Montag, 20. Januar 2014

Frosch und Kröte in der Kunst

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 23-66
Kunstexperten im Elysium
- Tomi Ungerer -
- Teil 2 -

Hingegen ein andrer, Antiphos,
Der tapfre Sohn des Thessalos,
Rief "Bravo" vor Begeisterung,
"Da wird man noch mal richtig jung"!

Doch um es den Fröschen gleichzutun
Fehlte auch ihm das Werkzeug nun.
Für den einst so schönen Zeitvertreib
Fehlte auch ihm der Unterleib
Und mit den Flügeln auf dem Rücken
Lässt sich schlecht ein Weib beglücken.

"Es ist wirklich ein Malheur;
Ohne das nötige Zubehör",
So dachte der Achäer nun.
"Kann man all das nicht mehr tun
Was die Frösche auf den Bildern
So durchtrieben uns hier schildern!"

Chrysèis, des Chryses Töchterlein,
Dachte an die schöne Zeit
Als dereinst beim Mondenschein
Achilles plötzlich zu ihr kam
Und sie für ihn, ohn' jede Scham,
Die schönen Beine machte breit.
Ach, sie konnt' ihn jetzt noch spüren,
Und griff sich heimlich voller Lust,
An ihre Seelen-Flügel-Brust.
Doch leider fehlte zum Verführen
Ihr unter ihrem Seelenkleide,
Nebst den Beinen auch die Scheide.

"Was die Frösche dort für Sachen
Auf den Online-Bildern machen,"
So hat vor Sehnsucht sie gedacht,
"Hätt' ich auch gern jetzt gemacht."


"Doch Fleischeslust und Liebesglück
Liegen schon so lang zurück,"
So dachte sie nicht grade heiter
In der leidigen Sache weiter
Und fühlte ausgebrannt und lehr
Sich und arg gedankenschwer.

"Den letzten Orgasmus, den ich hatte,"
So kam ihr's in Erinnerung,
Bereitete der nimmersatte,
Achäer Agamemnon mir
Vor dreitausendvierhundert Jahren.
So lange bin ich jetzt schon hier!"

Die andern Seelen indes staunten
Über die geilen gutgelaunten
Frösche in ihrem Sexualgebaren.


"Die Menschen" rief Hekabe laut
(In der Ilias ist Hekabe die Tochter des Dymas, König von
Prygien, Schwester des Asios, Gemahlin des Priamos, Mutter
 von neunzehn Söhnen, vor allem des Hektor)
Und hat es durchaus ernst gemeint,
"Haben sich so manches abgeschaut
Von den Fröschen, wie mir scheint.
Ich weiß das, denn mein lieber Gatte,
Mit dem ich neunzehn Söhne hatte,
Hat manche Nacht ganz unbeschwert,
Mich wie's die Grünen tun gelehrt."

Jene feierten, dem Manntier gleich
'Ne Orgie just am Online-Teich.
Zu zweit, zu dritt, im Krötenknoten;
Alles wurde dort geboten;
Alle Amplexus - Varianten
Die lustigen Gesellen kannten.
Alles wurde vorgeführt;
Auch jenes was sich nicht gebührt.

Eine besonders hübsche Grüne
Mimte die Hetäre Phryne
Indem sie sich graziös verneigte
Und ihre schönen Reize zeigte.

Manch Seele im Elysium
Fühlte plötzlich sich posthum
Aus dem Jenseits-Dasein jetzt,
In ihren Leib zurück versetzt.

Freilich was die Frösche trieben
Ist versagt ihr doch geblieben!


Kastor, Sohn des Zeus, Helenas Bruder,
Saß neben Baubo, jenem Luder
Das zu ihrer besten Zeit
Gerne die Beine machte breit.

Er grinste sie an indem er sprach:
"Schau, der Frosch macht es dir nach.
Wie Demèter du hast einst erfreut
Und sie zum Lachen hast gebracht,
So hat der Frosch es für uns heut,
Damit wir die Erinnerung
An das was einst war, halten jung,
Grad auf dem Online-Bild gemacht."

Die Baubo grinste Kastor an.
"Ja, das hab ich gern getan
Damals auf der Erde drunten
Für all die feinen, noblen Tunten
Die sich für was bessres hielten
Und deshalb mit sich selbst nur spielten.

Doch hier eine zum Lachen bringen
Würde mir nicht mehr heut gelingen,
Denn dort wo mein Spaßmacher einst saß
Ist nichts mehr da für Lust und Spaß;
Und auch nichts zum selber lieben
Ist erhalten mir geblieben.
Das schöne Ding, ich miss es sehr.
Ich hab nun nichts zum Spielen mehr."

"Doch wenn ich dich so recht beschau,"
Fuhr sie wie stets mit keckem Wort,
Nach ihrer Rückbesinnung fort,
"So geht es dir, wie mir genau.
Das Fleisch ist futsch. Die Libido
Die für uns das A und O
War in unserm Erdenleben,
Mussten in des Chefgott's Namen,
Als wir ins Elysium kamen,
Beim Pförtner vorn am Tor abgeben.
Keuschheit ist die erste Pflicht
In den heiligen Hallen hier.
Fleischeslüste gibt's hier nicht!
So wie mir geht es auch Dir
Und den meisten andern Seelen.
Weil uns die Organe fehlen
Die man bräucht' zum zum,
Geht nichts im Elysium!"

So schimpfte sie in derber Sprache,
"Mit der einst so schönsten Sache,"
So fügte sie spontan
In ihrem Zorne an,
"Ist es nun auch für uns zwei,
Für alle Ewigkeit vorbei!"

***
wird fortgesetzt

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Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.