Mittwoch, 5. April 2017

Die Muse und der Dichterling

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 47 - 61
Die Muse und der Dichterling
Buch I

Auf Spurensuche
 - Teil 16 -

Und schon ging es mit dem Floß
Nil stromabwärts wieder los.

Der Fluss im Delta ziemlich träg bereits
War leicht zu befahren einerseits,
Doch andrerseits ging's kaum voran.

"Jetzt bist du mit Paddeln dran."
Sprach der Dichterling am Heck.
Und dabei reichte der Filou
Maxima für diesen Zweck,
Das Notpaddel dafür zu.

Er grinst hämisch weil er dachte
Dass seine Muse das nicht brachte.

Doch die, mit Blick nach vorn und festem Griff
Tauchte, so wie es sollt sein,
Das Paddel tief ins Wasser ein,
Und trieb dabei ihr stolzes Schiff,
Mit kraftvollen Zügen hinaus zur Mitte
Des Stromes, wo nach alter Sitte,
Das Wasser sehr viel schneller floss,
Als am flachen verschilften Uferrand,
Wo es keinen Schwung mehr fand.

Als sie dort waren angekommen,
Hat Maxi sich ein Herz genommen,
Indem zum Dichterling sie sprach:

"Du tust, als wärest du vom Fach
Und hier auf unserm Floß der Boss,"
Begann sie bei ihm sich zu beklagen,
Ohne dem Dichter zu verhehlen
Dass anstatt ihr zu befehlen
Er sollte lieber "bitte" sagen."

"Merk dir, zum Befehle geben
Gehören mindestens ja zwei.
Doch wenn einer mitmacht nicht dabei,
Na du weißt schon. Darum eben
Erwarte ich von Dir
Dass du bitte sagst zu mir,
Bevor du mich zu was willst drängen,
Denn sonst lass ich dich mal hängen!"

*** 
"Aber Maxi, so geht das doch nicht hier!"
Sprach der Dichter drauf zu ihr.
An Bord hat einer nur das Sagen!
Ich kann dich nicht erst dreimal fragen
Ob du Lust zu etwas hast,
Was weil es scheint mir opportun,
Dringend ist an Bord zu tun!"


Da hat die Muse ganz gefasst
 Ihrem Freunde mit Bedacht,
Einen Vorschlag schnell gemacht:

"Wenn das so ist, ja dann wollen
Tauschen wir schnell unsre Rollen!"

Das hat ihm zwar nicht sehr gepasst,
Doch half kein weiteres Erklären.
Er musste, was sie wollt gewähren.

Der Rollentausch war schnell vollbracht.

"OK", rief sie dem Dichter zu,
"Den Ausguck übernimmst jetzt du.
Und gib mir bitte auf die Frösche acht.
Nicht dass wir welche überfahren."

"Du kannst das Bitten dir ersparen!"
Erwiderte er mit Hinterlist
Von Bug her schnippisch darauf ihr
Und fügte grantig noch hinzu:

"Die Göttin an Bord hier bist zwar du.
Ich hoffe, dass du auch verstehst
Wie ein Schiff zu führen ist,
Ohne dass du dabei baden gehst!"

"Überlass die Schiffsführung nun mir!
Und das bitte ich mir aus,
Führ meine Befehle erst mal aus!"

Und dann hat sie unverhohlen
Ihm loszupaddeln anbefohlen.

***

Am Ruder scheinbar best bewährt
Steuerte sie das Gefährt,
Auf dem sie beide saßen,
Sicher über alle Maßen,
Durch das schwierige Revier.

Obgleich keiner gezeigt es hatte ihr,
Konnte sie ohne nachzufragen,
Einen Palstek sogar schlagen.

Sie wusste, so schien es offenbar,
Bereits was vorn und achtern war
Und konnte sogar auch die beiden
Längsseiten des Floßes unterscheiden.
"Rot ist Backbord und Steuerbord ist grün,"
Sang sie lustig, laut und kühn,
Damit sie's nicht vergaß,
Vor sich hin im Spaß.

Auch was Luv und Lee war, wusste sie.
Doch offensichtlich noch nicht wie
Mit dem Wind, so wie ein Mann,
Dass nichts passiert, man pinkeln kann.

Dies und wie man richtig kotzt auf See,
Und zwar nicht nach Luv sondern nach Lee,
Machte ihr, als es soweit war,
Ihr lieber Freund, der Dichter klar.

***

"Ja an Bord sind rau die Sitten!"
Hat jener ihr dann mit Bedacht
In sanftem Tone beigebracht.

"Für vornehmes und langes Bitten,
Ist hier nicht der rechte Platz!"

Und dann mit seinem nächsten Satz
Fügte er an, "Ich glaub wir sollen
Tauschen nochmals unsre Rollen!"

Das haben die beiden ganz spontan
Auf ihrem Floß dann auch getan.

***

Plötzlich, so dass beide sie erschraken,
Brach ein furchtbar lautes Quaken,
Er klang nicht gerade virtuos,
Recht voraus, im Schilfgras los.

Die beiden konnten es kaum fassen,
Dass Frösche so laut quaken können.

"Wenn wir uns einfach treiben lassen,
Das sollten wir uns einmal gönnen,
Kommen wir vielleicht so nah heran,
Dass ich sie per Handy knipsen kann."

Vielleicht ist Heket ja dabei,
Oder gar die andern drei,
Die seit Moses Völkerbund,
Leben all im Untergrund.




Gesagt, getan wie angedacht
Haben die zwei es gleich gemacht.

Lautlos glitten sie dahin.
Mitten im Getöse drin,
Und den lautstarken Gesängen,
Blieb das Floß im Röhricht hängen.

So nah kommen wir nie wieder ran,
Flüsterte Maxima in aller Ruh
Ihrem Freund dem Dichter zu
Und griff behutsam zu ihrem Handy leise.

Der Dichter auf die gleiche Weise,
Ach es war fürwahr famos,
Schoss mit der Kamera nun los.
Die Frösche störten sich nicht dran!

Und dann knipsten sie beide rigoros
Was das Zeug hielt darauf los.


***

Wie's mit den beiden weitergeht
In unsrer nächsten Folge steht.

wird fortgesetzt



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Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als fünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 10.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.