Mittwoch, 4. Februar 2015

Im Elysium

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 31 - 60
- Im Elysium -

Weiter ging es immerzu.
Auf Hebe folgte Aphrodite.

Für die Damen der Elite
Erzählte sie sogleich das Märchen
Von einem trauten Sängerpärchen,
Der Kröte und dem Urubu.


Die Kröte und der Urubu


Vor langer, langer Zeit hatte die eitle Kröte einen glatten und glänzenden Rücken. Da geschah es, dass die Kröte und der Urubu zu einem Fest im Himmel der Tiere eingeladen wurden. Da der Urubu die eitle Kröte etwas ärgern wollte, bereitete er sich sorgfältig vor und ging sie besuchen. Er fand die Kröte mitten im Schilf während sie sich im Gesang übte und dabei eine ihrer schönsten Melodien vorführte.

Kaum hatten sich die beiden Tiere begrüßt, erzählte die Kröte dem Urubu sofort, dass sie wegen ihres schönen Gesangs zum Fest der Tiere eingeladen worden war. Der Urubu, der sich auch ein bisschen wichtig fühlen wollte, teilte ihr mit, er sei auch eingeladen worden, und hoffte, die Kröte würde nun mit ihrer Wichtigtuerei aufhören.

Am Tag darauf benötigte der Urubu viel Zeit, um sich für das Fest vorzubereiten: gerade als er auf einem Busch saß und sich seine langen schwarzen Federn glättete, kam die Kröte auf ihn zu. Auf dem Boden lag das Instrument des Urubus, eine Gitarre, auf der er die ganze Nacht gespielt hatte.

Die Kröte fing also an, mit dem Urubu zu plaudern und erzählte ihm, dass sie sich sogleich auf die Reise zum Fest machen würde, denn der Weg wäre lang und sie selbst sei ja so langsam ...



Der Urubu hörte in seinen Vorbereitungen nicht genau zu und kaum passte er kurz nicht auf, sprang die Kröte in seine Gitarre und versteckte sich dort.

Als der Urubu losflog, freute er sich sosehr auf das Fest, dass er nicht merkte, wie schwer seine Gitarre war. Bald war er schon durch alle Wolken geflogen, dann zog er bei den Sternen und beim Mond vorbei und kurz darauf kam er beim Fest an.

Kaum war er am Boden gelandet, wollten alle anderen Tiere schon wissen, wo denn die Kröte sei. Der Urubu entgegnete gleich sicher: "Ich glaube nicht, dass sie noch kommen wird. Sie kann ja nicht einmal richtig springen ..."

Worauf die Tiere fragten: "Wieso hast du sie dann nicht mit genommen?" Der Urubu legte seine Gitarre zur Seite, hoffte, dass er bald singen müsste und antwortete: "Ich trage nicht gerne unnötiges Gewicht mit mir herum." 

Aber genau in diesem Augenblick sprang die Kröte ganz aufgeblasen und stolz aus der Gitarre des Urubus. Die Festgäste empfangen sie sofort mit Applaus und Feierlichkeiten, nur der Urubu ärgerte sich, denn die Kröte hatte ihm wieder einmal eins ausgewischt. Endlich fing das Fest an. Alles lief wunderbar: es war genügend Essen für alle da, einige Gäste tanzten, andere sangen, jemand spielte Musik und jeder führte das vor, was er am Besten konnte. In diesem Durcheinander spielte der Urubu zufrieden seine Gitarre und die Kröte gab ihre schönsten "Dos" zum Besten.



Das Fest war noch in vollem Lauf, als die Kröte beschloss, das große Durcheinander auszunutzen, um noch einmal in die Gitarre des Urubus zu springen.

Als das Fest langsam dem Ende zuging, merkte keiner die Abwesenheit der Kröte. Nur dem Urubu, der noch immer wegen des Streichs von vorhin verärgert war, fiel das Fehlen der Kröte auf. Trotzdem entschloss er sich, nach Hause zu fliegen, doch diesmal - er war jetzt viel aufmerksamer als beim Anflug - merkte er sofort, dass seine Gitarre um einiges schwerer war. Er flog also unter das Mondlicht und sah dann auch sogleich, dass die Kröte im hintersten Eck des Gitarrebodens versteckt war. "Komm sofort dort heraus!", rief er ihr zu.

Die Kröte bat ihn, sie nicht hinaus zu werfen und aus Angst davor, verkroch sie sich noch mehr in der Gitarre. Der wütende Urubu fing also an, die Gitarre so stark zu schütteln, dass die Kröte bald hinausgeschleudert wurde ...

Während sie mit ungeheuerlicher Geschwindigkeit zur Erde fiel, hoffte sie wenigstens im Sand oder im Wasser zu landen. Aber um so näher sie der Erde kam, um so mehr entfernte sie sich von Teichen und Bäumen und näherte sich steinigen Wegen.

Schlussendlich fiel sie genau mit dem Rücken gegen einige Steine. 



Als die Kröte wieder zu sich kam, vergingen noch einige Tage bis sie völlig gesund war. Der Schlag auf den Rücken war jedoch so heftig gewesen, dass sie seitdem einen gefleckten und völlig verbeulten Rücken hat. Das ist der Grund, weshalb die arme Kröte so hässlich ist. Manche sagen, dass sie durch den Schlag auch ihre schöne Stimme verloren hätte, aber das ist nicht sicher ...



***
wird fortgesetzt



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Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.