Dienstag, 29. November 2011

Machwerk R.W. Aristoquakes

Teil 8 – 69

Missglückter Brückenschlag


ährend

Troxartes der Mäusekönig noch

Fern der Front, im königlichen Loch

Sich mit der Generalität beriet,

Lag verschanzt im Grenzgebiet

Zu König Pausbacks Königsreich

Das Mäuseheer am Froschreichdeich

Gestoppt im Vormarsch durch die See

Die hinter diesem Walle lag.

Der Führer der dritten Mausarmee

Generalfeldmarschall von Nagezag

War mit seinem Kriegslatein

Am Ende. Ihm fiel nichts mehr ein.

„Ohne die Marine kommen wir

Das steht fest, nicht weiter hier“

Gab er mit verkniff‘nem Mund

Seinen Einheitsführern kund.

„Hätten das Schwimmen wir beizeiten

Gelernt auch nebst dem Grabenkrieg

Dann gäb‘ es keine Schwierigkeiten

Doch so wird schwer für uns der Sieg“.

Entmutigt und jeder Hoffnung bar

Warf den Marschallstab er lapidar

Indem er schrie „ich kann nicht mehr“

Ins Wasser und sprang hinterher.

Die ganze Mausarmee sah zu

Wie er unterging im Nu.

Es hat Sekunden nur gedauert.

Keiner hat ihm nachgetrauert.

„Um die Frosch-Armee zu schlagen

Sollten wir `nen Angriff wagen“

Schlug Potz Ratz vom dritten Korps

Dem General von Brandmaus vor,

Der bevor ein andrer kam

Das Kommando übernahm.

„Es muss uns irgendwie gelingen

Auf Pausbacks Insel vorzudringen.

Dort liegt im See die Machtzentrale

Von wo die grünen Generale

Ihre Truppen dirigieren.

Wenn wir dort drüben einmarschieren

Um ihre Festung zu erstürmen,

Werden sie ins Wasser türmen

Und uns die Insel überlassen.

Wenn wir dabei den König fassen,

Haben wir das Unterpfand

Für den Sieg in unsrer Hand“.

Der General war angetan

Von Potz Ratzes Vorschlag: „Mach `nen Plan“

Befahl er, seine Augen glommen;

„Wie wir am besten rüber kommen.

Du weißt, wir können nicht gut schwimmen,

Und wie das Ufer wir erklimmen

Damit sie uns nicht bombardieren

Während wir an Land marschieren.

Ersinn uns eine Strategie

Die noch besser ist als die

Damals in der Normandie,

Als dem Gröfaz sie das Fürchten lehrten

Und seinem Tun ein End bescherten.

Denk nach dann findest du das Wie“.

Potz Ratz dacht nach; gleich fiel’s ihm ein.

„Ein Schilfhalm kann uns hilfreich sein.

Wenn wie ihn geschickt abnagen

Fällt er hinüber nach Froschhausen.

Er ist stabil, er wird uns tragen.

Wenn wir darauf hinübersausen

Und drüben gleich in Stellung gehen

Wird uns beim Landen nichts geschehen“.

Gesagt, getan, wie vorgeschlagen

Wurde der Angriff vorgetragen.

Nachdem der Brückenschlag gelang

Nahm alles den geplanten Gang.

Zug um Zug und Korps um Korps

Rückte die Armee nun vor.

Die Brücke hielt den Truppen stand.

Fuß um Fuß und Hand um Hand

Marschierten und hangelten die Recken

Sich nun vor am Schilfrohrstecken

Um drüben, schleichend dann wie Schemen

Pausbacks Insel einzunehmen

Und die Frösche zu verjagen

Oder sie all zu erschlagen.

Doch es sollte anders kommen

Als man es sich vorgenommen.

Als die achte Maus-Brigade

Auf der Brücke war gerade

Brach der Schilfhalm: Ach Herrje!

Die Mäuse stürzten in den See.

Zu tausenden sind sie ersoffen.

Der General zutiefst betroffen

Schrie zornig: „Adju, auf der Stell,

Schaff‘ Potz Ratz her zum Apell“.

Der Adju grinste breit und scheel

Und gab sogleich den Suchbefehl,

Innerlich gelöst und heiter

An zwei graue Landser weiter:

„Hört gut zu“ sprach er „ihr zwei;

Schafft Potz Ratz schleunigst herbei.

Der Alte möchte ihm etwas sagen

In Sachen Technik/Brückenschlagen.

Wenn ihr ihn habt, gebt mir Bericht!

Ich glaub er kommt vors Kriegsgericht“:

Während die beiden wie befohlen

Eilten den Offizier zu holen

Um ihn zum Apell zu bitten,

Hat manche Maus den Tod erlitten.

Die fünfte Mäuse-Division

War komplett ertrunken schon.

Von der vierten schwammen noch

Ein paar im See. Die Retter jedoch,

Obgleich sie gern geholfen hätten,

Konnten wenige nur retten.

Zu Tausenden die Kameraden

Stürzten ins Wasser und gingen baden.

Zu retten was zu retten war

Hieß die Parole: Nur ein paar

Wurden aus des Teiches Wogen

Lebend noch an Land gezogen.

Die andern hatten Pech; am Schluss

Blieb ihnen nur der Exitus.

Gut die Hälfte der Armee

Ist ersoffen so im See.

Noch niemals, das ist unbestritten,

Hatte Verluste man erlitten

So umfangreich wie dieses Mal.

Die Lage war katastrophal.

Nusskernschlemmer hatte Glück.

Vom Ufer noch entfernt ein Stück

Warf ihm, bevor er unterging,

Der Freund sein Mauseschwänzchen zu

Welches mit flinker Hand er fing.

„Oh mein Freund ich dank dir, du

Hast mich errettet aus der Not.

Ohn‘ dich wär ich jetzt mausetot.

Ohne dich trieb meine Leiche

Jetzt so im Unterwasserreiche

Wie die vom Prinzen Krümeldieb

Von Pausback ermordet kürzlich, trieb“.

„Poseidon wollte dich noch nicht“

Sprach mit lachendem Gesicht

Mausolus und fügte an:

„Du weißt, das hab ich gern getan.

Du hast dort unten nichts verloren“.

„Meine Seele würde schon im Hades schmoren“

Sprach darauf die nasse Maus

Und spuckte all das Wasser aus

Welches in sie, ohn‘ es zu saufen,

War einfach so hineingelaufen.

Dann schüttelte sie kurz und schnell

Wie ein nasser Hund ihr Fell

Indem erschöpft zum Freund sie sprach:

„Ersaufen ist ein Ungemach

Das nicht weh tut. Solch ein Tod

Ist angenehm und recht kommod“.

Und dann mit neuem Lebensmut

Fuhr sie fort: „Nicht einmal Blut

Fließt wenn man langsam aber stet

Absäuft und zu Grunde geht.

Obgleich mein Leben war bedroht

Und ich in allergrößter Not

Während des Ertrinkens war

Hatte Reiz auch die Gefahr

Dass man dabei zu Tod könnt kommen.

Was man empfindet transzendent,

Sterbend im nassen Element“,

Fuhr sie fort noch halb benommen,

„Ist, obgleich es ein Problem,

Irgendwie ganz angenehm.

Was ich erlebte; stell dir vor“,

So sprach sie weiter mit Humor:

„Im Sterbenskampf, dem Tode nah,

Mein Leben ich noch einmal sah.

Gleich einem vertonten Bilderbogen

Ist es an mir vorbeigezogen.

Alles, so als könnt ich‘s greifen

Enthielt im Schnelldurchlauf der Streifen.

Meine liebe Frau Mama

Und den seel’gen Herrn Papa,

Die Geschwister, Freunde alle

Meine Lieben waren da.

Auch die graus’ge Mausefalle

Die mich erschlagen hätt beinah,

Dieses Eisengitterding

Mit dem das Manntier mich einst fing

Sah ich detailgetreu vor mir.

Sogar der Speck, ich sag es dir,

Lag noch darin; ich weiß es noch

Genau wie lecker dieser roch.

Und noch manch and’re Episode

Aus meiner Sturm-und Drangperiode

Durfte ich gerade eben

Im Wasser noch einmal erleben.

Was mein geistiges Auge sah

Sah es, als ob es just geschah.

Die Schulzeit, ach wie war sie lang.

Zum Traualtar der schwere Gang.

Der erste Tag beim Militär.

Mir war‘s als ob es heute wär;

Die Kindheit, die Jugend, Mausi gar

Die meine erste Liebe war,

Zogen, als wären sie real

Alle an mir vorbei nochmal.

Die Kinder und auch meine Frau

Sah ich vor mir haargenau.

Sie beweinten allerseits

Meinen frühen Tod bereits.

Ach was haben sie geflennt.

Ich sah wie sie mein Grab bereiten

Und tags darauf um‘s Erbe streiten.

Zum Schluss, ich sah bereits das End‘,

Erschien ein Bild; das ging mir nah

Und an die Nieren. Was ich sah.

Im Nachhinein wird mir nun klar,

Dass es wohl ein Trugbild war!

Ich stand im Hades vor dem Throne.

Auf Ihm nebst Hades Persephone.

Sie fragte mich weshalb ich käme

Und woher ich denn die Frechheit nähme

Nach einen Freiplatz dort zu fragen.

„Ins Elysium willst Du? Nein, nein,

Da kommt `ne Maus wie du nicht rein.

Nur wahre Helden haben dort

Zugang“ und dann fuhr sie fort:

"Die homerischen Heroen

Würden mit Kündigung uns drohen.

Sie wollen so ein Milchgesicht

Wie dich in ihrer Nähe nicht"!

"Sag uns wie viele in der Schlacht

Du am Teich hast umgebracht“

Wollte darauf dienstbeflissen

Des Herrschers Göttergattin wissen.

„Wer hundert hat und mehr erschlagen

Der kann mal nach `nem Platz anfragen.

Doch Feiglinge welche beim Baden

Ersoffen sind, sind nicht geladen.

Schließlich ist das Elysium

Gedacht für Helden, die sich Ruhm

Im Krieg durch Tapferkeit erwarben

Und für ihre Völker kämpfend starben.

Du scheinst mir bist ein Tunichtgut.

Nicht einen einzigen Tropen Blut

Hast du verloren in der Schlacht.

Du hast dich wohl stets dünn gemacht.

Dir fehlt kein Bein, dein Fell ist heil;

Dein Schwanz sitzt fest am Hinterteil;

Auch von deinen beiden Ohren

Hast du kein einziges verloren;

Weder Brandfleck, Schramme oder Wunde;

Nur Wasser das aus deinem Munde

Herausströmt wie aus einer Quelle;

Du warst im Krieg wohl allzu helle

Und hast dich vorm Kampfe stets gedrückt.

Bei Zeus, ich wäre ja verrückt

Würde ich Einlass dir gewähren

Dir Nichtsnutz ins Elysium.

Man muss sich erst im Krieg bewähren

Bevor man das Refugium

Der unsterblichen Helden dann

Hier in Anspruch nehmen kann.

Du solltest dich was schämen;

Wenn wir hier unten alle nähmen

Die wie du im Krieg gerissen

Vor dem Töten sich verpissen,

Dann wär’s hier in der Unterwelt

Wahrlich schlecht um uns bestellt“.

Und dann folgte noch ein Satz

Der mir den Rest gegeben hat.

„Für Feiglinge ist hier kein Platz“!

„Der Hades ist der rechte Ort

Für dich“ fuhr grinsend dann ihr Gatte fort,

„Und nicht das sonnendurchstrahlte Elysium“!

Persephone lachte: „Ebend’rum,

Dort kannst du vor den Toren

Zum Jenseits erst mal schmoren.

Vielleicht am Ende aller Zeit

Vor dem Beginn der Ewigkeit….“

„Mein lieber Mann“, sprach Mausolus,

Und unterbrach den Redefluss

Des Freundes kurz. „In Anbetracht

Dessen was du hast durchgemacht,

Kannst du froh sein, dass du hier

Auf Erden wieder bist bei mir

Und in den Krieg, wenn es gediehen

Kannst gesund du wieder ziehen“!

Nusskernschlemmer im Bericht

Fuhr weiter fort. „Du glaubst es nicht“

Sprach er, „was ich dem Tode nah,

Im Wasser paddelnd weiter sah:

Die Helden der Ilias saßen,

Freund und Feinde gleichermaßen,

Drüben im Elysium

Allesamt bei Homer herum.

Der stand erhöht in ihrer Mitte

Und sprach: „Hier unten ist es Sitte,

Dass die Götter wir lobpreisen

Und singend ihnen Ehr erweisen.

Dann stimmte er das Lied der Lieder

Leise an. Mir war‘s zuwider.

Was mir da zu Ohren kam

Mir die Lust am Sterben nahm.

(Lied der Lieder: AT „Das Hohelied“)

Die Heroen stimmten ein.

Achäer mit Trojanern im Verein,

Vom blinden Dichter dirigiert

Grölten los. Schlecht motiviert

Hat was sie im Chor gesungen

Nicht grad angenehm geklungen.

Ich hab den Sängern zugehört.

Der Missklang hat mich zwar gestört

Doch war, was da so ist geschehen

Für mich gar lustig anzusehen.

Achill und Hektor sah ich drüben

Friedlich im Zwiegesange üben.

Aias, die beiden zu begleiten

Schlug die Kihara, dass die Saiten

Statt zu klingen grässlich jaulten

Und den Sängern der Gesang vergraulten.

Auch Agamemnon sang gar fröhlich mit.

Im Terzette nun zu dritt

Klang es etwas besser schon.

Als Herakles, des Obergottes Sohn,

Seinen Bass erschallen ließ

Und die Götter lauthals pries,

Der heroische Quartett-Gesang

Etwas melodischer noch klang.

Aineias erst, dann Atenor,

Beide Stimmlage Tenor,

Fielen ein und ei der Daus,

So langsam wurd‘ ein Lied daraus.

Diomedes, Peleus, Odysseus,

Aiakos der Sohn von Zeus,

Helenos und Archelaos

Patroklos und Menelaos;

Alexandros und sogar

Nestor der schon älter war,

Brachte seine schlecht geölte

Stimme ein indem er grölte

„Hallelujah, yea yeah, Heureka“

Und dem zugehörigen Tralala,

Welches die Götter so gern hören

Ohn‘ dass sie sich am Klange stören.

Kalchos ein Seher der Achäer

Und Dolon der Trojaner-Späher

Saßen Seit an Seit und sangen“.

„Da ist das Sterben mir vergangen“

Lachte Nusskernschlemmer heiter

Und fuhr grinsend zu erzählen weiter.

„Die Heroen nun im Reigen,

Um den Göttern aufzuzeigen

Dass sie alle eben diesen

Ehre und Respekt erwiesen,

Stimmten sich so langsam ein.

Mancher im Gesangverein,

Wie der alte Priamos

Hatte als Sänger nicht viel los.

Er gehörte zu jenen stummen

Künstlern die nur leise Summen

Aber durch schmetternd falsches Singen

Sich lauthals beim Refrain einbringen.

So manches Fidiralala

Hatte die Charakteristika

Als würde es jemand verhöhnen.

Ein Gesang zum Abgewöhnen!

Selbst Orpheus in der Unterwelt

Hat sich zum Jubeln eigestellt.

Er schmetterte voll Emotion

So lauthals schön im Bariton,

Dass Antilochos als Heldentenor

Die Lust am Singen schier verlor.

Auch Demokoon und Atenor

Sangen mit im Helden-Chor.

Der Myrmidonen tapf’re Schar

Im Sängerkreis willkommen war.

Sie sangen zwar nicht schön doch laut.

Ich hab den Helden zugeschaut.

Es war, das muss ich eingesteh’n,

Vom Hades aus schön anzuseh’n

Wie sie all im Elysium hockten

Die Heroen und frohlockten.

Ach was war das für ein Tirilieren

Schmettern, Jodeln, Psalmodieren;

Das alles konnte ich grad eben

Halb im Jenseits schon, erleben.

Wie’s weiter ging, das weißt du ja.

Als ich was Graues vor mir sah

Griff ich verzweifelt sofort zu.

Am andern Ende standest du

Und zogst an Deinem Schwanz per Hand

Aufs Trock‘ne mich zu dir an Land“.

Mausolus hat nur gelacht:

„Ich hab schon manches durchgemacht;

Auch ich wär einst bald mal ersoffen.

Homer habe ich nicht getroffen

Und auch all die Helden nicht

Welche er in der Iliade

Beschrieben hat im Kriegsbericht“!

„Da hattest Pech du; schade“

Hat Nusskernschlemmer unverzagt

Mit nassem Fell darauf gesagt.

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Wie die Sache weitergeht

In der nächsten Folge steht

wird fortgesetzt

Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als fünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 10.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.