Mittwoch, 29. Mai 2013

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 19-35
- Bibelstunde im Himmel -

Moses berichtet

Nach Jochebed trat ihr Sohn
Moses schließlich in Aktion.

"Ich habe," sprach er, "kein Gedicht;
Doch möchte ich zu dem Bericht,
Den ihr sicher alle kennt
Weil im Alten Testament
Er unter meinem Namen Sieben
(Gemeint ist Exodus Sieben)
Steht noch heute aufgeschrieben,
Mit euer aller Einvernehmen,
Hier ganz kurz einmal Stellung nehmen.


Die ägyptischen Plagen

"Zu den zehn ägyptischen Plagen
Werd' ich die Wahrheit euch nun sagen.

Ganz so, wie wir's heute lesen
Ist es damals nicht gewesen.
Die ersten zwei Plagen im Bericht,
Da liegt das Bereschit daneben,
Glaubt es oder glaubt es nicht,
Hat es damals nicht gegeben."

"Die hat man," so hat er gerügt,
"Viel später, ich war lang schon tot,
Im Buche Exodus, Sefer Schemòt,
Aus jenen Gründen angefügt,
Die wir alle hier schon kennen..
Ich will sie trotzdem nochmals nennen.

Im Nilstromland zu meiner Zeit,
Saß Amun auf dem Götterthron,
Der, wie ihr sicherlich noch wisst,
Aus der Götteracht entstanden ist.

Mein Volk war damals nicht bereit,
Wir lebten dort in Fron,
Die ägyptische Lurchenbrut,
Gezeugt aus Frosch- und Schlangenblut,
Nebst Jahwe, dem wir so viel schulden,
Auf dem Gottesthron zu dulden.

Doch weil es nicht ins Dogma passte
Das sich mein Volk von Ihm verfasste,
Musste man den Frosch blamieren
Und samt der Schlange diskreditieren.
So dacht' man, könnt' man sie zusammen,
Vom Thron der Götter schnell verdammen.

Auf dass die zwei man schlecht dort macht,
Hat man sich Plagen ausgedacht
Und ließ die Frösche, Schlangen, Unken
Im Blut des Nilstroms untertunken.

Wie apokryphe Schriften es berichten,
Wollt' man die Froschgötter vernichten.
Nur noch im Nil durften sie bleiben.
(Exodus 8,5 Nur im Nil sollen sie erhalten bleiben)
So ließ man's in die Bibel schreiben.

Dem Pharao wollt man den Glauben
An seine eig'nen Götter rauben,
Sowie auch seiner Dienerschaft.
Doch das hat man nicht geschafft.

Die Froschgottheiten lebten dort
Noch gut zweitausend Jahre fort
Und wenn man will, dann heut sogar,
Sie sind inzwischen freilich rar,
Kann man sie in Kairo sehen
Wo sie heut im Museum stehen."


"Ihr seht," so hat Moses geendet,
"Auch unser Volk war arg verblendet
Wenn es um Gott Jahwe ging.

Weil auch ich an all dem hing
Was die Propheten prophezeiten
In den guten alten Zeiten,
Hab auch ich darauf gewartet
Dass es, wie es geschrieben steht
Endlich in Erfüllung geht.
Doch dann ist manches ausgeartet."


Doch glaubet mir, ich war es nicht
Der den Fröschen befahl zu rebellieren.
So wie es heut die Leute sagen.
Mir hat man das nie aufgetragen,
Denn ich wusste von den Tieren
Dass sie bei den guten alten
Ägyptern dort als Götter galten.


Und ich bin sicher, dass gelogen
Der Klerus auf den Frosch bezogen,
Im Buch der Bücher, nach mir hat.
Den Grund dafür, dass man das tat,
Hab ich vorhin euch schon gesagt.


Noch viele Jahrhunderte hindurch
Hat man am Nilstrome den Lurch,
Denn man fand ihn ehrenwert,
Als Schöpfergottheit dort verehrt.
Hätte das Tier das Volk geplagt
Hätten ihn die ziemlich frommen
Ägypter als Gott nicht mehr genommen.


Erst lange nach der Zeitenwende
Kam für den Froschgott dort das Ende.
Die Schuld, wie man hier sehen kann,
Hatten diejenigen daran,
Die ihm das Wasser abgegraben
Und den Frosch verteufelt haben
Weil er als Gott eine Gefahr
Für den Neuen Glauben war.

Zu diesen Worten ganz spontan
Fügte Moses Bilder an
Von so manchem alten Meister
Der damals lebte auf der Welt,
Der Frösche hat als Plagegeister,
Die Menschen töten, dargestellt."














 







Dann wandte er sich Jochebed zu.
"Die Schuld daran trägst du.
Hättest du mich angenommen
Und nicht im Nilstrom ausgesetzt,
Dann wäre anders es gekommen
Als es ist hier oben jetzt.


So hab ich all das mitgemacht
Was von Halbnomaden ausgedacht
Gott Jahwe übertrieben
Wurde zugeschrieben."

***

Die Seelen schwiegen all im Himmel.
Manche dacht, der hat 'nen Fimmel
Und übertreibt, so fühlten sie.
Wie einst am Berge Sinai,
Als ihn das Kalb, das sie gemacht,
So in Rage hat gebracht,
Dass er im Zorn drauf losgewettert
Die Gesetzestafeln hat zerschmettert,
Die ihm Jahwe gar gediegen
Hatte in Granit geschrieben.

"Der Alte Moses phantasiert"
So dachten allesamt pikiert,
Bis Aaron aufstand und gemach
Einen kurzen Nachsatz sprach:

"Die Sache stimmt in Jahwes Namen.
Wie Moses sagte war es, Amen."

Und weil die zwei sich einig waren
Bekamen sie auch ihren Klaren.


***

wird fortgesetzt

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Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.