Donnerstag, 30. Juli 2015

Auf dem Schlachtfeld

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 34 - 12
- 10. Kriegstag -
Auf dem Schlachtfeld

peedy 

sprach: "Mit List und Fleiß
Stahl ich aus dem Soldaten-Futter
In der Etappe Obst und Mais.
Auch Fladenbrot und etwas Butter,
Hab, wenn der Nachschub ist gekommen,
Ich beiseite mir genommen.

Was der König in den Scheuern
Für die Truppe lagert ein,
Davon erheb ich meine Steuern,
So als wäre all das mein.

So oft mich Früchte reizen,
Nehm' ich von Hirse, Reis und Spelt,
Von Bohnen, Linsen, Gries und Weizen,
So viel wie's mir gefällt.

Auch Kaviar, Pudding, Zuckerkrem,
Empfinde ich als angenehm,
Wie auch vom Sirup die Melasse,
Die ich mir munden lasse.

Ich weiß den leckren Kuchen
Mit Zuckerüberguss,
Gar listig auszusuchen. 
Auch Haselnüsse, Mandeln, Honig, Mus,
Beeren, Handkäse, Speck und Schinken
Braten, Pasteten, süßen Brei,
Gemüse und noch mancherlei
Stehle ich mir und zum Trinken,
Denn trocken schmeckt mir keine Wurst,
Den Rahm der Milch und obendrein 
Jegliche Säfte und auch Wein.

Das Beste freilich, gegen Durst,
Ist der Schampus den die hohen Tiere
Im Krieg trinken, die Herrn Offiziere.

Nicht Käfer würden schmecken
Noch Regenwürmer mir.
Auch Fliegen nicht und Schnecken,
Das eklige Getier,
An dem nebst Asseln, Flöhen, Schaben,
Die Frösche ihren Gaumen laben
Und sich die Finger lecken.
Auch könnten Spinnen, Falter, Mücken,
Meine Zunge nicht verzücken!"

So hat die Maus den Frosch verhöhnt,
"Denn solch Getier ist mir ein Graus"
Und packte den Rucksack weiter aus.

"Ich bin besseres gewöhnt"
Sprach sie und schenkte ihm vom Wein
Ein Gläschen zum Verkosten ein.

"Den hab ich dem General geklaut"
Verkündete sie dabei laut,
"Der säuft an jedem Tag gleich zwei
Flaschen davon oder drei!"

***


Während die zwei im Grase saßen
Und genüsslich kauend aßen,
Erzählten sie ganz nebenbei,
Vom Kriege sich so mancherlei.

"Für mich ist's schon der dritte Krieg."
Sprach Krotpog Quappe, "doch ein Sieg
War meinem Volk noch nie vergönnt.
Dass es diesmal klappen könnt',
Hab bis gestern ich gedacht.

Doch als ihr uns in der Schlacht,
Das war ein Coup, ganz unbestritten,
Habt vom Nachschub abgeschnitten,
Sah ich meine Hoffnung schwinden.
Der Krieg, denk ich, für mein Empfinden,
Scheint für uns Frösche schon verloren."

Da spitzte Speedy seine Ohren.
"Wie immer auch die Schlacht geht aus",
Erwiderte dem Frosch die Maus,
"Fürcht ich, dass wenn sie ist entschieden,
Nicht allzu lange währt der Frieden,
Denn unsre Könige sind dumm.

Du wirst es sehn, nach kurzer Zeit,
Liegen sie erneut im Streit.

Wir schuften uns die Rücken krumm,
Damit sich unsre Herrscher brüsten,
Mit dem was wir an guten Gaben
Für sie mit Schweiß geschaffen haben,
Währen sie erneut zum Krieg sich rüsten!"

"Ich hasse den Krieg und zwar jedweden!"
Gab ihm der Frosch als Antwort drauf.
Doch lass uns von was andrem reden.
Erzähl mir deinen Lebenslauf."

***

Speedy, der genüsslich just
Ein Stück Käse aß mit Lust,
Erwiderte: "Im letzten Jahr,
Als ich noch bei der Marine war,
Führte mich auf einem Potte
Der königlichen Hochseeflotte,
Eine Fahrt nach Griechenland,
In jene für uns fernen Zonen,
Wo im Olymp die Götter thronen.
Dort hab erlebt ich allerhand.

Damals, was du wissen musst
Gab's dort noch nicht den Wertverlust
Des Geldes und die Wirtschaftskraft
Des Volks der Griechen damals noch
War beinah wie bei uns so hoch."

***

"Erzähl, erzähl, ich bitte dich,"
Bat Krotpog Quapp geflissentlich,
Weil interessiert an der Marine,
Zu Speedy da mit Kennermine.

***

Da ließ die Maus sich nicht lang bitten:

"Als wir einst gegen Dreckpatz stritten,
(Gemeint ist Peleus Dreckpatz, des Königs Vater,
nach Rollenhagen)


Den Vater von Physignatus,
Sind auf dem Eridanos-Fluss,
Wir in einen Sturm geraten.

Ich vergaß die Koordinaten,
Wo damals unser stolzes Schiff,
Im Wellengetose lief aufs Riff.

Die Kameraden all, die guten,
Versanken nebst mir in den Fluten.

Wäre Aphrodite nicht gekommen,
Hätt es ein schlimmes End genommen.
Die rettete mich aus der Not
Und nahm zu sich mich in ihr Boot.
Ich sag's dir, das ist unbestritten,
Noch nie sah ich solch schöne Titten.
Wunderschön geformt und bloß,
Nicht zu klein und nicht zu groß,
Welche, ich war arg verlegen,
Die Göttin reckte mir entgegen.

  
Sie stierte so geil auf meinen Schwanz
Das glitzernd wurd ihr Augenglanz.
Sie schien verliebt in mich zu sein.
Des Kroniden Töchterlein.

Nach langer Sturmfahrt dann mit ihr,
Erreichten schließlich Kreta wir.

Dort setzte sie mich gleich an Land.
Ich wäre gern bei ihr geblieben.
Doch sie, von Sehnsucht wohl getrieben,
Wollte zu Hephaistos ihrem besten Stück
In den Olymp ganz schnell zurück.

Eine Nereide, die mich fand,
Bracht schließlich mich aus freie Stücken,
Auf ihres Seepferds nassen Rücken,
Zum Festland wo nebst dem Kriegsgeschehen,
Ich hatte manches Abenteuer zu bestehen."

  
***

Um was es ging dort dazumal
Im antiken Griechenland,
Berichten wir aus erster Hand.
Morgen weiter im Journal.


wird fortgesetzt


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Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.