höchst populär“.

„In keinem Stab bei der Marine

Macht jemand Dienst nach Bordroutine“.

„In jedem Stab schweigt einer still

Weil er nichts Falsches sagen will“.

„In jedem Stabe es genügt

Wenn man die Arbeit recht verfügt“.

„In jedem Stab genießt sein Leben

Wer Pause macht wenn andre streben“.

„In jedem Stab als Terrorist

Gilt der, der sagt was Stabsdienst ist“.

„In jedem Stab die Frustration

Wird abgebaut per Telefon“.

„In jedem Stab zwecks Pünktlichkeit

Geht man nach Haus schon vor der Zeit“.

„In jedem Stab kommt es mal vor,

Dass man Gerüchten leiht sein Ohr“.

„In jedem Stab in aller Stille

Senkt sich mach Lid hinter der Brille“.

„In jedem Stab es sich gebührt

Dass kräftig man Karriere rührt“.

„In jedem Stab wo einer schuftet

Der andre nach Lavendel duftet“.

„In jedem Stab zweimal im Jahr

Stahlhelm auf und Maske klar“.

„In jedem Stab erträgt man still,

Bescheiden was man ändern will“.

„In jedem Stab der Teilstreitkraft

Ist jemand der sich Freizeit schafft“.

„In jedem Stab am Rechtschreibstil

Erkennt man des Stabsdienstlers Profil“.

„In jedem Stab zum guten Ton

Gehört ein bisschen Diskussion“.

„In jedem Stab wer sitzt und schweigt

Der macht die beste Stabsarbeit“.

„In jedem Stab den besten Posten

Hat wer bekommt die Reisekosten“.

„In jedem Stab, das lernt man beizeiten,

Die Arbeit ist kurz bei Leuten die gleiten“.

„In jedem Stab, wenn keiner dort

Dann ist der Stab gerad beim Sport“.

Über zwanzig Songs am Stücke!

Der Quakiral im Sängerglücke

Konnte kaum ein Ende finden.

Beim nächsten Vers musst‘ er sich schinden;

Zum letzten Worte insgeheim

Fand und fand er keinen Reim.

Er kam nicht drauf, die Schuld lag wohl

Irgendwie am Alkohol

Welchem er ununterbrochen,

Hatte beim Singen zugesprochen.

Er konzentrierte sich! „Wie dumm“

Sprach er, dann fiel er um!

Die Mannschaft grölte: „Quakiral,

Komm hoch, mach weiter, sing nochmal“.

Doch der lag flach, es gab kein Hoffen;

Zum Singen war er zu besoffen!

Der Quakitän, nun unter Druck,

Trank nachdenklich noch einen Schluck!

„Ich springe ein“, sprach er loyal,

„Für meinen Freund den Quakiral.

Ich trage nun, ich hab grad Bock,

Dreimal am Stück, jeweils ein Schock,

Obgleich es nicht ist mein Ressort,

Euch hundertachtzig Shanties vor“.

Und dann begann er vorzusingen.

Er wollt die Meisterschaft erringen,

Deshalb war im Sängerstreit

Er zum Äußersten bereit.

Ein jeder Spruch, ein jeder Satz,

Stammte aus dem Erfahrungsschatz

Welchen er in all den Jahren

Auf seinem Schiff hat eingefahren

Und welche er beim Stab gesammelt,

Wo er auch hat rumgegammelt.

Doch im ersten Teil spontan,

Fing er mit der Bordzeit an:

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wird fortgesetzt

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Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.