Mittwoch, 6. Februar 2013

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 13-13
- 7. Kriegstag -
-  Keckpätts Zorn  -

Die Frösche nun in ihrer Not,
Vom Kriege und der Pest bedroht,
Wussten nicht mehr ein noch aus.
Troxartes, die gemeine Maus,
Hielt sich nicht ans Völkerrecht.
Selbst dem König ging es schlecht.
Auch er wurde ganz plötzlich krank.
Er hat im Fieber bös gezuckt.
Dann hat er Aspirin geschluckt.
Er überlebte, Gott sei Dank.
Und auch der Narr, von Pausbacks Gnaden,
Behielt von der Krankheit keinen Schaden.
Physignatus, nun war es ihm egal,
Ernannte ihn zum General
Und übergab ihm alle Macht.
"Du musst gewinnen heut die Schlacht"
Hat den Thor er eingeschworen,
"Dann ist der Krieg noch nicht verloren!"

Der Narr, dem König treu ergeben
Und dankbar über so viel Ehr,
Sprach: "Nun wirst du gleich etwas erleben"
Zum Adju: "Bring mir Keckpätt her!"

Der Adjutant, wie ihm befohlen
Hüpfte los, den Frosch zu holen.
Der saß am Seeufer gar still,
So störrisch wie dereinst Achill

Und sah im Geiste innerlich,
Den tapfren Pädde grad vor sich,
Der tags zuvor erst in der Schlacht
Ward von dem Mäusen umgebracht.
Er hörte dessen Stimme sagen:
"Was sich mit mir hat zugetragen
Ist ganz normal für einen kecken
Tapferen, ehrenhaften Recken.
Auch du musst sterben. Doch zuvor,
(In Andeutung Ilias 23/69-104)
Bitt Gott Hades, dass das Tor
Er endlich unten öffnet mir.
Ich komm nicht rein. Ich warte hier
Und fliege nutzlos schon seit Stunden
Über dem Teiche meine Runden.
Ich fleh dich an, mein Freund bitt' du
Die Götter, dass sie gnädig sind
Und öffnen mir das Tor geschwind
Zum Hades zwecks der ew'gen Ruh."

Keckpätt wollte grad was sagen
Da hörte er 'ne Stimme fragen:
"Bist du jener, der Achilles gleich
Zu kämpfen versteht. Der unser Reich,
Weil er ist ein tapferer Mann,
Als einziger noch retten kann?"

Es war des Narren Adjutant
Welcher mit Worten höchst gewandt,
Wenn er so wie jetzt es musste,
Trefflich umzugehen wusste.
"Hör zu" sprach er zu Keckpätt weiter:
"Der Narr hat jetzt im Heer die Macht.
Er bittet dich, dass in der Schlacht
Du als der  tapferste der Streiter,
Neben ihm ins Feld nun ziehst.
Damit, wie er dich schätzt, du siehst,
Soll der Führer der Epheben,
Dieses Geschenk dir übergeben."


"Für einen Wurm und die drei Fliegen
Soll ich für ihn die Mäus besiegen"
Schimpfte Keckpätt da erbost.
"Der Narr ist wohl nicht ganz bei Trost.
Er will mich wohl beleidigen.
Ich soll das Reich verteidigen
Und für ihn als sein Tribun,
Die Drecksarbeit alleine tun.
Er bietet mir 'nen Hungerlohn
Damit ich dann für ihn in Fron
Die Schlacht so gut ich kann behände
Zu einem Sieg noch einmal wende.
Sag ihm: Ich kämpf für ihn im Heer.
Doch will ich dafür etwas mehr.
Nach einem Sieg möcht ich vom Reich
Das Lilienfeld unten am Teich
Sowie das Grundstück gegenüber.
Er soll nachdenken darüber
Und mit Pausback es besprechen.
Der soll für seinen Hochmut blechen.
Er hat mich gestern nach der Schlacht
Vor allen lächerlich gemacht
Und was zustand mir, genommen.
Sag ihm, ich werde dann nur kommen,
Wenn er mir Pieps, die süße Maus,
Die mir versprochen ward, rückt raus."

"OK" sprach da der Adjutant.
"Ich mach dem Narren es bekannt.
Pausback, der König wird zwar schmollen,
Doch wenn sie deine Kampfkraft wollen,
Wird man dir, was du in Ehren
Dir erbittest, nicht verwehren."

Wie besprochen, so getan.
Kurz darauf kam Pieps bei Keckpätt an.

Getragen von zwei Maus-Eunuchen,
Versorgt mit leckrem Käsekuchen,
Den die reisend hat verspeist,
War sie schnell herbeigereist.
Dass sie eine Prinzessin war
Ward auch den beiden Sklaven klar,
Die sie, die Sache war pikant,
Zu Keckpätt brachten höchst galant.

Der nahm die Liebste froh entgegen
Und küsste sie aus gutem Grund
Ganz zärtlich gleich auf ihren Mund.
Er sprach: "Ich muss des Krieges wegen
Noch einmal in die Schlacht hinaus.
Warte auf mich, mein Schatz zu Haus
Und mach dir keine Sorgen.
Ich vertrau dich deinen Trägern an.
Wir sehen nach der Schlacht uns dann
Nach unserm Siege morgen."

Doch es sollte anders kommen
Als er es sich vorgenommen.

Weil Pausback ihm die Mäusebraut
Zurückgab hat er ihm vertraut.
Er zog den Waffenrock spontan
Für seinen König wieder an.

Wohl gerüstet und verwegen
Trat er dem Feind erneut entgegen.
Das Buckelschwert in seiner Rechten
Glänzte im frühen Sonnenschein.
Am Helmbusche die langen echten
Rosshaare wirkten ungemein.
Die Beinschienen mit sieben Fliegen
Geschmiedet und verziert gediegen,
Zeigten, das war allen klar,
Dass er was besond'res war.
Der Brustpanzer, aus Zinn gemacht,
Mit Gold und Silber dick beschlagen,
Hatte in der Götterschlacht,
Der Schmied Hephaistos schon getragen
Als er gegen Skamandros
Sich zum Zweikampfe entschloss.
Der Achtschild war mit Bullenleder
Siebenfach bespannt: Ein Jeder
Konnt' sehen, dass Keckpätt der grüne
Kampferprobte tapfere Hüne
Im Kriege, das war allen klar,
Vom Feind nicht zu besiegen war.
Zwei Lanzen dick wie Hopfenstangen
Hielt er in der Linken. Unbefangen
Und zum Streite fest entschlossen
Stand er da, ganz unverdrossen.
"Zeigt mir die Mäuse" schrie er laut.
Das hat die andern aufgebaut
Die zaghaft alle von Natur
Und eingeschüchtert bislang nur
Hatten passiv am Kriege teilgenommen.
"Hurra" schrie'n sie jetzt, "lasst sie kommen,
Wir werden keinen Kampf mehr scheuen
Und ihnen die Felle so verbläuen
Dass sie sich selbst nicht mehr erkennen
Und uns danach nur Herren nennen.
Wir murksen sie ab mit starker Hand
Für Pausback und das Vaterland."

So zogen sie ins Feld hinaus.
Keckpätt der Heros schritt voraus.
Der Narr an seiner Seite
Sprach leis' zu ihm: "Im Streite,
Darum möcht ich bitten dich,
Gib ein bisschen Acht auf mich,
Dass mir nichts passiert."

 Auch die Mäus sind losmarschiert
Aber in die Gegenrichtung.
Sie kamen auf verborg'nen Wegen
Von Mausulina her entgegen.
Sie taten es auf ihre Weise
Hinterhältig mehr und leise
Mit dem Ziele Schlachtfeldlichtung.

Während die Frösche lauthals sangen
Sind sie all gebückt gegangen.
Grau getarnt und gut gedeckt,
Rückten sie im Schilf versteckt,
Richtung Teich nach Froschheim vor.

Dort ritt just grad das Reiterkorps
Mit Huppus Grünbüschler voraus,

Im Galopp durchs Tor heraus.
Wie einst der Große Alexander
Saß der wackre Lurchenspross
Auf seinem grünen Kaltblutross.
Mit Pausbacks Namen auf dem Stander
Führte er die Reiterei
Ins Feld hinaus in langer Reih.

Hinter ihm, schon aufgesessen
Ritten zu viert jeweils die kessen

Ulanen auf ihren braunen Schindern.
Die Mausstecher alle kampfbereit
Ritten sie aus erneut zum Streit.
Dann folgten die weitaus geschwindern
Dragoner auf ihren Heißblutrossen.
Zum Sieg im Felde fest entschlossen
Machten sie sich selber Mut
Indem sie laut sangen. Es klang richtig gut.
Manch Kröte die am Wegesrand
Mit Tränen in den Augen stand,
Wünschte den Reitern schluchzend Glück.
"Ach wären sie doch schon zurück"
Hat eine Kröte ungefragt
Weinend zur Nachbarin gesagt.
Dann mit den andern im Verein
Stimmte in den Gesang sie ein
Welchen jede Kröte kannte
Die Soldatenfrau sich nannte.
(Text frei nach dem Soldatenlied "Die blauen Dragoner")

"Die grünen Dragoner sie reiten
Auf hurtigen Rossen durchs Moor.
Fanfaren sie begleiten,
Zum Abschied singt der Krötenchor.
Die quakenden Pferde sie stampfen,
Die Binsen, sie wiegen sich lind,
Die Fahnen an ihren Lanzen
Flattern bunt im Morgenwind.
Nach Mausulina hin sie reiten,
Um rechtzeitig noch dort zu sein
Um mit Troxartes sich zu streiten,
Der Sieg gehört ihnen allein."

***

wird fortgesetzt


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Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.