Mittwoch, 17. Dezember 2014

Auf dem Schlachtfeld


Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 28 - 18
- 9. Kriegstag -
- Auf dem Schlachtfeld -

Auf dem Olympe unterdessen
Hat der alte Zeus gesessen
Und sah hinunter unter Bangen
Wie Grüne gegen Graue rangen.


Auch Achill hat er erkannt.
Und er sah die neuen Waffen.

"Hephaistos" schrie er wutentbrannt,
"Du musst 'ne Ägis mir beschaffen,
Mit der ich mich vor diesem Mann
Im Notfall selbst beschützen kann."


"Ich mach dir dazu einen Wagen"
Hörte Zeus den Bruder sagen.
"Das ist für mich ein Kinderspiel!
Damit bist du dann mobil
Und kannst, wenn ihn schnelle Rosse ziehen,
Und du ihnen gibst die Sporen,
Im Notfall vor Achilles fliehen
Und entkommen seinem Zorn,
Welchen er tief ausgeprägt,
In seinem Heldenherzen trägt
Seit du ihn hast von hier verbannt,
Weil er uns Frösche hat genannt."

***

Während der Schmied den Wagen machte
Zeus an die alten Zeiten dachte
Als er sich noch Kataibates nannte
Und weder Furcht noch Rücksicht kannte,
Und ohne Angst vor 'ner Blessur,
Mit seinem Blitz hinunterfuhr
Um den Sterblichen auf Erden,
Wenn aufmüpfig sie wollten werden,
Seinen Willen aufzuzwingen
Und sie zur Räson zu bringen.

Zeus Kataibates

***

Die Untergötter nebenan
Sah'n sich indes 'nen Striptease an.

Jambe, des Dysaules  Weib
Tanzte für sie zum Zeitvertreib.


So wie sie Demeter einst erfreute,
Tat sie es für die andern nun,
Wobei sie sich kein bisschen scheute,
Es möglichst breitbeinig zu tun.

***

Im Kriege unten, an der Front
Hat die Mausarmee gekonnt
Sich inzwischen neu formiert
Und ist zum Angriff aufmarschiert.

Dicht an dicht standen die Krieger
Der Mäuse nun in Übermacht
Und fühlten sich all schon als Sieger,
Ehe begonnen noch die Schlacht.

***

Da traten aus dem Binsenrohr
Sechs tapfre Froschhelden hervor.


Aias, Agamemnon, Partoklos,
Und Achilles. In der Schar
Von jenen sieben Helden die
Zeus nach ihrer Häresie,
Weil sie den Bogen überspannt,
Aus dem Elysium hatt' verbannt,
Fehlte nur Physignatos.

Der König, der auch Pausback hieß,
Ruhte indessen just zu Haus,
Während er die Freunde kämpfen ließ,
In seinem Bett vom Krieg sich aus.

***
"Wenn Sehbold, den wir arg vermissen,
(SehboldPausback bei Rollenhagen)
Wir im Palast besuchen wollen,"
Ließ Aias seine Freunde wissen,
"Müssen wir erst die Mäus' aufrollen,
Am besten von der Flanke her.
Von vorne scheint es mir zu schwer."

Wie eine Mauer, fest als Masse,
Stand die gegnerische Rasse
Vor ihnen kaum zehn Schritte weit,
Hoch gerüstet kampfbereit.




"Wir hauen" sprach Achill im Hasse,
Zu seinen tapfren kriegsbewährten
Untadeligen Kampfgefährten,
"Uns durch die Mäuse eine Gasse.
So kommen wir ganz schnell ans Ziel."

Patroklos grinste, "das wird Klasse,"
Und schnitt dazu eine Grimasse
Als wäre dies ein Kinderspiel.

***

Wie von Achilles vorgeschlagen,
Wurd der Angriff vorgetragen.


Mit den Waffen die sie trugen
Räumten sie die Mäus' im Streite
Vor sich tapfer all beiseite.
Die Gasse die sie dabei schlugen
War mit Leichen angefüllt.

"Vorwärts" hat Achill gebrüllt
Und bahnte einem Schnitter gleich,
Den Weg sich frei hinab zum Teich,
Dorthin wo am Schilfrohrrand
König Pausbacks Seeschloss stand.

Durch die geschlagne Schneise schritten,
Die Kameraden in der Mitten
Schnurstracks durch das Mäuseheer,
Hinter ihrem Freunde her.

Während der Pelide im Zorn,
Wie ein Sensenmann das Korn,
Die Mäuse all beiseite räumte,
Pausback in seinem Bette träumte,
Dass der Krieg, den er begonnen,
Just er hätte grad gewonnen.

***

So wie die Helden der Iliade
Aufmarschierten zur Parade,
Nachdem in Troja sie gesiegt,
Ließ Sehbold von den Untertanen
Sich durch ein Meer von Truppenfahnen
Auf des Volkes Schultern tragen.

Alle jubelten ihm zu:
"Heil großer König Pausback du!"


Er konnte vor Stolz kein Wörtchen sagen
Und hat träumend sich im Ruhm gewiegt.

Und er sah im Traum noch mehr!
Ein Denkmal welches ihm zur Ehr,
Wie einem großen Führer es gebührt,
Der sein Volk zum Sieg geführt,
Am Teichufer gar wunderbar,
Aus Marmorstein errichtet war.


Sein Konterfei, in Öl gemalt,
Hing im ganzen großen Land
In jeden Froschprivathaushalt,
In Übergröße an der Wand.


Pausback träumte königlich.
Er sah in seinen Träumen sich
Als Weltenherrscher und er fand
Dass ihm diese Rolle stand.


Auch als Feldherr fand er sich
Großartig, unverbesserlich.


"Und als Kriegsheld sowieso,
Bin ich allein das A uns O,
Und schlage jeden, wenn ich will,
Wenn es sein muss auch Achill."


***

Just als er sich als Kriegsheld wähnte
Und im Bette träumend gähnte,
Hat Achill ihm ungezogen,
Sein seidnes Betttuch weggezogen.


"Komm hoch" schrie er aus gutem Grund
"Und zieh dich an du fauler Hund.
Als Kriegsherr ist es opportun
Im Felde deine Pflicht zu tun.
Leg schleunigst deine Rüstung an
Mit der güldnen Krone drauf,
Damit man dich im Schlachtverlauf,
Wenn gegen die Mäuse du im Streite
Sogleich kämpfst an meiner Seite,
Auch sofort erkennen kann!"

***

Der König, gestört in seiner Ruh,
Das rechte Auge noch halb zu,
Fuhr erschreckt im Bette hoch.


Während er aus den Federn kroch
Sprach ziemlich müd' er zum Peliden:

"Gut, dass ihr alle zu mir kommt,
Mich zur rechten Zeit zu wecken,
Und zur Tat mich zu erkecken.

Heute wird der Krieg entschieden.
So wie es einem König frommt,
Denn das ist sein gutes Recht,
Werde auf dem Feld der Ehr,
Mein glorreiches, stolzes Heer
Persönlich führen im Gefecht."

"Doch während ich nun rüste mich,"
Gab Achilles zugewandt,
Seinen Helden er bekannt,
"Bitte deine Freunde ich und dich
Nach drüben in den Speisesaal.
Stärkt euch alle erst einmal
Bevor gemeinsam an die Front
Wir zieh'n, so wie zum Hellespont
Einst vor vielen, vielen Jahren,
Als wir all noch jünger waren,
Der schönen Helena wohl gewogen,
Sind um zu kämpfen einst gezogen.

Gönnt euch ein paar Räucherfliegen
Und lasst auch nicht die Mücken liegen.
Die sind heut besonders lecker.
Etwas für echte Froschfeinschmecker.
Also ich bitt euch tut es
Und gönnt euch etwas Gutes."

*** 

Was weiter noch dann ebenda,
Im Kriege anno dazumal,
In Pausbacks Seepalast geschah,
Berichten wir das nächste Mal.

wird fortgesetzt

Keine Kommentare:

Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.